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HypnoBirthing: Wie Frauen dank Selbsthypnose entspannt gebären

In den letzten Jahren macht eine neue Methode der sanften Geburt immer mehr von sich reden: Dank HypnoBirthing sollen die Schmerzen erträglicher sein und die Geburt an sich zu einem entspannten Vorgang werden. Wir erklären, was die Form der Hypnose bringt und wie sie Müttern die Angst nimmt.

Mit HypnoBirthing kann die Mutter eine sanfte und schmerzfreie Geburt erleben.

Dank HypnoBirthing lernen Schwangere Atem- und Entspannungstechniken, die Ihnen beim Gebären helfen. Bild: ASIFE, Getty Images

Werdende Mamis aufgepasst! Das Konzept des HypnoBirthing geht über die Atemübungen klassischer Geburtsvorbereitungskurse hinaus und verspricht euch eine entspannte, schmerzärmere Geburt. Entspannt gebären dank Hypnose – das tönt gut. Aber funktioniert es auch wirklich? 

Wie Angst und Schmerzen zu Verspannungen führen

HypnoBirthing ist eine Ende der 1980er Jahre durch die Pädagogin und klinische Hypnotherapeutin Marie F. Mongan in den USA bekannt gewordene Methode der schmerzfreien, sanften Geburt. Sie möchte, «dass jede Frau, überall, die Freude einer wirklich sicheren, angenehmen und befriedigenden Geburt für sich und ihr Kind erfährt.»

Zurückzuführen ist die Methode auf Beobachtungen eines englischen Geburtshelfers Grantley Dick-Read, der schon 1942 in seinem Buch «Mutter werden ohne Schmerz» den Zusammenhang von Angst und Anspannung als Basis für Schmerzen bei der Geburt beschreibt. Er hatte beobachtet, dass von den Frauen, die während der Geburt keine Betäubungsmittel bekamen, einige in eine Art Trance fielen, und diejenigen, die ohne Angst in die Geburt gingen, schneller und entspannter gebaren.

Bis dato war die landläufige Meinung, dass Geburten mit schrecklichen Schmerzen einhergehen. Dick-Read befasste sich weiter mit dem Phänomen und schlussfolgerte, dass Angst vor der Geburt zu Verspannungen führt und damit unter anderem zu einer Verengung des Geburtskanals, was wiederum zu Schmerzen und weiterer Anspannung führt und so den Vorgang beschwerlich macht.

Weniger Ängste sorgen für eine sanfte Geburt 

Nach Dick-Reads Theorie entsteht ein grosser Teil von Schmerzen und Ängsten durch Erwartungen der Schwangeren vor der Geburt. Wenn Sie sich selbst fragen: Wie viele positive Geburtsgeschichten kennen sie? Und wie viele negative? Der Umkehrschluss bedeutet also: Weniger Ängste, mehr Entspannung. Das wiederum führt zu einer sanften Geburt für Frau und Kind. 

Auf Dick-Reads Erkenntnissen aufbauend entwickelte Marie F. Mongan die Methode des HypnoBirthings als ganzheitliche Geburtsvorbereitung. Sie geht davon aus, dass jede Geburt einen natürlichen Ablauf hat, den eine Frau selbstbestimmt durchleben sollte. Dann können medizinisch nicht zwingend notwendige Interventionen wie ein Wehentropf oder eine Periduralanästhesie eventuell vermieden werden. Wichtig für die Methode ist, dass die Frau gut auf die Geburt und das Kind vorbereitet ist.

Hypnose in einem Kurs erlernen

In Kursen zum HypnoBirthing setzen sich Eltern deshalb neben den Phasen der Geburt intensiv mit der Rolle von Ängsten auseinander. Ziel ist es, der Mutter ihre Ängste zu nehmen und ein möglichst angenehmes Geburtsumfeld zu schaffen. Dazu gehört unter anderem die starke Einbindung des Partners als Vertrauensperson.

Beim HypnoBirthing nach Mongan handelt es sich nicht, wie der Name vielleicht vermuten lässt, um eine von aussen herbeigeführte Hypnose, sondern um eine durch die werdende Mutter selbst erzeugte Tiefenentspannung. Verschiedene Atem- Entspannungs- oder Visualisierungstechniken, die während der Schwangerschaft eingeübt werden, stehen im Vordergrund und versprechen dabei eine sanfte Geburt.

HypnoBirthing Kurse finden

Es gibt eine Reihe von Kursangeboten zum Thema HypnoBirthing. Ein Kurs in der Gruppe kostet je nach Umfang zwischen 500 und 1000 CHF, auch Einzel- oder Paarcoachings mit dem Mann sind möglich. Weitere Informationen finden Sie unter:

www.hypnobirthing-schweiz.chwww.hypnobirthing.chwww.happybirthing-schweiz.ch

Visualisierungstechnik in der Schwangerschaft: Die Regenbogen-Meditation

Durch regelmässiges Wiederholen von Meditations- und Atempraxis trainiert die Schwangere, sich in einen meditativen Zustand zu versetzen. Während der Geburt soll dieser Zustand hergestellt werden können, um für Mutter und Kind eine möglichst entspannte und schnelle Geburt zu ermöglichen.

Eine bekannte Übung ist die Regenbogenmeditation. Sie hat ihren Namen von den Farben, die der Reihe nach in der geleiteten Meditation angesprochen werden. Von rot über orange, gelb, grün, blau bis violett, angeordnet wie bei einem Regenbogen, fokussiert man sich auf die Farben und schiebt dadurch andere Gedanken beiseite. Wer Yoga praktiziert, dem mag das vielleicht bekannt vorkommen: In hinduistischen und buddhistischen Lehren sind diese Farben den Chakren, sogenannten Energieknotenpunkten im Körper, vom Kopf bis zum Unterleib zugeordnet. Entlang dieser Körperregionen ist die Regenbogen-Meditation ausgerichtet.

Im Internet werden eine Reihe von Regenbogen-Meditationen angeboten. Wer einmal eine Mediation ausprobieren möchte, wird zum Beispiel hier fündig: 

Die Regenbogen-Meditation in der Geburtsvorbereitung ist meist stark auf den Unterleib und den Vorgang der Geburt fokussiert. Aber auch jede andere Meditation kann zur Entspannung beitragen.

Funktioniert HypnoBirthing?

Viele Frauen berichten von positiven Erfahrungen, die sie durch die Unterstützung der HypnoBirthing Methode machten. Klinisch erforscht ist die Methode im deutschsprachigen Raum noch nicht, wird aber von vielen Ärzten und Hebammen empfohlen.

Der weibliche Körper produziert während der Geburt Endorphine, die viel stärker sind und besser wirken als von aussen gegebene Schmerzmittel. Allerdings gilt für das HypnoBirthing, wie auch für alle anderen Entspannungs- und Vorbereitungstechniken: Wichtig ist vor allem, dass Frauen regelmässig trainieren und an die Methode sowie sich selbst glauben. Denn nur wenn sich die Schwangere innerlich darauf einlässt, kann Sie Ängste und Widerstände abbauen und sich auch dann noch entspannen, wenn sie gebärt. Wichtig ist aber auch, sich bewusst zu sein, dass HypnoBirthing eine Methode der Geburtsvorbereitung ist. Es ersetzt aber nicht die medizinische Begleitung und Abklärung von Risiken während der Schwangerschaft.

Literatur

Dick-Read, Grantley: Mutter werden ohne Schmerz. Die natürliche Geburt, 1943.

Marie F. Mongan: HypnoBirthing. Der natürliche Weg zu einer sicheren, sanften und leichten Geburt. 6. Auflage 2018, Mankau Verlag.