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Baby schreien lassen???

  1. Hallo liebe Eltern,
    vielleicht hat es der ein oder andere auch in den letzten Tagen gelesen. Das babymag hat tatsächlich einen Beitrag veröffentlicht, indem sie Eltern raten, das Baby zum Einschlafen schreien zu lassen. Sogar eine Stunde soll es schreien und es würde ihm nicht schaden. Ich verstehe nicht, wie man so einen Artikel schreiben kann. Das ist doch Folter! Sicher tut es dem Kind ganz und gar nicht gut. Zurecht haben sich auch andere Eltern im Internet beschwert. Wie kommt man auf so eine Idee?? Ich muss mich hier darüber auslassen. Tut doch immer gut, wenn man Gleichgesinnte findet. Also ich nehme meine Kleine immer auf den Arm, laufe etwas mit ihr herum oder singe etwas vor. Dann hat sich das Geschrei auch ganz von allein. Es gibt doch wohl genug Möglichkeiten, das Baby zu beruhigen. Gerne nehm ich auch noch Tipps von anderen Eltern an. Seht ihr das nicht auch so, wie beruhigt ihr euer Kind?

    Eine leicht verärgerte Mutter

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  2. Würde ein Kind auch niemals so lange schreien lassen. Sicherlich sehr belastend für ein Kind. Die Nachbarn müssen da auch denken!

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  3. "Babymag" die Ratschläge von Frau Sophie Bretagnol gelesen. Es erschüttert mich sehr, dass ausgerechnet eine Kinderpsychiaterin zum bewussten "Schreien lassen" von Babys rät, ähneln diese Erziehungsmethoden doch sehr stark an die in der Nazizeit propagierten. Johanna Haarer war deutsch-österreichische Doppelbürgerin, Ärztin, Autorin und während dem Dritten Reich unter Adolf Hitler Elternberaterin. Sie schrieb unter anderem das berühmt-berüchtigte und heute zu Recht heftig umstrittene Buch "Die Mutter und ihr erstes Kind". Darin sind Sätze bezüglich Weinen/Schreien wie dieser zu lesen: "Dann, liebe Mutter, werde hart! Fange nur ja nicht an, das Kind aus dem Bett herauszunehmen, es zu tragen, zu wiegen, zu fahren oder es auf dem Schoß zu halten, es gar zu stillen." Schauderhaft! Dass genau diese brutale, rückständige und respektlose Methode noch heute nicht nur propagiert, sondern leider nach wie vor angewandt wird, schmerzt in meinem Herzen, macht mich wütend und traurig zugleich. Dass wehr-, schutz- und hilflose Babys, die völlig auf uns angewiesen und 100% von uns abhängig sind, von einigen Leuten immer noch als "Tyrannen" bezeichnet und betrachtet werden, deren "Willen" es zu brechen gilt, schnürt mir die Kehle zu! Nein, Babys und Kleinkinder weinen nicht um uns zu terrorisieren, um uns zu manipulieren, uns zu ärgern und uns "auf der Nase rumzutanzen". Zu solchen komplexen Gedankengängen sind Kleinkinder sehr lange kognitiv noch gar nicht in der Lage. Auf jeden Fall schreien sie nie grundlos und "einfach so"! Neben Lachen ist Weinen während langer Zeit ihre einzige Kommunikationsmöglichkeit. Sie tun damit nichts anderes als ihr Befinden und ihre Gefühle zum Ausdruck bringen wie zum Beispiel Angst, Schmerzen, Unwohlsein, volle Windeln, Hunger, Durst oder einfach das Bedürfnis nach noch etwas mehr Wärme. Was vielen Eltern auch nicht bewusst ist: oftmals schreien die Kleinen aus körperlichen Schmerzen, zum Beispiel weil sie an einem schlimmen Reflux leiden, der noch nicht erkannt worden ist. Daher rate ich Eltern mit Schreibabys, diese beim Kinderarzt, der Kinderärztin gründlich auf Reflux untersuchen zu lassen. Babys haben weder ein Zeitgefühl noch begreifen sie, dass die Mutter/der Vater nicht für immer weg ist, auch wenn sich diese/r ja "nur" in einem anderen Raum befindet. Diese kleinen Menschen und ihre Bedürfnisse zu ignorieren statt ernst zu nehmen, kann gerade bei sensiblen Kleinkindern fatale Folgen haben: Sie verlieren unter Umständen das Urvertrauen in uns und leiden unter Verlustängsten. Schreien gelassene Kinder, die sich in den Schlaf brüllen müssen, lernen so nicht wie ein- und durchschlafen, sondern schlafen irgendwann aus purer Erschöpfung und Resignation ein. Nicht von ungefähr hat sich sogar der amerikanische Kinderarzt Dr. Richard Ferber von seiner nach ihm benannten Ein- und Durchschlafmethode distanziert. Überdies kann ich das Argument von "Ruhe haben wollen" seitens der Eltern nicht nachvollziehen und gelten lassen. Wie können Eltern von Ruhe sprechen, wenn sich nebenan ein armer Säugling in seiner Not die Lunge aus dem Leibe brüllen muss?! Wer sich das "Familienbett" partout nicht vorstellen kann und ausprobieren mag, könnte sein Baby zwar im gleichen Zimmer, jedoch im eigenen Bettchen oder Stubenwagen haben. So kann sehr rasch und ohne gross aufstehen zu müssen, es beruhigt und/oder gestillt werden. Hauptsache, die Schlafsituation stimmt für alle Beteiligten und Betroffenen, Kinder wie Eltern! Babys, auf deren Bedürfnisse und Gefühle eingegangen werden, werden jedoch gestärkt, erlangen mehr Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen und wachsen so zu mutigen, starken, selbstständigen und selbstsicheren Mitmenschen heran. Babys bedürfnis- und bindungsorientiert zu erziehen, hat nicht im Geringsten mit Verwöhnen, Verziehen und Verweichlichen und antiautoritärer Kuschelpädagogik zu tun, im Gegenteil! So kleine Kinder können weder zu fest geliebt noch verwöhnt werden. Bedürfnisse stillen und (unnötige) Wünsche erfüllen sind zwei ganz verschiedene Paar Schuhe. Verwöhnen kommt erst viel später im Kindesalter, sobald die Kinder gewisse Dinge schon selber können und begreifen und auch mal einen kurzen Moment warten können. Verwöhnt sind Kinder, die dauernd von überbeschützenden Helikoptereltern überwacht und kontrolliert werden und denen stets sämtliche Hürden, Hindernisse, Aufgaben und Verantwortung abgenommen und Wünsche erfüllt werden, aber ganz bestimmt keine Säuglinge und Kleinkinder! So wie ich keine Erwachsenen schreien und leiden lasse und einfach so ihrem Schicksal überlasse, so lasse ich logischerweise auch keine Säuglinge unnötig schreien. Dass ausnahmsweise ein Baby mal etwas warten muss, weil die Mutter oder der Vater gerade auf der Toilette, am Duschen oder am Telefon ist, die Post beim Briefkasten holt oder sich gerade um das ältere Geschwisterchen kümmert, ist ok, solange sich die Mutter bzw. der Vater danach gleich dem Kleinen widmet. Niemand muss und soll sofort alles stehen, fallen und liegen lassen und panisch zum Kleinkind hinrennen. Manchmal reicht auch nur schon unsere Stimme vom Nebenzimmer um es zu beruhigen. Ich verurteile auch keine Mutter und keinen Vater, die nach tagelanger und nächtelanger Schreiattacken ihr Baby in ihrer Verzweiflung mal schreien lassen. In so einer Notsituation ist ersteres auch weniger schlimm, als wenn der Säugling geschüttelt würde... Ich verurteile jedoch das bewusste "Schreien lassen" als Erziehungsmassnahme, wo das Kleinkind zum (Ein)-Schlafen gezwungen wird. Es ist an uns Erwachsenen, unsere Kleinen mit viel Liebe, Wärme, Nähe, Zuneigung, Zuwendung und Sicherheit zu begleiten und sie aufs Leben vorzubereiten. Das heisst jedoch nicht, dass wir Eltern unsere Gefühle und unsere Bedürfnisse immer hintanstellen und auf alles verzichten müssen! Wichtig ist einfach, für unsere Kinder da zu sein, wenn sie uns brauchen, aber auch loslassen, sobald sie dafür bereit sind. Da hat es auch Platz für die elterlichen Bedürfnisse und Anliegen. Babys extra schreien zu lassen, kann jedoch mehr zerstören als viele sich bewusst sind. Babys und Kleinkinder haben wie Erwachsene auch, trotz und gerade wegen mangelnder Lebenserfahrung, das Anrecht auf respekt- und würdevolle Behandlung. Denn diese kleinen Menschen sind schliesslich keine Menschen zweiter Klasse, sondern eigenständige Menschen, die Respekt und Wertschätzung verdienen! Kinder sind gleichwürdig und gleichwertig, auch wenn sie noch lange nicht die gleichen Aufgaben, Rechte, Pflichten und Verantwortung wie wir Eltern haben.

    editiert am 28.12.14 um 22:10

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