Befruchtung im Reagenzglas: ICSI

Immer mehr Paare, die auf natürlichem Weg kein Baby bekommen können, versuchen es mit einer Befruchtung im Reagenzglas. Die sogenannte ICSI, Intracytoplasmatische Spermieninjektion, ist besonders für Männer mit schlechter Spermienqualität die letzte Hoffnung. Wie diese Behandlung den Kinderwunsch erfüllen kann, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Was ist ICSI?

Bei einer ICSI wird im Labor ein einzelnes Spermium in die Eizelle gebracht. Foto: iStock, Thinkstock

Die medizinisch unterstützte Fortpflanzung kommt immer häufiger zum Einsatz. Im Jahr 2010 entschieden sich laut Bundesamt für Statistik fast 6500 Paare für eine Befruchtung im Reagenzglas. Das sind 18 Prozent mehr als drei Jahre zuvor. Dabei war die Unfruchtbarkeit des Mannes der häufigste Grund für eine Behandlung.

Viele Paare brauchen gar keine Befruchtung im Reagenzglas, ihnen kann schon mit einer Hormonbehandlung oder einer Insemination geholfen werden. Wenn aber keine Aussicht besteht, dass diese Methoden zur Schwangerschaft führen, gibt es die Möglichkeit der IVF oder der ICSI. Bei beiden Behandlungen findet eine Befruchtung im Labor statt. Bei der IVF, der In-vitro Fertilisation werden Ei- und Samenzellen in einer Glasschale zusammengebracht.

Bei der ICSI, der Intracytoplasmatischen Spermieninjektion, wird ein einzelnes Spermium unter dem Mikroskop mit einer Pipette in die Eizelle befördert. Im Folgenden finden Sie kurz und knapp das Wichtigste zur ICSI. Mehr Informationen zur IVF finden Sie im Artikel «Künstliche Befruchtung mit der In-vitro-Fertilisation (IVF)»

Anwendung der ICSI

Die ICSI kann zum Einsatz kommen, wenn die Spermienqualität des Mannes sehr schlecht ist. Das ist dann der Fall, wenn die Spermien beispielsweise nicht beweglich genug sind oder es zu wenige gibt. Die Methode ist laut Kinderwunschzentrum Baden bei schlechter Samenqualität des Mannes häufig eine Zusatzmassnahme zur IVF. Sind im Samenerguss des Mannes gar keine Spermien zu finden, können Ärzte vor der Behandlung Spermien aus dem Hoden gewinnen. Ärzte wenden die ICSI mitunter auch an, wenn keine Ursache für die ungewollte Kinderlosigkeit gefunden werden konnte.

Ablauf der ICSI

Vorbereitungsphase

Paare, die sich für eine ICSI-Behandlung entscheiden, sollten sich auf eine aufwendige und lange Prozedur einstellen. Gemäss dem Zentrum für Gynäkologie und Fortpflanzungsmedizin GYN-A.R.T. in Zürich beginnt die Behandlung mit einer sechs- bis achtwöchigen Vorbereitungsphase. In dieser Zeit wird alles Wichtige mit den Ärzten besprochen. Ausserdem erhält die Frau im ersten Zyklus während zwei bis drei Wochen Hormontabletten.

Stimulation

Nach der Menstruation muss sich die Frau im zweiten Zyklus, der Stimulationsphase, Hormone spritzen. Sie sollen die Eierstöcke anregen mehrere Eizellen zu bilden.

Die Ärzte werden regelmässig Ultraschall- und Blutkontrollen durchführen, um zu sehen, ob die Eibläschen sich gut entwickeln. Nach etwa 10 bis 14 Tagen wird der Eisprung mit einer Spritze ausgelöst.

Eizellentnahme

Ungefähr 36 bis 38 Stunden nach dem Einsatz der Spritze können die Ärzte die Eizellen entnehmen. Das ist mittels Ultraschall und einer feinen Nadel, welche die Eizellen absaugt, möglich. In der Regel erhält die Frau laut Kinderwunschzentrum Luzern eine leichte Narkose. Wenige Stunden nach dem Eingriff können die Patienten wieder nach Hause gehen.

Befruchtung im Reagenzglas

Für die Befruchtung im Reagenzglas wird nun das Sperma des Mannes benötigt. Die Samenprobe wird verflüssigt und aufbereitet. Die Eizellen werden ebenso aufbereitet. Alle reifen Eizellen erhalten dann ein einzelnes Spermium. Dafür wird mit einer Mikropipette das Spermium in die Eizelle eingebracht. Die Ärzte nutzen dazu ein Mikroskop.

Wie die Befruchtung abläuft, sehen Sie in diesem Video

Video: KinderWunschKlinik Wels

Embryotransfer

Nach zwei bis drei Tagen können die befruchteten Eizellen in den Körper der Frau eingesetzt werden. Die Embryonen werden dazu mit einem feinen Katheder in die Gebärmutterhöhle gebracht. Der Embryotransfer sei laut GYN-A.R.T. schmerzlos.

Nun beginne für viele die schwierigste Zeit der Therapie, so die Experten des Zürcher Kinderwunschzentrums weiter. Optimismus und grosse innere Anspannung, Angst und Unruhe wechselten sich ab. Die Ärzte empfehlen, ein möglichst normales Leben zu führen und sich körperlich zu schonen. Nach zwei Wochen können Sie einen Schwangerschaftstest durchführen.

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