Vereinbarkeit Familie und Beruf

Elke, 45 drei Kinder im Teenageralter und eine sechsjährige Tochter

«Ich bemerke oft in meinem Bekanntenkreis oder auch im Kindergarten meiner Tochter, wie sich gerade junge Mütter unter 30 leicht verunsichern lassen. Verhält sich ihr Kind einmal aussergewöhnlich, lässt sich beispielsweise die Jacke nicht anziehen oder kommt nicht auf den Zuruf der Mutter, werden die Mamas gleich irritiert oder hysterisch. Drohen dem Kind irgendwelche Strafen an oder quasseln endlos auf es ein.

Viele von ihnen schweben im Erziehungskosmos hin und her, ohne eine einheitliche Linie zu fahren. Lesen sie gerade den Disziplinerziehungsratgeber, ist Strenge angesagt, wenn in einer Elternzeitschrift ein Artikel über den freien Erziehungsstil angepriesen wird, probieren sie diese Methode aus. Jede Mutter hat doch einen Instinkt, der ihr sagt, was richtig ist. Ob in dem Moment Strenge und Konsequenz angesagt sind oder einfach ein befreites Lachen, weil sich das Kind glücklich im Schlamm wälzt. Kinder werden unruhig und versuchen mit ihren Eltern Spielchen zu spielen, wenn diese immer unterschiedlich reagieren und sich von aussen Verhaltensweisen diktieren lassen. Dabei ist es einfach so leicht – authentisch sein.

Ich habe für meine Kinder beruflich zurückgesteckt und habe es jetzt sehr schwer beruflich Fuss zu fassen. Dennoch halte ich es für falsch aus Angst karrieretechnisch ins Abseits zu geraten, gleich nach der Geburt wieder Vollzeit zu arbeiten. Der Arbeitstag endet meist um 16.30 Uhr. Bis die Kinder ins Bett gehen, bleiben noch drei Stunden. In diesen drei Stunden muss das Abendessen gemacht werden, einige Handgriffe im Haushalt, anfallende Telefonate, eigene Regeneration, Austausch mit dem Partner. Wo bleiben da die Kinder? Sie möchten mit der Mutter spielen, ihr Erlebnisse erzählen und Probleme mitteilen. Aus meiner Sicht kann dies unmöglich in dieser Zeit passieren. Deshalb finde ich, ist die beste Lösung eine Halbtagsstelle oder maximal 75 Prozent zu arbeiten. So kann man die Balance zwischen Beruf, Kindern und Partnerschaft halten. Wo bleibt den bitte die Lebensqualität bei einem Vollzeitjob? Die Kinder brauchen uns nur einige Jahre unseres Lebens, und in dieser Zeit sollten sie ein Anrecht auf Mama und Papa haben.»

Die Tipps der Eltern auf einen Blick

  • Ein Kind ist kein Grund das komplette Leben umkrempeln zu müssen. Eine Portion Mut und Lockerheit sollten sich werdende Eltern bewahren.
  • Je mehr Aufhebendes Eltern um ihr Kind machen, desto grösser werden die Ansprüche und Forderungen seinerseits.
  • Nicht Planen. Bei einem Kind kommt es meistens immer anders als Eltern wollen und vorsehen.
  • Die Erwartungshaltung niedrig halten. Ein Kind sollte nicht schon in seinen ersten und schönsten Lebensjahren mit Druck und zu grossen Anforderungen konfrontiert werden. Ein Kind soll um seiner selbst willen geliebt werden, nicht wegen seiner Leistung.
  • Eltern sollten auf sich selbst hören, auf ihren Instinkt und ihre Menschenkenntnis. Und sich nicht von unterschiedlichen Expertenratgebern verunsichern lassen.
  • Seinen Kindern gerecht werden, sich nicht von den Karriereansprüchen zermahlen lassen und dabei das Wichtigste, das Auswachsen der eigenen Kinder, nicht verpassen.

 

 

Aufgezeichnet von: Natascha Mahle

Bücher und Link-Tipps zum Thema Kinderwunsch

Die Mami-Checklisten: Perfekt vorbereitet auf Schwangerschaft, Geburt und Babys erstes Jahr von Karen Sullivan

Will ich wirklich ein Kind? Von guten Gründen und verborgenen Wünschen von Christiane Röhrbein

www.kinderwunsch.ch Erfahrungsberichte zum Thema Kinderwunsch

www.focus.de Test: Sind Sie bereit für ein Kind?

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