Wenn der unerfüllte Kinderwunsch zum Kinderzwang wird

Paare, die sich Kinder wünschen, sind voller Vorfreude auf das Baby. Was aber, wenn die Frau nicht schwanger wird? Es beginnt eine Zeit voller Zweifel und Ängste. Was Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch in dieser Phase helfen kann, erklärt Psychologin Daniela Sichel Imthurn im Interview.

Nicht schwanger zu werden, kann für Paare frustrierend sein.

Paare, die sich sehnlichst ein Kind wünschen, geraten schnell unter Druck.

Um schwanger zu werden, setzen sich viele Paare enorm unter Druck. Sex findet nur noch geplant statt. Wirkt sich dieser Stress negativ auf den Erfolg aus?

Dr. Daniela Sichel Imthurn: Ich denke, heute gehen viele davon aus, dass alles machbar ist. Wenn sich eine Schwangerschaft nicht sofort einstellt, beginnt sich für viele Paare alles auf den Kinderwunsch zu zentrieren. Der Kinderwunsch kann zum Kinderzwang werden. Die Planung der Sexualität wird zu einer Schwierigkeit, die man fast nicht umgehen kann. Aber wenn bei einem Paar alles normal ist, also beide keine organischen Probleme haben oder eine spezielle psychische Problematik, die den Kinderwunsch blockieren kann, ist davon auszugehen, dass der Wunsch irgendwann in Erfüllung geht. Stress ist dabei ein Hindernis, aber er führt meistens nur zu einer zeitlichen Verzögerung.

Welche psychischen Probleme können zur Kinderlosigkeit führen?

Bei der Frau können es alte unverarbeitete Erlebnisse sein, welche die Schwangerschaft verhindern. Wenn eine Frau ein Trauma, zum Beispiel sexuellen Missbrauch, in frühen Jahren oder negative Familiengeschichten erlebt hat, kann das unbewusst zu einer Verzögerung der Schwangerschaft führen oder sie verhindern. Beim Mann kenne ich keine psychische Problematik, die sich direkt auf die Reproduktion auswirkt. Vorausgesetzt, sie wirkt sich nicht auf die Sexualität aus.

Wie reagieren Paare, die monatelang probieren ein Baby zu bekommen, auf die Nachricht eines Arztes, dass einer oder beide unfruchtbar sind?

Die Paare sind zunächst desorientiert. Für viele stellt sich eine grosse Trauer ein. Etwas, was sie als das Natürlichste der Welt betrachtet haben, funktioniert bei Ihnen nicht. Es ist wie ein Verlusterlebnis. Sie müssen sich auch damit auseinandersetzen, dass nicht alles machbar ist. Viele stellen sich dann die Frage: Wieso wir? Manche fragen sich auch, was das für ihr weiteres Leben bedeutet, wie sie es gestalten sollen. Ich würde behaupten, dass in dieser Phase die Tendenz zur Handlung grösser ist als zur Reflektion. Die Paare fangen an, nach Informationen zu suchen. Viele wollen sehr schnell etwas unternehmen. Erst später überlegen sie: Was machen wir, wenn wir kein Kind bekommen?

Sprechen Sie mit der Tendenz zur Handlung an, dass Paare die medizinischen Möglichkeiten nutzen?

Ja, und dass sie sich auf vielen verschiedenen Ebenen informieren. Zu mir in die Beratung kommen meistens Paare, die diese Phase schon hinter sich haben. Meist kommen sie, wenn sie schon sehr viel ausprobiert haben, frustriert oder verzweifelt sind, dass es nicht geklappt hat.

Wie helfen Sie diesen Paaren in Ihrer Beratung?

Paare, die wissen, dass sie mit grösster Wahrscheinlichkeit auf natürlichem Weg kein Kind bekommen können, sollen herausfinden, was für sie wichtig ist. Was für ihr gemeinsames Leben am besten stimmt. Wie das für sie sein könnte, ohne Kind zu leben. Wollen sie mit einer medizinischen Behandlungen anfangen oder ziehen sie eine Adoption in Betracht? Beide Prozesse sind sehr zermürbend. Bei den medizinischen Behandlungen gibt es körperliche und psychische Belastungen. Da wird viel verlangt von Frau und Mann. Wir besprechen, mit welchen Gefühlen sie sich mit welcher Möglichkeit anfreunden, was für Ressourcen die Paare haben, um solche Prozesse durchzugehen, und welche Alternativen es gibt.

Auf was konkret müssen sich Paare einstellen, die sich für medizinische Behandlungen entscheiden?

Meist erfahren sie in den Behandlungszentren, auf was sie sich vorbereiten müssen. Das schwierigste ist, die eigene Zeit mit der Zeit der Institution zusammenzubringen. Es ist eine enorme zeitliche und körperliche Belastung. Der Kinderwunsch sollte nicht zum Zwang werden, das ist eine der grossen Herausforderungen. Man sollte immer wieder fragen: Will ich das um jeden Preis? Wieso will ich das um jeden Preis? Will ich dieses Kind wirklich? Will ich es nur, weil meine Eltern schon lange Enkelkinder wollen? Traue ich mich nicht, meinem Partner zu sagen, dass ich doch keine Kinder will?

«Als Mami und Hebamme kann ich SWICA nur empfehlen»

Swica

«Schon in der Schwangerschaft unterstützte mich SWICA mit Akupunktur. Nach der Geburt konnte ich die Zeit mit meinem Baby geniessen, da SWICA immer für uns da war.» Informieren Sie sich jetzt über die exklusiven Angebote für Mutter und Kind.

Das könnte Sie auch interessieren

Services & Newsletter