Drei-Kind-Familie in Mode

Dies spiegelt sich auch in der Berner Praxis des Paartherapeuten Klaus Heer wider. Paare, die sich nur auf sich und ihre Karriere konzentrieren würden, fehle etwas. «Heute sorgen immer mehr Leute wieder für Bodenhaftung», meinte er zu Blick, «spätestens, wenn sie auf die 40 zugehen. Nicht grenzenloser Genuss mache das Leben lebenswert, sondern die Liebe, deren schönste Frucht das Kind ist. Die Liebe zwischen Eltern und Kind ist einzigartig. Das spricht sich langsam herum.»

Paare mit zwei Kindern bildeten lange Zeit den gängigen Familientypus. Doch auch bei der Zahl des Nachwuchses scheint sich ein Trend abzuzeichnen - nach mehr Kindern. Statistisch lässt sich das noch nicht erhärten - die letzte Volkszählung liegt acht Jahre zurück. In Mode gekommen scheint die Drei-Kind-Familie: «In unserem Umfeld, sei es in Krippe, Kindergarten oder Schule, fällt mir dies schon seit einiger Zeit auf», sagt die in der Stadt Zürich lebende Barbara Krynski.

Familienpolitik in der Schweiz - es gibt noch viel zu tun

«Diese erfreuliche Entwicklung hat auch mit den positiven Signalen aus der Familienpolitik zu tun», erklärt SP-Familienpolitikerin Jacqueline Fehr auf ihrer Homepage. Seit 2003 werden Kinderbetreuungsangebote vom Bund finanziell unterstützt, seit 2004 gibt es eine Mutterschaftsversicherung und seit 2006 einheitliche Familienzulagen. «Diese Massnahmen fördern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und erleichtern es einem Paar offensichtlich, sich wieder für Kinder zu entscheiden», so Fehr.

Dass dieser Zusammenhang bestehe, zeige auch der Blick über die Grenze: Frankreich und die nordischen Länder investieren viel mehr in die Kinderbetreuung, in Familienzulagen und die steuerliche Entlastung von Familien als die Schweiz. Entsprechend sind die Geburtenziffern in diesen Ländern viel höher. In Island bringt eine Frau im Durchschnitt 2,05 Kinder zur Welt, in Norwegen sind es 1,84 und in Schweden 1,77. Eine Schweizer Frau gebärt trotz Aufwärtstrend dagegen erst 1,46 Kinder. «Die Schweiz ist familienpolitisch auf einem guten Weg», sagt Fehr weiter auf ihrer Website, aber «es ist noch viel mehr möglich». So hapert es immer noch an ausreichend Krippenplätzen. Gemäss einer gross angelegten Studie fehlen in der Schweiz immer noch 50'000 Plätze.

Text: Claudia Merki, 2009

 

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