Geburtseinleitung: Wenn das Baby auf sich warten lässt

Der errechnete Geburtstermin wird überschritten – und nichts tut sich. Wenn es Ihnen und Ihrem ungeborenen Baby gut geht, sollten Sie Geduld haben. Kommt es zu Komplikationen oder dauert Ihre Schwangerschaft länger als 42 Wochen, wird eine Geburtseinleitung empfohlen.

Wenn das Baby auf sich warten lässt, wird manchmal eine Geburtseinleitung nötig.

Geht es nicht von selbst los, wird in manchen Fällen eine Geburtseinleitung im Spital nötig. Foto: joruba, iStock, Thinkstock

Das Warten auf die Geburtswehen kann überaus zermürbend sein. Doch die meisten Kinder kommen nicht zum errechneten Geburtstermin auf die Welt, sondern ein paar Tage vor oder nach diesem Datum.

Was bedeutet die Überschreitung des errechneten Entbindungstermins?

Zwischen der 40. und 41+7. Schwangerschaftswoche spricht man von einer Terminüberschreitung, die circa in einem Drittel der Schwangerschaften auftritt. Ab der 42. Schwangerschaftswoche handelt es sich um eine «Übertragung», von der nur etwa sechs Prozent der Schwangeren betroffen sind. Ist der errechnete Entbindungstermin verstrichen, werden Schwangere sehr engmaschig von Arzt oder Hebamme untersucht. Geht es Mutter und Kind gut, kann zugewartet werden.

Wann wird die Geburt eingeleitet?

Die Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG) empfiehlt bei risikoarmen Schwangerschaften eine Geburtseinleitung ab der 42. Schwangerschaftswoche.
Es gibt zudem einige Risikofaktoren, die eine Einleitung erforderlich machen können:
Zu wenig Fruchtwasser oder schlechte Versorgung des Babys durch die Plazenta, auffällige Herztöne im CTG, ein zu grosses oder zu schweres Baby, vorzeitiger Blasensprung ohne Wehentätigkeit, Diabetes, Präeklampsie, Bluthochdruck oder Mehrlings- und Zwillingsschwangerschaften.

Wichtig ist in jedem Fall, «die Grundhaltung der Schwangeren gegenüber einer Induktion (Geburtseinleitung) [zu] berücksichtigen und ihr mit der Beratung keine Angst einzuflössen», schreibt Prof. Dr. med. Daniel Surbek, Chefarzt der Geburtshilfe im Inselspital Bern, im Editorial der Zeitschrift Gynäkologie. «Letztlich wird nur eine gemeinsame Entscheidung, basierend auf korrekter Information (informed consent) die Grundlage bilden können für eine gute und gemeinsam getragene Entscheidung, welche zum besten „perinatalen Ergebnis“ für Mutter und Kind führt».

Natürliche Geburtseinleitung: Was können Sie selbst tun?

Vor jeder Anwendung sollten Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Hebamme besprechen, ob eine bestimmte Methode mit Ihrem Zustand und dem Ihres Kindes vereinbar und sinnvoll ist.

  • Bewegung ist ein probates Mittel – jedoch bitte kein Leistungssport!
  • Spaziergänge lenken nicht nur ab, sondern können die Wehentätigkeit fördern, da das Gewicht des Kindes auf das Becken drückt und so sanft den Geburtskanal dehnt.
  • Auch Treppensteigen wird empfohlen, allerdings ebenfalls in Massen und aufgrund der Verletzungsgefahr nicht auf zu steilen oder unebenen Treppen.
  • Sex kann ebenso die Wehen einleiten. Im Sperma ist das wehenanregende Hormon Prostaglandin enthalten. Durch die Stimulation der weiblichen Brustwarzen wird das wehenfördernde Hormon Oxytocin ausgeschüttet. Beim weiblichen Orgasmus treten ausserdem Kontraktionen der Gebärmutter auf, die Wehen einleiten können.
  • Einigen Pflanzen wie Nelken, Zimt, Ingwer und Eisenkraut wird eine wehenfördernde Wirkung zugeschrieben. Eine sanfte Bauchmassage oder ein warmes Vollbad mit den ätherischen Ölen wirken angenehm entspannend. Auch ein Aufguss aus den genannten Gewächsen kann, schluckweise über den Tag getrunken, innert ein bis zwei Tagen Wehen auslösen.
  • Von sogenannten Wehencocktails mit Rizinusöl und Alkohol ist abzuraten, da ihre Wirksamkeit nicht bestätigt werden kann und sie durch die abführende Wirkung zu Übelkeit und Durchfall führen können.

Medizinische Geburtseinleitung im Spital

Wenn eine medizinische Geburtseinleitung durchgeführt wird, gibt es mehrere Medikamente, die im Spital Verwendung finden:

Oxytocin
Das intravenös verabreichte, als «Wehentropf» bekannte Mittel enthält das Hormon Oxytocin, welches die Wehen verstärkt. Er kann jedoch erst bei leicht geöffnetem Muttermund eingesetzt werden. Durch seine schnelle Wirkung innert weniger Stunden geht der Geburtsprozess meist recht schnell vonstatten – er kann jedoch auch sehr starke, dauerhafte Wehenschmerzen («Wehensturm») auslösen, welche eine Schmerzmittelgabe oder eine Periduralanästhesie (PDA) erforderlich machen.

Misoprostol
Misoprostol kann sowohl oral als Tablette als auch vaginal verabreicht werden und enthält synthetisches Prostaglandin E1. Es löst meist innert eines Tages die Geburtswehen aus. Es kann Übelkeit und Erbrechen auslösen und, wie auch Oxytocin, durch Überstimulation der Gebärmutter einen Wehensturm zur Folge haben.

Prostaglandin E2
Prostaglandin E2 wird bei unreifem Muttermund eingesetzt. Das auch im Sperma enthaltene Hormon erweicht den Muttermund und wird entweder als Vaginaltablette oder als Gel in die Vagina eingeführt. Die Geburtswehen können schon nach wenigen Stunden oder erst nach Tagen einsetzen. Prostaglandin E2 kann jedoch Fieber, Übelkeit und Erbrechen auslösen und zudem starke Wehentätigkeit bei gleichzeitigem Geburtsstillstand bewirken.

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Weitere Informationen zur Geburtseinleitung

Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG):
sggg.ch

Leitlinie der Schweizerischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG) bei Terminüberschreitung und Übertragung:
www.awmf.org


 

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