Erwartungen an das Kind

Die Erwartungen an ein Kind sollte nicht zu hoch sein.

Mit einem Kind sind manche Dinge nicht mehr planbar.

Karin, 32 Jahre, sechsjähriger Sohn

«Ich habe eine chronische Krankheit, so sollte und konnte ich eigentlich keine Kinder bekommen. Eigentlich! Ich wurde trotzdem schwanger. Zuerst sollte ich das Kind wegen meiner eigenen Gesundheitsgefährdung nicht austragen, doch die spezialisierten Ärzte gaben grünes Licht. Dieses Kind war für mich und meinen Mann ein kleines überraschendes Wunder. Deshalb wollten wir alles richtig machen, haben im Vorfeld beschlossen, wie unser Sohn erzogen wird und was uns bei seiner Entwicklung besonders wichtig ist. Ausserdem habe ich während der Schwangerschaft beschlossen, nach acht Wochen wieder arbeiten zu gehen.

Dies ist mein erster Tipp für junge Paare mit Kinderwunsch. Beschliesst nichts, lasst alles auf euch zukommen, denn zu 70 Prozent kommt es im Leben mit Kindern immer anders, als man denkt. Diesen Entschluss konnte ich ja während der Schwangerschaft leichtfertig treffen, denn zu diesem Zeitpunkt war mein Kind auch noch nicht da. Als mein Baby dann zwei Monate alt war, war ich meilenweit davon entfernt es in fremde Hände abzugeben. So war meine erste Erziehungsthese schon durchkreuzt.

Überall wird Eltern weisgemacht, wie wichtig es ist ihr Kind zu fördern, anzutreiben und zu puschen. Schliesslich soll aus den Kindern ja was werden. Sie sollen erfolgreich sein und mit den Kindergartenfreunden oder Mitschülern mithalten können. Am besten, es ist der oder die Beste.

Unser Sohn kann nicht malen. Um ehrlich zu sein, er malt grottenschlecht. Ich habe ihm bei jedem Bild, das er vom Kindergarten heimbrachte, Tipps gegeben, wie er besser oder schöner malt. Wir haben auch Malen geübt. Dann ist er eines Tages mit einem wunderschönen Bild heimgekommen. Ich habe tausendmal nachgefragt: Hast du das gemalt? Hast wirklich du das gemalt? Er hat steif und fest behauptet, dass es von ihm ist. Abends im Bett hat er schliesslich gestanden: Mama, ich habe gelogen, das Bild ist von Markus. Ich habe es nur gesagt, dass ich auch mal stolz auf meine Bilder sein kann. Diese Aussage hat mich sehr erschrocken. Was muss bloss in diesem fünfjährigen Kopf vorgehen? Welche Selbstvorwürfe macht sich mein Sohn wegen ein paar blöder Bilder.

Mein Mann und ich haben uns daraufhin lange unterhalten. Und haben versucht unsere Erwartungshaltung zu ändern. Wir schieben ihn in keine Richtung mehr, drängen nicht mehr. Er kann nicht malen. Ist das schlimm? Heute sage ich Nein. Vor ein paar Monaten war es noch ein Problem für mich. Seit diesem Erlebnis habe ich keine Zeichnung mehr kommentiert, er soll malen, weil es ihm Spass macht, nicht um ein tolles Ergebnis zu haben. Vielleicht wird er durch unsere veränderte Einstellung nicht der Beste werden, aber vielleicht einfach glücklich.»

Bernd, 32, fünfjährige Tochter

«Ich denke, Eltern sollten beim Gedanken an Kinderplanung nicht nur an die anstehenden Pflichten denken, sondern an die Bereicherung, die sie durch einen Sohn oder eine Tochter erfahren. Man entdeckt durch eigene Kinder Seiten an sich, die man gar nicht an sich vermutet hätte. Mein Kind ist für mich wie ein Rückzugsort. Wenn ich mit ihr spiele, scheinen alle Probleme so banal. Was interessiert mich in diesem Moment der Streit mit meinem Kollegen oder ob es finanziell drin ist ein Haus zu kaufen?

Über die richtige Erziehung sollten sich werdende Eltern nicht so viele Gedanken machen. Was ist schon richtig und was falsch? Der Experte rät in seinem Ratgeber dies, der andere das. Warum sollten andere Menschen wissen, wie ich mein Kind erziehen soll? Ich bin doch der Vater! Ich mache mir keine grossen Gedanken, ich vertraue auf meinen Instinkt und gesunden Menschenverstand.»

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