Präimplantationsdiagnostik: gute Erfahrungen in anderen Ländern

Ob Gentests an künstlich befruchteten Embryonen auch in der Schweiz erlaubt werden, entscheiden wir am 14. Juni. Ein Blick in europäische Länder zeigt: Briten, Spanier und Deutsche machen gute Erfahrungen mit der Präimplantationsdiagnostik.

Präimplantationsdiagnostik: Gute Erfahrung in anderen Ländern

Mit der Präimplantationsdiagnostik können Embryonen bereits vor der Einpflanzung untersucht werden. Foto: Monkeybusinesseimages, iStock, Thinkstock

In der Schweiz kommen jährlich etwa 2’000 Kinder zur Welt, die im Reagenzglas gezeugt wurden. Wird für sie bald die Präimplantationsdiagnostik (PID) wie in den meisten europäischen Ländern erlaubt sein? Die Volksabstimmung steht kurz bevor. Am 14. Juni entscheidet das Schweizer Volk, ob Embryonen, die durch künstliche Befruchtung entstanden sind, genetisch auf Erbkrankheiten untersucht werden dürfen. Die PID ist ausser in Litauen überall in der EU zugelassen.

Stichwort Präimplantationsdiagnostik

Die Präimplantationsdiagnostik (PID) ist ein medizinisches Verfahren, bei dem nach einer künstlichen Befruchtung wie der IVF Gentests an Embryonen stattfinden, bevor sie in den Mutterleib verpflanzt werden. «Der zentrale Zweck der PID besteht darin sicherzustellen, dass das zukünftige Kind nicht unter einer bestimmten, genetisch bedingten Krankheit leiden wird, deren Veranlagung die Eltern tragen», erklärt das Bundesamt für Gesundheit (BAG). Betroffene Embryonen werden ausgesondert. Nicht erlaubt werden soll die PID, um sogenannte Retterbabys, Kinder, die einem kranken Geschwisterkind helfen sollen, oder Wunschbabys zu zeugen.

Hin und her gerissen zwischen Pro und Contra

Viele sind sich unsicher, ob sie den Vorgaben des Parlamentes folgen sollen. Auf der einen Seite scheint es sinnvoll, schwere Behinderungen, die durch Erbkrankheiten und Gendefekte wie Trisomie 21 entstehen, schon früh zu erkennen. Schliesslich nistet sich ein gesunder Embryo eher in der Gebärmutter ein als ein kranker Embryo. Darüber hinaus kann die Präimplantationsdiagnostik den Paaren, die auf natürlichem Weg nicht schwanger werden, eine Schwangerschaft mit schweren Komplikationen und eventuellem Schwangerschaftsabbruch ersparen.

Andere fürchten sich dagegen vor einer Verfassungsrevision und einer Änderung des Fortpflanzungsmedizingesetzes. Sie stellen in Frage, dass Menschen das Recht haben, Embryonen mit genetischen Defekten auszusondern. Darüber hinaus sorgen sie sich, dass sich der Anwendungsbereich ausweiten könnte und Eltern bald das Geschlecht oder die Haarfarbe ihres Kindes bestimmen könnten.

Die PID in Grossbritannien: langjährige positive Erfahrung

In Grossbritannien ist die Präimplantationsdiagnostik bereits seit 1990 erlaubt, wenn ein begründetes Risiko besteht, dass das Kind einen schweren genetischen Defekt erben und daran erkranken könnte. Mehr als 300 Krankheiten kommen in Frage. 2012 nahmen 422 Frauen die PID in Anspruch. Von diesen Frauen bekamen 149 ein gesundes Baby.

Missbräuche wurden bisher nicht bekannt. «Die 1990 zusammen mit der gesetzlichen Regelung der In-vitro-Fertilisation und der PID gegründete unabhängige nationale Aufsichtsbehörde Human Fertilisation Embryology Authority (HFEA) führt ein straffes und transparentes Aufsichtsregime betreffend die Anwendung der Technik in den 18 dafür zugelassenen Kliniken und hat stets den Diskurs mit der Öffentlichkeit gesucht», schreibt die Zürcher Zeitung. «Das hat zur Vertrauensbildung beigetragen.»

In Grossbritannien lässt sich kein Wunschkind basteln. Eltern dürfen das Geschlecht ihres Kindes nur dann bestimmen, wenn ein besonders hohes Risiko der Vererbung einer mit dem Geschlecht verbundenen genetischen Krankheit besteht.

Blick nach Spanien

Auch Spanien gilt als liberal, wenn es um Präimplantationsdiagnostik geht. Seit 2006 wird sie genutzt, um schwere genetische Krankheiten zu erkennen, die nach der Geburt nicht therapierbar sind. Darüber hinaus wird sie auch angewandt, um Behinderungen zu diagnostizieren, die Einfluss auf die Lebensfähigkeit der Embryonen haben.

Spanische Kliniken, die Präimplantationsdiagnostik anbieten, erläutern das Verfahren in ihrem Haus im Internet auch in deutscher Sprache. So reisen viele Paare aus anderen Ländern, in denen die Präimplantationsdiagnostik nicht oder eingeschränkter erlaubt ist, nach Spanien, um sie dort in Anspruch zu nehmen. «Rund 8.000 Europäerinnen kommen laut Angaben des spanischen Fertilitätsverbandes SEF jährlich, um sich im Land einer reproduktiven Behandlung zu unterziehen», schreibt die Neue Zürcher Zeitung. Wie in Grossbritannien ist es verboten, das Geschlecht des Kindes zu wählen, es sei denn, eine zu erwartende genetische Krankheit ist an das Geschlecht gebunden.

Blick auf Deutschland

In Deutschland ist die PID grundsätzlich verboten, aber seit 2014 in zwei Ausnahmefällen erlaubt. Embryos dürfen vor ihrer Einpflanzung in den Mutterleib genetisch untersucht werden, wenn ein hohes Risiko einer schwerwiegenden Erbkrankheit oder einer schwerwiegenden Schädigung besteht, die mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Tot- oder Fehlgeburt führen wird. Da die Bundesregierung den Bundestag alle vier Jahre über die Entwicklung der Präimplantationsdiagnostik informieren muss, werden frühestens 2018 die Datensätze der Zentren für Präimplantationsdiagnostik ausgewertet.

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