Sind medizinische Notwendigkeiten Ursache für die hohe Kaiserschnittrate?

Im Gegensatz zum Hebammenverband, behaupten Ärzte, meist nur aufgrund medizinischer Notwendigkeit zu einem Kaiserschnitt zu raten: «Kein Geburtshelfer rät ohne medizinische Gründe von sich aus zu einem Kaiserschnitt, zumal jede Schwangere autonom ist und sich keinen Kaiserschnitt aufschwatzen lassen würde, wenn sie ausdrücklich eine natürliche Geburt möchte», sagte Michael Singer, Züricher Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe gemäss einem Bericht des Magazins «Beobachter».

Medizinisch notwendig werden Kaiserschnitte zum Beispiel immer häufiger, weil das durchschnittliche Alter der Schwangeren zugenommen hat und damit die Risiken bei der Geburt höher sind. Denn ältere Frauen haben häufiger Rückenprobleme oder leiden eher an Bluthochdruck als jüngere. Verändert hat sich auch die Einschätzung zur Steisslage des Kindes. «So geht man heute bei Steisslagen in den meisten Fällen zum Kaiserschnitt über, da bei einer natürlichen Geburt das Risiko grösser ist, dass das Kind dabei stirbt oder behindert zur Welt kommt», sagte Daniel Surbek, Chefarzt Uni-Frauenklinik Bern in einem Beitrag der «Berner Zeitung».

Zudem hat die Einführung von medizinischen Indikatoren dazu geführt, dass immer mehr Schwangere offener über ihre wahren Beweggründe sprechen würden. «Sie müssen nicht mehr um einen Kaiserschnitt betteln», so Michael Singer. Diese Indikatoren hat die Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe benannt. Demnach gelten als medizinische Notwendigkeit zum Beispiel die Sorge der Mutter vor Geburtsschmerzen, vor möglicher Schädigung des Kindes während der Geburt, vor Verletzung des Beckenbodens oder vor Beeinträchtigung der Sexualität. So hätten Ärzte und Kliniken Spielraum, was sie als notwendig einstufen würden, heisst es im Bericht des Beobachters.

Letztlich hat die Frau die Wahlfreiheit. Um die richtige Entscheidung zu treffen, sollte sie aufgeklärt sein. Ein Beratungsgespräch über die unterschiedlichen Formen der Geburt wird allerdings nicht von der Grundversicherung übernommen. Um einen ersten Überblick zu bekommen, haben wir auf der nächsten Seite die wichtigsten Informationen zum Kaiserschnitt zusammengestellt.

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