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Bereit für die Geburt? Eine Anleitung für alle, die bald Eltern werden

Es ist ein Ereignis, das man lebenslang nicht vergisst: Die Geburt des eigenen Kindes. Darum sollten Sie sich gut vorbereiten. Hebamme Nicole Widmer weiss, welche Fragen Sie sich im Vorfeld stellen sollten, wie Sie den richtigen Geburtsort finden und warum die Aussage «Wissen ist Macht» auch bei der Geburt gilt.

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Wie findet man den passenden Geburtsort und welcher Geburtsvorbereitungskurs ist der richtige? Unsere Expertin weiss Rat. Bild: FilippoBacci / E+

Neun Monate wartet man auf den einen Moment: Die Geburt des Babys, das man im Bauch trägt. Je näher der Termin rückt, desto mehr Fragen drängen sich auf. Besonders die Entscheidung für den passenden Geburtsort ist wichtig. Denn dafür kommt längst nicht nur das nächstgelegenste Spital in Frage. Neben dem «wo» wollen werdende Mamas (und Papas) vor allem eines wissen: Was kommt da eigentlich auf sie zu? Wie muss man reagieren, wenn die Wehen kommen oder die Fruchtblase platzt?

Geburtsvorbereitungskurs – ja oder nein?

Antworten auf diese Fragen gibt es unter anderem in angeleiteten Kursen und Angeboten. Ob ein solcher Kurs sinnvoll sei, werde ich oft bei Kennlerngesprächen mit werdenden Mamas gefragt. Meiner Meinung nach ist er nicht zwingend notwendig. Sie können auch ohne geleiteten Kurs prima gebären. Wer sich für einen Kurs entscheidet, hat jedoch den Vorteil, dass man gleich die Hebamme schon kennenlernt, die einen später betreut. 

Ob man sich nun für oder gegen einen Kurs entscheidet: Wichtig ist eine gute Vorbereitung auf die Geburt und die Elternschaft. Denn Wissen ist Macht! Und es gibt einiges, was Sie vor einer Geburt wissen sollten. Wie verläuft eine Geburt? Wie kann ich einen positiven Geburtsverlauf beeinflussen? Ob Sie sich dieses Wissen in einem Kurs, im kleinen Rahmen mit einer Fachperson oder durch Selbststudium aneignen, bleibt ganz Ihnen überlassen. Je mehr Antworten Sie auf Ihre Fragen kennen, umso selbstständiger und sicherer werden Sie sein, wenn der grosse Moment kommt. 

Entscheiden Sie sich für einen Kurs, empfehle ich einen, in dem es neben dem Gebären auch darum geht, wie ein Baby das Zusammenleben als Paar verändert und welche alltäglichen Herausforderungen das Elternsein mit sich bringen.

Tipp: Fast wichtiger als einen Geburtsvorbereitungskurs finde ich übrigens einen Nothelferkurs für Kinder. Solche werden – auch online — etwa vom Roten Kreuz angeboten.

Der richtige Geburtsort: Diese Möglichkeiten haben Sie

Wie schon erwähnt, ist die Wahl des Geburtsortes eine der wichtigsten Entscheidungen, die Sie treffen müssen. Neben dem nächstgelegenen Spital kommt hierfür auch ein Geburtshaus oder gar das eigene Bett in Frage. Am wichtigsten ist es, dass Sie sich an diesem Ort wohl und geborgen sowie gut betreut fühlen. Diese Möglichkeiten haben Sie:

1 Geburt im Spital ohne Beleghebamme oder -arzt

Dies hat den Vorteil, dass sie keine Vorbereitung braucht. Für eine Geburt im Spital ohne Beleghebamme oder -arzt fahren Sie bei Wehenbeginn ins ausgewählte Spital und kennen weder die betreuende Hebamme noch den Arzt. Wichtig zu wissen: Wenn Sie keine Beleghebamme haben, wechselt diese nach achteinhalb Stunden die Schicht.

2 Geburt in Begleitung mit einem Belegarzt ohne Beleghebamme

Sie möchten, dass bei der Geburt ein vertrauter Arzt anwesend ist? Bei dieser Alternative werden Sie von der Gynäkologin betreut, die Sie schon während der Schwangerschaft betreut hat. Ein Arzt kommt in diesem Falle hinzu, wenn es Komplikationen gibt oder ganz zum Schluss. Der Nachteil hierbei ist, dass das Krankenhaus im Vorhinein gewählt werden muss und Sie die Hebamme nicht kennen.

3 Geburt im Spital mit Beleghebamme und Belegarzt

Sie können sich bei der Geburt auch von Ihrer vertrauten Hebamme sowie einem bekannten Arzt betreuen lassen. Die Hebamme besucht die Familien meistens schon bei Wehenbeginn und begleitet sie ins Spital.

4 Eine hebammengeleitete Geburt im Spital

Eine besonders ruhige Geburt ist meist gegeben, wenn Sie sich für eine hebammengeleitete Entbindung entscheiden. Bei diesem Modell werden Sie von der Hebamme durch die verschiedenen Geburtsphasen geleitet und bei der Geburt kommt eine zweite Hebamme hinzu. Hierbei werden alternative Methoden zur Scherzlinderung eingesetzt und bei Komplikationen kommt ein Arzt hinzu. Hier bleibt die betreuende Hebamme die ganze Zeit über die gleiche.

5 Im Geburtshaus gebären

Eine besonders heimische Atmosphäre ist im Geburtshaus gegeben. Hier werden Sie bei der Geburt von einer vertrauten Hebamme betreut, die jedoch nach 12 Stunden wechselt. Zur Schmerzlinderung werden alternative Methoden eingesetzt. Wenn starke Komplikationen es notwendig machen, werden Sie ins nächstgelegene Spital verlegt. Ein Nachteil kann also eine lange Autofahrt vom Geburtshaus ins Spital sein.

6 Zuhause gebären: Die Hausgeburt

Maximale Privatsphäre und ein vertrautes Umfeld ist bei einer Hausgeburt gegeben. Dabei werden Sie von der Hebamme, die Sie während der Schwangerschaft betreut hat, in den eigenen vier Wänen begleitet. Es findet dabei kein Wechsel statt, eine weitere Hebamme kommt zum Ende der Geburt hinzu. Auch hier werden Sie bei Komplikationen in ein nahegelegtes Spital verlegt. Eine Hausgeburt muss jedoch gut vorbereitet und ein Gebärzimmer eingerichtet werden.

Gebutsort wählen: 8 Fragen, die Sie sich stellen sollten

Sie sehen: Sie haben auch bei der Geburt die Qual der Wahl. Wenn es die Möglichkeit gibt, an einem Infoanlass teilzunehmen, sollten Sie diese wahrnehmen. Hierbei können Sie am besten herausfinden, ob der Ort der Richtige für Sie und Ihren Partner ist. Damit Sie dabei möglichst viel herausfinden, rate ich Ihnen, folgende Fragen zu stellen: 

➜ Wie weit ist die Fahrt von zuhause bis zum Geburtsort?

➜ Wie haben Sie sich bei der Besichtigung des Ortes gefühlt?

➜ Gibt es die Möglichkeit, dass Ihr Partner auf der Wochenbettabteilung bei Ihnen übernachtet?

➜ Wie viele Hebammen arbeiten in jeder Schicht? So können Sie einschätzen, wieviel Zeit eine Hebamme für Sie haben wird.

➜ Wie hoch ist die Kaiserschnittrate?

➜ Wohin wird mein Kind bei Komplikationen verlegt?

➜ Ist ein Narkoseteam rund um die Uhr vor Ort?

➜ Welche alternativen Massnahmen zur Schmerzlinderung gibt es?

Nicole Widmer

Nicole Widmer ist ausgebildete Hebamme und Pflegefachfrau mit Schwerpunkt Kind, Jugend, Frau und Familie. Bis 2015 hat sie im stationären Wochenbett und auf einer Pränatalabteilung gearbeitet. Seit Frühling 2020 hat sie sich ganz selbstständig gemacht. Als Hebamme unterstützt sie Familien mit vollem Einsatz und mit viel Herz. Denn die 35-Jährige ist eine Macherin und Optimistin. Ausserdem liebt sie Nutella und Listen. Und natürlich ihre Familie!

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