Die Nackenfaltenmessung und das Recht der Eltern auf Nichtwissen

Die moderne Pränataldiagnostik kann für werdende Eltern Fluch und Segen zugleich sein. Wird bei einer Nackenfaltenmessung festgestellt, dass das Risiko für das Downsyndrom erhöht ist, stellt sie das vor schwierige Entscheidungen.

Eine Nackenfaltenmessung kann beim Ultraschall durchgeführt werden.

Bei einem Ultraschall kann Ihr Arzt auch eine Nackenfaltenmessung vornehmen. Foto: monkeybusinessimages, iStock, Thinkstock

Zwischen der 11. und der 14. Schwangerschaftswoche führt Ihr Gynäkologe routinemässig den sogenanntemn Ersttrimestertest durch. Zu dieser Untersuchung gehört auch ein Ultraschall um zu überprüfen, ob sich das Baby im Mutterleib bis zu diesem Zeitpunkt gesund entwickelt hat. Mögliche genetische Auffälligkeiten lassen sich anhand der Nackenfaltenmessung ermitteln.

In diesem Stadium der Schwangerschaft befindet sich unterhalb des Kopfes und oberhalb der Wirbelsäule des ungeborenen Kindes ein Hautgeschwulst, welches auch auf dem Ultraschall sichtbar ist. Diese Hautverdickung misst zu diesem Zeitpunkt 4,5 bis 8,4 Zentimeter. Ist die Nackenfalte besonders dick, kann das ein Anzeichen für eine genetische Fehlentwicklung sein – wobei die Verdickung im Millimeterbereich liegt.
Sind die Werte gemessen, gibt Ihr Arzt diese in ein spezielles Computerprogramm ein. Das Programm kann anhand mehrerer Faktoren ausrechnen, wie hoch statistisch gesehen das Risiko ist, dass Ihr Baby die Genkrankheit Trisomie 21 hat und dementsprechend mit einem Downsyndrom zur Welt kommt.

Nackenfaltenmessung hat nur eine statistische Aussagekraft

Die berechneten Werte der Nackenfalte allein reichen nicht aus, um eine gesicherte Diagnose stellen zu können. Statistisch gesehen steigt das Risiko für einen Gendefekt mit dem Alter der werdenden Mutter stark an. Eine gemessene Nackentransparenz von 3.5 bis 4.4 gilt als auffällig, ist die Mutter jedoch erst 20 Jahre alt liegt das Risiko für eine Chromosomen-Anomalie gerade einmal bei 1:34. Ist die Mutter hingegen 40 Jahre und älter steigt das Risiko deutlich an und liegt bei mindestens 1:2.

Sind die Werte der Nackenfaltenmessung auffällig, können weitere Tests Aufschluss darüber geben, inwieweit sich die vorläufige Diagnose bestätigt. Möglich sind sowohl eine Fruchtwasseruntersuchung als auch ein Bluttest. Letzterer wird von den Krankenkassen nicht übernommen. Ärzte raten jedoch ohnehin nur zu weiteren Untersuchungen, wenn die bisherigen Werte wirklich auffällig sind. Eine Garantie, dass ein Kind gesund oder krank zur Welt kommt, gibt es nicht: Die pränatalen Untersuchungen können lediglich eine statistische Tendenz angeben.

Eltern haben ein Recht auf Nichtwissen

Alle ärztlichen Untersuchungen während der Schwangerschaft sind empfohlen, aber freiwillig. Das bedeutet, dass Sie eine Nackenfaltenmessung auch problemlos ablehnen können. Fällt das Ergebnis nicht aus wie gewünscht, kann das werdende Mütter stark belasten, denn natürlich wünschen Sie sich ein gesundes Kind. Zudem müssen Sie sich im Extremfall entscheiden, ob Sie das Kind zur Welt bringen oder abtreiben.

In der Schweiz werden jedoch seit etwa 15 Jahren immer mehr Kinder mit Trisomie 21 geboren. Dies könnte daran liegen, dass Menschen mit Behinderungen heute mehr Akzeptanz entgegengebracht wird und bessere Förderangebote existieren.
Tina Fischer, leitende Gynäkologin am Kantonsspital St. Gallen, bestätigte vor einigen Monaten dem Tagesanzeiger, dass immer mehr Frauen bewusst auf eine Pränataldiagnostik verzichten.

Unabhängige Beratung, Literatur sowie weitere Informationen zum Thema Nackenfaltenmessung finden Sie hier: www.appella.ch


 

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