Das Risiko bei der Diagnose des Babys im Mutterleib

Resultiert aus diesen ersten Untersuchungen ein Risikowert grösser oder gleich 1:380, bezahlen die Krankenkassen einen invasiven Test, damit die Diagnose gestellt werden kann. Zudem übernehmen sie alle weiteren Ultraschalluntersuchungen. In der Regel werden als weiterführende invasive Tests entweder Chorionbiopsie oder Fruchtwasserpunktion von den Ärzten vorgeschlagen. Bei der Chorionbiopsie oder Chorionzottenbiopsie wird mit einer Nadel in die sich bildende Plazenta gestochen, um Gewebe zu entnehmen. Möglich ist dies in der 11. bis 13. Woche. Von der 14. bis 20. Woche kann eine Fruchtwasseruntersuchung vorgenommen werden. Hier wird mit der Nadel in die Fruchtblase gestochen und Fruchtwasser entnommen. Erst die Analyse der Chromosomen erlaubt die sichere Diagnose, ob das Kind die Chromosomenstörung Down-Syndrom oder eine anderen Störung hat oder nicht. Doch wer das eigene Risiko mit solchen Tests ausschliessen möchte, bürdet dafür dem Kind ein Risiko auf. Denn die beiden Verfahren führen bei durchschnittlich einem Prozent der Fälle zur Fehlgeburt.

Durch all die Geräte, Statistiken und Untersuchungen verliert man den Bezug zur Körperlichkeit und den natürlichen Abläufen.

Marianne Sigler, Mutter

Statistiker haben laut der NZZ am Sonntag ausgerechnet, dass für die Diagnose von zwei Föten mit Down-Syndrom ein gesundes Ungeborenes infolge einer solchen Fehlgeburt sterben muss. Deshalb wurde in den letzten Jahrzehnten viel in die Entwicklung der Ultraschalldiagnose und nicht-invasiver Tests investiert. Und die Forscher suchen nach Möglichkeiten, die risikobehafteten Eingriffe gänzlich zu ersetzen. Eine erfolgsversprechende Möglichkeit verspricht der Test des Mutterbluts. Denn die Blutkreisläufe von Mutter und Kind sind nicht hundertprozentig getrennt, so dass kindliches Erbgut und Bruchstücken auch im Blut der Mutter zu finden ist. Ein solcher Bluttest funktioniert bei Erbkrankheiten, die einzelne Gene betreffen. Diese Leiden machen ca. die Hälfte aller Geburtsfehler aus. Es ist auch möglich, das Geschlecht des Kindes und - sehr zuverlässig - den Rhesusfaktor zu diagnostizieren. Damit liesse sich Rhesus-negativen Frauen die Prophylaxe ersparen, mit der eine Immunreaktion auf ein rhesuspositives Kind verhindert werden soll. Die erste US-Version eines solchen Rhesustests ist seit Dezember auf dem Markt. Zur Diagnose von Chromosomenschäden wie dem Down-Syndrom sind derzeit mehrere amerikanische Tests in Vorbereitung für den Markteintritt.

Die Pflicht zum gesunden Kind?

Heute sind als Effekt unserer modernen Leistungsgesellschaft immer weniger Eltern dazu bereit, ein behindertes Kind aufzuziehen. Eine Ende der Neunzigerjahre durchgeführte Studie zeigt, dass während den zehn Jahren des Untersuchungshorizonts 53 Prozent der Kinder mit Down-Syndrom pränatal diagnostiziert werden konnten. In 84 Prozent der Fälle wurde die Schwangerschaft abgebrochen. Bei anderen Prognosen brechen 50-60 Prozent ab. Es scheint, als ob dank zunehmender medizinischer Optionen die Toleranz gegenüber behinderten Kindern und ihren Eltern zurückgehen.

Die Medizin hat die Pränataldiagnostik erfunden und sie allen werdenden Müttern als Segen für das Problem Schwangerschaft angeboten. Damit hat die Medizin die Schwangerschaft zu einem medizinischen Problem gemacht.

Prof. Dr. Giovanni Maio, Ethik-Zentrum Freiburg

In einem Leserbrief schreibt Nicole Gfeller aus Bern, Mutter eines Kindes mit Down-Syndrom (DS) in der Berner Zeitung: „Dass DS keine Krankheit ist und deshalb auch niemand daran leidet, weiss noch längst nicht jeder. Als unser Sohn vor 18 Monaten mit DS geboren wurde, hatte auch ich, geprägt von der heutigen Gesellschaft, diese Angst in mir. Lebenslänglich gebunden, nicht mehr frei, welche Verantwortung… Nach einer anfänglich schweren Zeit sind wir heute alle stolz auf die Fortschritte unseres Jüngsten. Wir müssen das Bild des mongoloiden Schwachsinnigen endlich aus unseren Köpfen vertreiben, weil es keine Berechtigung hat, sondern uns einlassen auf Menschen mit DS. Nur so werden wir erkennen können, dass sie nicht besser oder schlechter sind als wir Normalen. Sie sind herrlich spontan und vor allem immer ehrlich – Eigenschaften, die leider immer weniger Menschen haben.“

Wer nicht den Mut hat wie Nicole Gfeller und sich für einen Schwangerschaftsabbruch entscheidet, hat auch eine schwere Zeit vor sich. Denn ein Schwangerschaftsabbruch nach der 12. Schwangerschaftswoche ist eine mit Wehen auslösenden Mitteln künstlich eingeleitete Geburt. Sie kann Stunden und in Einzelfällen auch Tage lang dauern. Es gab auch schon Fälle, da kam das Kind lebend zur Welt. Manchmal lässt sich die Natur eben einfach nicht in die Karten schauen.

Text: Kathrin Fischer

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