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Lebensrettend: Stammzellen aus dem Nabelschnurblut

Wenn die Geburt eines Babys näher rückt, werden Eltern oft gefragt, ob sie Stammzellen des Babys konservieren lassen wollen. Für eine Konservierung sprechen – unter bestimmten Voraussetzungen – stichhaltige Argumente.

Entnommene Stammzellen können Leben retten

Durch eine Transplantation von Stammzellen aus dem Nabelschnurblut können seltene Erbkrankheiten oder Immunkrankheiten behandelt werden. Foto: cphoto - Fotolia.com

Bevor ein Baby auf die Welt kommt, müssen sich Eltern mit vielen wichtigen Fragen auseinandersetzen. «Wollen wir Stammzellen aus dem Nabelschnurblut entnehmen und aufbewahren lassen?» so lautet eine dieser Fragen.

Nabelschnurblut: Reich an Stammzellen

Das Nabelschnurblut ist – neben dem Knochenmark - reich an Stammzellen. Stammzellen sind besonders wertvoll, weil sie in der Lage sind, neue Blutzellen zu bilden. Aufgrund dieser Eigenschaft können sie Leben retten: «Notwendig sind sie für die Wiederherstellung eines neuen, gesunden Blut- und Immunsystems eines Patienten. Die gewonnenen Blutstammzellen haben daher ein sehr hohes Potential bei der Behandlung von Erkrankungen wie Leukämie», sagt Prof. Dr. Claudia Rössig, leitende Oberärztin in der pädiatrischen Hämatologie und Onkologie am deutschen Universitätsklinikum Münster. Auch seltene erbliche Krankheiten und Immunkrankheiten können durch eine Transplantation von Stammzellen aus Nabelschnurblut behandelt werden.

Für eine erfolgreiche Transplantation bei einer Knochenmarkspende gibt es eine Voraussetzung: Wie bei einer Organspende müssen Spender und Empfänger sehr ähnliche Gewebeeigenschaften haben. Je ähnlicher die Eigenschaften sind, desto geringer ist die Gefahr einer Abstossung der Spende. Wenn ein Patient Geschwister hat, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass die Gewebeeigenschaften vollständig übereinstimmen, bei ungefähr 25 Prozent.

Stammzellen aus Nabelschnurblut gelten heute als Alternative zu Stammzellen, die aus Knochenmark gewonnen werden. Allerdings reichen die Stammzellen, die sich aus Nabelschnurblut gewinnen lassen, oft nur für ein Kind, nicht aber für einen Erwachsenen. «Obwohl Nabelschnurblut viel mehr Stammzellen pro Volumeneinheit enthält als irgendeine andere Quelle, reicht der Inhalt einer einzigen Nabelschnur als Transplantat oft nur für ein Kind», darauf weist das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hin. «In jüngster Zeit wurden aber auch schon Transplantationen bei Erwachsenen vorgenommen.»

Nabelschnurblut im Vergleich zum Knochenmark

Vorteile des Nabelschnurblutes sind:

  • Nabelschnurblut kann nach der Geburt und nach Abnabelung schmerzfrei und ohne Risiko für Mutter und Kind gewonnen werden.
  • Nach Überprüfung von Qualität, Keimfreiheit und Gewebstyp des Nabelschnurblutes kann Nabelschnurblut tiefgefroren und in flüssigem Stickstoff über Jahre gelagert werden.
  • Die Anzahl potentieller Spender ist fast unbegrenzt gross; insbesondere können auch Bevölkerungsgruppen mit seltenen Gewebstypen, die in Knochenmarks-Spenderegistern untervertreten sind, als Spender eingeschlossen werden.
  • Das Nabelschnurblut-Transplantat aus einer Nabelschnurblutbank ist jederzeit abrufbar.
  • Abstossungsreaktionen durch immunologisch aktive Zellen des Spenders im Transplantat (sogenannte «Graft-versus-host Krankheit»), kommt bei Nabelschnurblut seltener und in geringerem Schweregrad vor, weil die kindlichen Zellen im Nabelschnurblut unreifer sind und daher weniger befähigt sind, eine Abwehrreaktion auszulösen.

Nachteil des Nabelschnurblutes ist:

  • die begrenzte Menge der Zellen im Nabelschnurblut, so dass meist nur Kinder und nur selten Erwachsene eine Transplantation erhalten können.

(Quelle: Universitätsspital Bern)

 
 

Stammzellen aus Nabelschnurblut für eigene Zwecke

Stammzellen einlagern für eigene Zwecke – das klingt gut. Doch genau das ist umstritten. Für die Entnahme und Konservierung von Stammzellen eines Babys als Notfall-Depot für das Kind selbst verlangen private Anbieter Gebühren von circa 3.000 Franken. Das sind für Eltern hohe Kosten angesichts der Tatsache, dass dafür keine medizinische Notwendigkeit besteht. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind die Stammzellen selbst benötigen wird, gilt im Normalfall als gering.

«Aktuell gehen Schätzungen von einem unterschiedlichen potentiellen Bedarf für eine eigene Nabelschnurblutstammzell-Spende aus (1:1000 – 1:200.000)», so das Universitätsspital Bern. «Daher sind privat eingelagerte Nabelschnurblut-Spenden im Moment nur von begrenztem Nutzen.» Darüber hinaus transplantieren Ärzte leukämiekranken Kindern ohnehin lieber fremde Stammzellen. Die Gefahr besteht, dass in den eigenen Stammzellen die Anlage für den Krebs bereits vorhanden ist.

Der Schweizerische Hebammenverband distanziert sich von der Konservierung von Nabelschnurblut in kommerziellen Stammzellenbanken. «Dies widerspricht dem Solidaritätsgedanken unseres  Gesundheitssystems», so der Hebammenverband. Besser sei es, die Spenden in öffentlichen Stammzellenbanken der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Dort sei die Chance, dass die Spenden tatsächlich eingesetzt werden könnten, viel grösser. Mehr dazu: www.hebamme.ch

Neue Behandlungsformen, die auf Stammzellen basieren, können sich allerdings noch entwickeln. Die Forschung läuft auf Hochtouren. «Der langfristige Nutzen von Eigen-Spenden wird abhängig sein von der zukünftigen Entwicklung von neuen Therapiemöglichkeiten», so das Universitätsspital Bern.

Stammzellen aus Nabelschnurblut für andere Menschen

Stammzellen können anderen Menschen das Leben retten – zum Beispiel einem nahen Verwandten ersten Grades wie dem Geschwisterkind. Wenn ein Familienmitglied unter einer Krankheit leidet, die durch eine Transplantation von Stammzellen behandelt werden kann, lässt sich das Nabelschnurblut kostenfrei entnehmen. Passt die Spende zum Spender, wird sie aufbereitet und bis zur Transplantation in einer öffentlichen Nabelschnurblut-Bank aufbewahrt.

Viele Menschen, die an Leukämie erkrankt sind, warten dringend auf eine lebensrettende Stammzellen-Spende. Deshalb ist es sehr sinnvoll, das Blut der Nabelschnur seines Babys zu spenden und über öffentliche Banken der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Dann ist die Spende Teil eines weltweiten Datennetzwerkes und für alle Patienten zugänglich, die sie brauchen. Eine Spende von Nabelschnurblut ist in Basel, Bern, Genf, Liestal und in verschiedenen Spitälern im Tessin möglich. Den Eltern entstehen keine Kosten, da die öffentliche Nabelschnurblut-Bank durch eine Stiftung finanziell unterstützt wird.

 
 

Autor: Sigrid Schulze

Haben Sie noch Fragen zu den Vor- und Nachteilen einer Stammzellen-Entnahme? Schreiben Sie einen Kommentar!

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Swica

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