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Symphysenschmerzen in der Schwangerschaft: was dahintersteckt und was hilft

Es beginnt oft nachts. Du willst dich im Bett auf die andere Seite drehen, und mitten in der Bewegung zieht es scharf im Schambein. Am Morgen kommt der zweite Schreck: Die Treppe im Hausflur fühlt sich plötzlich an wie eine Zumutung. Was da weh tut, ist die Symphyse, und du bist damit nicht allein.

Schwangere sitzt auf der Bettkante und stützt sich mit einer Hand am unteren Rücken ab.
Aufstehen, umdrehen, Treppen steigen: Symphysenschmerzen zeigen sich in den Bewegungen, über die du sonst nicht nachdenkst. © KI generiert von ChatGPT

Schmerzen im Beckenring gehören zu den häufigsten Beschwerden der Schwangerschaft: Etwa jede fünfte Schwangere ist davon betroffen.[1] Fachleute fassen sie unter dem Begriff Beckengürtelschmerz zusammen. Sitzt er vorne, genau dort, wo die beiden Beckenhälften zusammenkommen, spricht man von Symphysenschmerzen.

Warum das Schambein in der Schwangerschaft weh tut

Die Symphyse ist keine starre Naht, sondern eine Verbindung aus Faserknorpel zwischen den beiden Schambeinen. Sie hält den Beckenring vorne zusammen, während hinten die beiden Kreuz-Darmbein-Gelenke die Arbeit machen.

In der Schwangerschaft werden Bindegewebe, Bänder und Knorpel weicher. Das ist gewollt: Der Beckenring soll unter der Geburt nachgeben können. Der Spalt in der Symphyse wird dabei tatsächlich breiter, aber nur um wenige Millimeter. Ausserhalb der Schwangerschaft liegen die Schambeine 4 bis 5 Millimeter auseinander, gegen Ende der Schwangerschaft kommen 2 bis 3 Millimeter dazu.[2]

Warum die eine Frau davon nichts merkt und die nächste kaum gehen kann, ist nicht abschliessend geklärt.[3] Die Lockerung allein erklärt es nicht. Eine Rolle spielen vermutlich auch, wie gleichmässig sich die Beckengelenke bewegen, wie gut die Muskulatur ringsum arbeitet und wie das Kind liegt.[3][4] Für dich heisst das vor allem eines: Der Schmerz ist kein Zeichen dafür, dass du etwas falsch gemacht hast.

Woran du Symphysenschmerzen erkennst

Der Schmerz sitzt vorne über dem Schambein. Oft fühlt er sich an wie ein tiefer, ziehender Druck. Viele Frauen spüren ihn auch in der Leiste, an der Innenseite der Oberschenkel oder im unteren Rücken; manche hören oder fühlen beim Gehen ein Knacken im Becken.[4] Er kann auch nur auf einer Seite sitzen. Das macht ihn anfangs schwer einzuordnen; woran du merkst, dass hinter einem Beckenschmerz etwas anderes steckt, steht weiter unten.

Verräterisch sind weniger die Ruhephasen als die Bewegungen dazwischen. Typisch ist alles, wobei sich die beiden Beckenhälften gegeneinander verschieben:

  • im Bett von einer Seite auf die andere drehen
  • Treppen steigen, besonders Stufe um Stufe im Wechselschritt
  • länger gehen oder einkaufen
  • auf einem Bein stehen, etwa beim Anziehen der Hose
  • aus dem Auto oder aus dem Bett aufstehen

Losgehen kann das früh, und es nimmt mit den Wochen zu: In einer norwegischen Untersuchung an 823 Schwangeren berichteten in der 15. Woche 42 Prozent von Schmerzen in mindestens einem Beckengelenk, in der 28. Woche waren es 62 Prozent.[5] Das Risiko ist höher, wenn du schon vor der Schwangerschaft Rücken- oder Beckenbeschwerden hattest.[3] Von den Rückenschmerzen in der Schwangerschaft unterscheidet sich der Symphysenschmerz durch seinen Ort: Er sitzt vorne und tief, nicht im Kreuz.

Was im Alltag hilft

Der wichtigste Rat lautet: Bleib in Bewegung. Empfohlen wird, aktiv zu bleiben und gezielt die Bewegungen zu meiden, die den Schmerz auslösen.[3] Schonung an sich hilft nicht, die Auswahl schon.

Was das konkret heisst, fassen der britische Gesundheitsdienst und das Royal College so zusammen.[3][4]

  • Halte die Knie zusammen, wenn du dich drehst oder aufstehst. Im Bett und beim Aussteigen aus dem Auto beide Beine gleichzeitig bewegen, langsam und ohne Schwung.
  • Zieh dich im Sitzen an. Hose, Socken und Schuhe im Stehen sind einer der häufigsten Auslöser.
  • Setz auf der Treppe beide Füsse auf dieselbe Stufe, statt im Wechselschritt zu gehen, und nimm sie langsamer.
  • Ein Kissen zwischen den Knien hält das Becken nachts in einer ruhigeren Position. Leg dich auf die Seite, die weniger weh tut.
  • Steh und sitz nicht zu lange am Stück, wechsle die Position, bevor es zieht.
  • Verteile dein Gewicht beim Stehen gleichmässig auf beide Beine, statt in die Hüfte zu sinken. Trag Einkäufe auf beide Seiten verteilt, und lass Schweres tragen, wo es geht.
  • Mach kürzere Schritte. Die grossen ziehen am Ring.
  • Trag feste Schuhe, die den Fuss stützen.
  • Ist das Gehen stark eingeschränkt, entlasten Gehstöcke das Becken.

Wenn dich der Schmerz nachts wach hält, ist die Schlafposition der grösste Hebel; im Beitrag über erholsamen Schlaf mit Babybauch stehen die Varianten, die sich mit Bauch überhaupt halten lassen.

Beckengurt, Physiotherapie und Schmerzmittel

Der Beckengurt

Ein Beckengurt ist ein breites Band, das tief sitzt, ungefähr auf Höhe der Schambeine und deutlich unterhalb des Bauches. Er hält den Beckenring von aussen zusammen und nimmt Bewegung aus den Gelenken.

Gemeint ist ein weicher, elastischer Gurt, kein starres Stützkorsett: Für diese Variante fand die Leitliniengruppe eine Schmerzlinderung, die für Betroffene spürbar ist.[1] Sinnvoll ist er für die Situationen, in denen du sonst nach ein paar hundert Metern stehen bleibst, also für den Arbeitsweg, den Einkauf oder den Spaziergang. Den ganzen Tag und in der Nacht braucht ihn niemand; die Muskulatur soll weiter arbeiten.

Gurte gibt es in Sanitätsgeschäften und Apotheken. Lass dir Sitz und Zug einmal von deiner Physiotherapeutin oder Hebamme zeigen. Ein Gurt, der zu hoch sitzt, drückt auf den Bauch und bringt nichts.

Physiotherapie

Die NICE-Leitlinie rät, für Frauen mit Beckengürtelschmerz eine Überweisung zur Physiotherapie zu erwägen, für Übungsanleitung und einen nicht-starren Beckengurt.[1] Sie stützt sich dabei auf eine kleine Studie und stuft die Aussagekraft selbst als gering ein; die Empfehlung ist also ein Angebot, keine Garantie. Sinnvoll ist sie vor allem dann, wenn der Alltag eingeschränkt ist. Trainiert wird, was den Ring stabilisiert: Beckenboden, tiefe Bauchmuskulatur, Rücken und Hüfte.[3] Der Beckenboden ist dabei kein Nebenschauplatz, sondern Teil der Statik.

Verordnen kann dir die Physiotherapie deine Frauenärztin. In der Schweiz gilt dabei eine Regel, die selten jemand erwähnt: Ab der 13. Schwangerschaftswoche bis acht Wochen nach der Geburt zahlst du weder Franchise noch Selbstbehalt, und zwar auch für Behandlungen, die mit der Schwangerschaft gar nichts zu tun haben.[6] Die Kosten sind also kein Grund zu warten. Auch deine Hebamme ist eine gute erste Adresse: Sie sieht solche Beschwerden ständig und kennt die Physiotherapeutinnen in der Gegend, die auf Schwangere spezialisiert sind.

Schmerzmittel

Reicht das nicht, gilt Paracetamol in der Schwangerschaft als sicher und kann in regelmässiger Dosierung helfen.[4] Sinnvoll ist die niedrigste Dosis, die wirkt, und so kurz wie möglich. Sprich die Einnahme mit deiner Ärztin ab, gerade wenn es nicht bei ein paar Tagen bleibt; was über Paracetamol in der Schwangerschaft diskutiert wird, haben wir separat aufgeschrieben.

Wann es nicht die Symphyse ist

Symphysenschmerzen sind für dein Kind ungefährlich. Nicht jeder Schmerz tief im Becken ist aber die Lockerung, und die Unterscheidung solltest du nicht selbst treffen. Welche Zeichen dagegen sprechen, fasst der britische Gesundheitsdienst so zusammen.[7] Melde dich sofort bei deiner Hebamme oder in der Gebärabteilung, wenn zu den Schmerzen eines davon dazukommt:

  • Blutung oder Schmierblutung
  • regelmässige Krämpfe oder ein Hartwerden des Bauches
  • Ausfluss, der anders ist als sonst, oder Flüssigkeit, die abgeht
  • Brennen beim Wasserlassen, plötzlicher oder häufiger Harndrang, trüber oder rötlicher Urin
  • ein Schmerz, der stark ist oder nach einer halben bis ganzen Stunde Ruhe nicht nachlässt

Dasselbe gilt, wenn du dein Kind weniger spürst als sonst. Der Unterschied zum Symphysenschmerz ist meist deutlich: Dieser hängt an Bewegungen und lässt nach, wenn du die Position wechselst.

Wann du die Schmerzen abklären lässt

Auch ohne Warnzeichen lohnt sich der Gang zur Ärztin oder Hebamme früh. Ein guter Zeitpunkt ist erreicht, wenn Treppen, Autofahren oder ein normaler Einkauf zum Problem werden oder wenn dich die Dauerschmerzen seelisch belasten.[3] Schlechter Schlaf über Wochen gehört ebenfalls dazu. Je früher die Physiotherapie beginnt, desto mehr Wochen hast du davon.

Sehr selten steckt mehr dahinter. Weitet sich der Spalt über 10 Millimeter, spricht man von einer Symphysendiastase, also einer echten Sprengung der Verbindung. Sie entsteht meist während der Geburt, seltener weitet sich der Spalt schon in der Schwangerschaft übermässig; je nach Erhebung trifft es 1 von 300 bis 1 von 30’000 Geburten.[2] Die Schmerzen sind dann massiv. Gehen ist kaum möglich.

Behandelt wird sie überwiegend ohne Operation, mit Beckengurt, Physiotherapie und Schmerzmitteln; in der Literatur steht dabei Entlastung neben früher Belastung, ein einheitliches Vorgehen gibt es nicht. Meist schliesst sich die Symphyse innerhalb von drei Monaten wieder, schwere Fälle können aber eine Operation nötig machen.[2] Wenn du also irgendwo liest, bei Schambeinschmerzen gehöre man ins Bett: Das stammt aus der Behandlung dieses seltenen Ausnahmefalls. Für die gewöhnliche Lockerung ist Liegen keine Therapie.

Die Geburt und die Wochen danach

Die Frage, die viele Frauen mit sich herumtragen, lautet: Kann ich so überhaupt normal gebären? In aller Regel ja. Die meisten Frauen mit Beckengürtelschmerz bringen ihr Kind vaginal zur Welt, und ein Kaiserschnitt ist deswegen normalerweise nicht nötig.[4] Sag deiner Hebamme und dem Geburtsteam trotzdem Bescheid, damit die Positionen unter der Geburt zu deinem Becken passen und deine Beine nicht weit gespreizt werden.

Nach der Geburt bildet sich die Lockerung meist von selbst zurück. Mit ihr geht der Schmerz. Ein Teil der Frauen spürt ihn allerdings länger: In der bereits genannten Untersuchung hatten 14 Wochen nach der Geburt noch 27 Prozent Beschwerden im Becken,[5] und das RCOG rechnet mit etwa einer von zehn Frauen, bei denen sie bleiben.[4] Wenn du dazugehörst, ist das kein Grund, es auszusitzen: Beckengürtelschmerz ist auch nach der Schwangerschaft behandelbar, und die Physiotherapie ist dieselbe wie vorher. Bis acht Wochen nach der Geburt zahlst du dafür weiterhin weder Franchise noch Selbstbehalt.[6]

Quellen

  1. National Guideline Alliance: Management of pelvic girdle pain in pregnancy, Evidenzbericht zur NICE-Leitlinie NG201 «Antenatal care», National Institute for Health and Care Excellence, London, August 2021 (Grossbritannien). Abgerufen am 21.08.2026
  2. Karen Carlson, Elsa S. Vadakekut: Postpartum Pubic Symphysis Diastasis, StatPearls Publishing, Treasure Island (USA), aktualisiert am 15.04.2026. Abgerufen am 21.08.2026
  3. National Health Service: Pelvic pain in pregnancy, NHS (Grossbritannien), zuletzt fachlich geprüft am 12.12.2022. Abgerufen am 21.08.2026
  4. Royal College of Obstetricians and Gynaecologists: Pelvic girdle pain and pregnancy, Patienteninformation, RCOG, London, Juni 2015 (Grossbritannien). Abgerufen am 21.08.2026
  5. Hilde Stendal Robinson u. a.: Pelvic girdle pain in pregnancy and early postpartum: prevalence and risk factors in a multi-ethnic cohort, BMC Musculoskeletal Disorders, 2024 (Norwegen). Abgerufen am 21.08.2026
  6. Bundesamt für Gesundheit: Leistungen bei Mutterschaft, BAG, Bern (Schweiz). Abgerufen am 21.08.2026
  7. National Health Service: Stomach pain in pregnancy, NHS (Grossbritannien), zuletzt fachlich geprüft am 18.11.2024. Abgerufen am 21.08.2026

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