Mit der Kryokonservierung erst später zum eigenen Kind

Mit der Kryokonservierung haben Frauen und Männer die Chance, zu einem späteren Zeitpunkt auf fruchtbare Eizellen und Spermien zurückzugreifen. Das Einfrieren kann vorsorglich aus Karrieregründen, aufgrund einer Erkrankung oder während einer Kinderwunschbehandlung erfolgen.

Bei der Kryokonservierung werden Eizellen oder Spermien eingefroren.

Bei der Kryokonservierung werden Eizellen oder Spermien eingefroren. Foto: OlenaPavlovich, iStock, Thinkstock

Es lassen sich sowohl Eizellen einfrieren als auch Spermien einfrieren. Die Kryokonservierung Kosten werden nicht von den Krankenkassen übernommen und belaufen sich auf mehrere tausend Franken. Die Voruntersuchung kostet pro Partner einige hundert Franken. Die jährliche Einlagerung schlägt je nach Institut mit rund 200 Franken und mehr zu Buche. Dazu kommt das spätere Einsetzen des Embryos; geht die Befruchtung der Eizelle dem Einsetzen voraus, wird es noch teurer. Nicht nur im Falle einer Kinderwunschbehandlung belaufen sich die Gesamtkosten auf mindestens 4'000 bis CHF 5'000 Franken.

Zeitliche Begrenzungen der Krykonservierung

Bei der Kryokonservierung werden Gewebebestandteile mit flüssigem Stickstoff auf -196 Grad Celsius eingefroren. So sind sie unbegrenzt haltbar, dürfen aber in der Schweiz bisher nur maximal fünf Jahre tiefgefroren werden. Ausnahmen gelten für schwer erkrankte Menschen, beispielsweise Krebspatienten, die ihre Zellen vor einer Strahlentherapie einfrieren können. «Liegt eine Krankheit vor, können in der Schweiz Keimzellen zeitlich unbegrenzt, lebenslang, konserviert werden«, so Dr. Elisabeth Berger-Menz, die 2011 in Bern die Gesellschaft Eiszellen GmbH gründete. Diese kümmert sich im Zusammenhang mit der Kryokonservierung um Beratungen und Dienstleistungen.

Befruchtete und unbefruchtete Eizellen

Bei einer Kinderwunschbehandlung dürfen nur zwei, maximal drei im Labor erzeugte Embryonen eingesetzt werden. Die übrigen Eizellen werden mit Zustimmung beider Partner noch vor dem Embryostadium tiefgefroren.Früher war es nur möglich, befruchtete Eizellen einfrieren zu lassen. Nach dem ersten Kontakt von Eizelle und Samen wird der Prozess durch Tiefgefrieren unterbrochen. Dieses Vorkernstadium ist noch kein Embryo. Das Einfrieren von Embryos ist untersagt. Für unbefruchtete Eizellen war die Kryokonservierung bisher nicht möglich, inzwischen werden sie mittels Vitrifizierung, die zu einer Art Verglasung führt, ebenfalls schnell heruntergekühlt und in flüssigem Stickstoff eingelagert.

Berufliche und private Gründe für Männer und Frauen

Junge Frauen und Männer, die sich um die Karriere kümmern oder keinen Partner haben, können ebenso wie Krebspatienten ihre Eizellen und Spermien einfrieren lassen. Das Tiefgefrieren aus beruflichen Gründen wird modern auch als Social Freezing bezeichnet und, wie vor einiger Zeit in den Medien heftig diskutiert, sogar von Weltkonzernen zur Mitarbeiterbindung bezahlt. Mancher Mann überlegt sich die Spermienentnahme sinnvollerweise vor einer Vasektomie (Durchtrennung der Samenleiter), um seine Fertilität (Fruchtbarkeit) zu erhalten.

Mehr zu den ethischen Bedenken des Social Freezings lesen Sie in unserem Beitrag Eizellen einfrieren: Wenn der Kinderwunsch aufgeschoben wird

Die biologische Uhr

Eizellen werden je nach Anbieter bis zur Vollendung des 45. Lebensjahres eingefroren, manches Institut gewährt Ausnahmen: «Wenn eine Frau allerdings auch mit 46 noch regelmässige Zyklen hat, so könnte sie auch dann noch spontan schwanger werden und natürlich bei Nichteintreten einer Schwangerschaft (also: ungewollt kinderlos) auf die Befruchtung der eingelagerten Eizellen zurückgreifen», argumentiert. Nicolas Zech, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe in Bregenz und Gründer der Ovita Zentren für Eizellvorsorge. Zu beachten ist allerdings, dass die Fruchtbarkeit der Zellen mit dem Gefrierprozess etwas abnimmt. Es sollten daher ausreichend Zellen eingefroren werden.

Kinder, die aus tiefgefrorenen und wieder aufgetauten Zellen entstehen, sind nach heutigem Wissensstand ebenso gesund wie normal gezeugte Kinder.

Weitere Informationen zur Kryokonservierung

  • Das Inselspital Bern erklärt, was laut Fortpflanzungsmedizingesetz erlaubt ist: www.frauenheilkunde.insel.ch
  • Das Betroffenen Netzwerk Kinderwunsch informiert über verschiedenen Behandlungsmethoden der Kinderwunschmedizin www.kinderwunsch.ch
  • Das Unispital Zürich erklärt die Krykonservierung befruchteter Eizellen im Vorkernstadium: www.repro-endo.usz.ch

 

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