Nachteile der Fruchtbarkeitsmedizin

Therapien wie die Hormonstimulation sind ein grosser Eingriff in den Körper. Es können starke Nebenwirkungen auftreten. Gibt es mildere Varianten?

Natürlich. Wir haben künstliche und natürliche Hormone zur Verfügung. Hormonbehandlungen mit künstlichen Hormonen haben Nebenwirkungen. Sie lassen sich nicht vermeiden, aber mildern und behandeln. Natürliche Hormone sind Hormone, die aus menschlichem Urin gewonnen werden. Die müssen in Spritzen verabreicht werden. Diese Hormonbehandlungen muss man gut überwachen. Denn es kann zur Bildung zu vieler Eizellen kommen. Dann gibt es Zwillinge, Drillinge, Vierlinge oder Fünflinge. Da muss man sehr gut aufpassen.

Dr. Michael Häberle ist Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe

Dr. Michael Häberle ist Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe, Reproduktionsmedizin und gynäkologische Endokrinologie im Zentrum für Gynäkologie, Fortpflanzungsmedizin, Mikrochirurgie und minimal invasive Chirurgie (GYN A.R.T. AG ) in Zürich. Hier werden Untersuchungen und Behandlungen von Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch durchgeführt.

Am Zentrum arbeiten 3 Ärzte und 1 Biologielaborant. Zusammen mit anderen Partnerinstituten wie dem Spital und Gesundheitszentrum Sanitas Kilchberg/Adliswil und der Logolab AG, Zürich bietet das Zentrum nach eigenen Angaben die modernsten und erfolgreichsten Verfahren auf den Gebieten der Gynäkologie, Fortpflanzungsmedizin und Mikrochirurgie, sowie minimal invasiver Chirurgie an.

Belastend können ja nicht nur die Nebenwirkungen sein, sondern auch der Druck, unter den sich manche Paare selbst setzen. Sie wollen ein Baby und die medizinische Hilfe muss nun zum Erfolg führen. Auf was müssen sich Paare einstellen, wenn sie sich für eine Behandlung entscheiden?

Im Idealfall kann so eine Behandlung die natürliche Fruchtbarkeit wiederherstellen. Zu 100 Prozent. Man muss aber dem Paar genau erklären, was das bedeutet. Wenn eine Frau zum Beispiel 30 Jahre alt ist, ist ihre natürliche Fruchtbarkeit pro Monat ungefähr 20 Prozent. Das heisst, sie muss vier bis fünf Monate probieren, schwanger zu werden bis eine Schwangerschaft eintritt. Wenn wir ihr eine Behandlung anbieten, die die natürliche Fruchtbarkeit wiederherstellt, muss sie diese vier bis fünf Monate machen, um zu einer Schwangerschaft zu kommen. Ist die Frau 42 Jahre alt, ist die natürliche Fruchtbarkeit noch 5 Prozent. Das heisst, sie muss theoretisch 20 Monate probieren, schwanger zu werden. Dann ist die Frau 44 oder 45 Jahre alt und dann ist die natürliche Fruchtbarkeit bereits weit unter einem Prozent. Es kommt irgendwann ein Zeitpunkt im Alter der Eierstöcke, wo man nicht mehr genügend Behandlungen machen kann, um den Verlust der Fruchtbarkeit aufzuholen. Das muss man den Paaren erklären. Sie brauchen Glück, dass es klappt. Wichtig ist, dass man das den Paaren vorher genau sagt. Wenn sie genau informiert sind und realistische Einschätzungen ihrer Möglichkeiten haben, dann ist der Druck nicht so gross wie beim ersten Gespräch bevor sie all das wissen. Information ist sehr wichtig.

Was passiert, wenn sich die Paare doch zu stark unter Druck setzen?

Wir empfehlen dann eine psychologische Begleitung. Immer, wenn wir merken, dass der Druck sehr gross ist. Die wenigsten nehmen das in Anspruch. Wir machen das auch nicht zur Verpflichtung. Es ist normal, wenn man ein Ziel nicht erreicht, dass man traurig, deprimiert und enttäuscht ist.

Was ist, wenn auch die medizinische Hilfe nach Monaten oder gar Jahren nicht zur Schwangerschaft führt?

Dann müssen die Paare aufgeben. Bei sieben von zehn Paaren können wir helfen. Es ist von vornherein klar, dass die Erfolgsraten nie 100 Prozent sind. Es kann passieren, dass es nicht klappt. Entweder sie finden sich alleine damit zurecht oder sie brauchen psychologische Hilfe. Man muss das Thema so oft wie möglich ansprechen und auch die Alternativen muss man ansprechen. Paare können ganz verzichten, eine Adoption oder verschiedene Ei- oder Samenspenden ins Auge fassen. Da gibt es die unterschiedlichsten Möglichkeiten.

Einige Behandlungen wie die In-vitro Fertilisation (IVF) und Intracytoplasmatische Spermieninjektion in Höhe von etwa 6000 bis 8000 CHF werden von der Krankenkasse nicht bezahlt. Welche Möglichkeiten haben Paare, die es sich nicht leisten können?

Das ist natürlich schwierig zu entscheiden. Die Paare gehen ja nicht mit ihrem Steuerausweis zum Doktor und sagen: Ich habe kein Geld. Wir haben ab und zu von zuweisenden Ärzten - wir betreuen Patienten nur auf Zuweisung - Anfragen. Die Ärzte haben den Eindruck, dass sich manche Paare die Behandlung nicht leisten können und fragen, ob es irgendeine Möglichkeit der Unterstützung gibt. Wir fragen die Firmen an, ob sie gratis Medikamente zur Verfügungen stellen. Wir erzichten auf unsere ärztlichen Leistungen. Das machen wir relativ regelmässig. Damit kann man die Kosten um mindestens 50 Prozent reduzieren. Die Krankenkasse zahlt alle Abklärungen der Unfruchtbarkeit und die meisten Behandlungen für einen gewissen Zeitraum, ausser die In-vitro Fertilisation. Die In-vitro Fertilisation wird in der Schweiz nicht besonders häufig durchgeführt.

Interview: Angela Zimmerling. Fotos: istock, privat

 

Link-Tipps zum Thema Kinderwunsch und Unfruchtbarkeit

  • Eine Liste mit weiteren Kinderwunsch Zentren finden Sie unter www.kinderwunsch.ch
  • Das Zentrum für Gynäkologie, Fortpflanzungsmedizin, Mikrochirurgie und minimal invasive Chirurgie GYN A.R.T. AG hat eine Broschüre zum Thema «Kinderwunsch» verfasst. Sie können Sie hier downloaden.
  • Von der unabhängigen Beratungsstelle appella.ch gibt es die Informationsschrift zu den schulmedizinischen Sterilitätstherapien und Alternativen: «Der unerfüllte Kinderwunsch - wie gehen wir damit um?», die Sie unter www.appella.ch bestellen können.

 

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