Abtreibung bei ungewollter Schwangerschaft

Wenn Frauen unverhofft oder zum falschen Zeitpunkt schwanger werden, ziehen manche einen Schwangerschaftsabbruch in Betracht. Dies ist keine leichte Entscheidung, denn rückgängig gemacht werden kann die Abtreibung nicht.

Eine Abtreibung muss sich eine Frau gut überlegen.

Die Entscheidung, ein Kind abzutreiben, fällt vielen nicht leicht. Foto: Stockbyte, Thinkstock

Der Schwangerschaftstest ist positiv. Sofort beginnt das Mutterherz zu schlagen, im Geiste werden die ersten Babystrampler gekauft und ein möglicher Name ausgedacht. Doch nicht jede Frau empfindet diese Art von Gefühlen. Für manche ist die Gewissheit schwanger zu sein ein Schock. «Es gibt verschiedene Gründe», wie Anne-Marie Rey, prominente Kämpferin für die Straflosigkeit des Schwangerschaftsabbruchs im Interview mit der Basler Zeitung sagte. «Partnerschafts- und Finanzprobleme spielen eine wichtige Rolle. Aber über 50 Prozent der Abtreibungen sind auf ein Versagen der Verhütung zurückzuführen. Und eine Frau, die verhütet hat, will ihr Recht auf Selbstbestimmung nicht einfach wegen eines geplatzten Kondoms aufgeben.» 2009 wurden laut Bundesamt für Statistik 10'137 Schwangerschaftsabbrüche bei in der Schweiz wohnhaften Frauen vorgenommen.

Innerhalb der ersten 12 Wochen nach Beginn der letzten Periode ist der Schwangerschaftsabbruch straflos (Art. 119-120 Schweizerisches Strafgesetzbuch). Die Frau muss schriftlich, mit Unterschrift, erklären, dass sie sich in einer Notlage befindet. Konkret heisst das: Eine Frau kann selbst entscheiden, ob sie ihr Kind austragen möchte oder nicht. Der behandelnde Arzt hat die Pflicht die Patientin anzuhören, sie zu beraten und ihr eine Liste von Beratungsstellen auszuhändigen. Nach der 12. Schwangerschaftswoche ist eine Abtreibung straflos, wenn sie nach ärztlichem Urteil notwendig ist, «damit von der schwangeren Frau die Gefahr einer schwerwiegenden körperlichen Schädigung oder einer schweren seelischen Notlage abgewendet werden kann» heisst es im Strafgesetzbuch. Gemäss Bundesgesetz über die Krankenversicherung übernimmt die obligatorische Krankenpflegeversicherung bei straflosem Abbruch einer Schwangerschaft die Kosten für den Eingriff. Franchise und Selbstbehalt müssen von der Versicherten übernommen werden.

Unterschiedliche Ansichten

Nur wenige Themen erhitzen die Gemüter so sehr und rufen solch unterschiedliche Reaktionen hervor, wie die Frage, ob ein selbst gewählter Schwangerschaftsabbruch ethisch korrekt und vertretbar ist.

Ich als Autorin dieses Artikels habe in meinem Freundes- und Bekanntenkreis festgestellt, wie dieses Thema polarisiert. Wie selbst Frauen, die innig befreundet sind, sich über ihre unterschiedlichen Ansichten regelrecht zerfleischen können. Eine Frau, die selbst ein Baby durch eine Fehlgeburt verloren hat, meinte: «Wie kann denn ein Abbruch bis zur 12. Schwangerschaftswoche gesetzlich erlaubt sein? Ich habe mein Kind etwa in dieser Zeitspanne verloren. Im Krankenhaus konnte ich den toten Embryo anschauen und mich von ihm verabschieden. Es war schon ein Mensch mit kleinen Ärmchen, Füssen und einem Kopf. Für mich ist es Mord einen Menschen zu töten, auch wenn er nur Miniaturform hat.» Das Gegenargument lautete: «Ist es besser ein Kind auf die Welt zu bringen, das unerwünscht ist und womöglich von der Mutter nicht geliebt wird? Und vielleicht ein schweres Schicksal vor sich hat?»

Die dritte Meinung bezog sich weniger auf das Kind, als auf die Rolle der Frau: «Ich finde es zwingend notwendig, dass Frauen Wahlmöglichkeiten haben. Es geht ja schliesslich auch um ihren Körper und um ihr Leben. Die schwangere Frau muss das Recht haben zu entscheiden, ob in ihrem Körper etwas heranwachsen darf und ob sie ab Geburt ein Leben lang Mutter sein möchte. Warum sollte man also das Leben des Kindes über das der Mutter stellen?»

Eine Betroffene erzählt

Petra (Name geändert), 45, verheiratet und Mutter von zwei Mädchen im Teenageralter

«Meine Schwangerschaften habe ich immer sofort bemerkt. Mir wird sehr schlecht und mein Geruchssinn verändert sich enorm. So haben mich diese beiden Anzeichen vor drei Jahren sofort beunruhigt. Ich bin noch am gleichen Tag zum Frauenarzt gegangen. Er bestätigte mir meinen Verdacht - schwanger mit 42. Mein Mann und ich haben uns gerade erst ein Haus gebaut und waren hoch verschuldet.

Mein Gefühl stand sofort fest: Ich kann dieses Kind nicht bekommen, ich werde ihm keine gute Mutter mehr sein können. Mir war klar, dass ich diese Kraft weder psychisch noch physisch habe. Mir wurde bewusst, dass ich nach der Geburt niemanden mehr gerecht werden könnte, weder diesem Kind, meinen beiden Mädchen, meinem Mann oder natürlich auch mir. Es war keine leichte Entscheidung, ich habe geweint, habe mit diesem ungeborenen Kind gesprochen. Habe ihm erklärt, warum ich es nicht annehmen kann und mich dafür entschuldigt. Sehr schnell habe ich den Termin für den Schwangerschaftsabbruch vereinbart, ich wollte das Kind erst gar nicht richtig spüren. Zwei Tage vor dem Termin bekam ich starke Blutungen. Im Krankenhaus hatte ich dann die Gewissheit – mein Kind habe ich auf natürliche Art und Weise verloren. Ich bin überzeugt, dass wir zusammengearbeitet haben. Mein Kind und ich. Es hat gespürt, dass es zum falschen Zeitpunkt gekommen ist und seine Mama es nicht annehmen kann. So hat es selbst entschieden zu gehen. Ich bin sehr dankbar, von einem Abbruch verschont geblieben zu sein. Dennoch halte ich es für sehr wichtig, dass Frauen diese Möglichkeit haben.»

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