Baby > EntwicklungAb wann schläft ein Baby durch? Was normal ist und was hilft Anina Peter Wann schläft unser Baby endlich durch? Kaum eine Frage beschäftigt junge Eltern so sehr. Eine feste Antwort gibt es nicht, denn Schlaf ist ein Reifeprozess, und jedes Kind hat sein eigenes Tempo. Hier liest du, was Durchschlafen beim Baby überhaupt heisst, warum dein Kind nachts aufwacht, was ein Schlaftraining bringt und wann du dir Hilfe holen solltest. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Müde ist in den ersten Monaten oft ein Dauerzustand: Mit einem Baby sind die Nächte kurz und turbulent. © GettyImages Plus, stock_colors Viele Eltern erleben dasselbe: Das Baby schläft ein paar Nächte am Stück, und kurz danach meldet es sich wieder alle paar Stunden. So sei das oft, sagt Eva Monteneri, Familienbegleiterin und Schlafberaterin. «Der Schlaf eines kleinen Kindes ist selten konstant», erklärt sie. «Schlaf ist ein Reifeprozess, der von ganz vielen Faktoren beeinflusst wird.» Eva Monteneri ist diplomierte Pflegefachfrau mit Schwerpunkt Kind und Familie sowie Expertin für pädiatrische Intensivpflege. Sie hat sich als Familienbegleiterin selbstständig gemacht. Ihr Herzensthema ist der Kinderschlaf. Die ausgebildete Schlafberaterin kennt als Mutter von zwei Töchtern die Sorgen und Herausforderungen der Eltern. Was heisst Durchschlafen beim Baby? Eine einheitliche Definition gibt es nicht. Meist spricht man von Durchschlafen, wenn ein Baby nachts sechs bis acht Stunden am Stück schläft.[2] In Untersuchungen dazu gelten sechs oder acht Stunden ununterbrochener Schlaf als Grenze.[3] Schläft dein Baby also von zehn Uhr abends bis vier Uhr morgens, zählt das nach der Sechs-Stunden-Grenze schon als Durchschlafen, auch wenn es sich für dich nicht so anfühlt. Ab wann schlafen Babys durch? Ein Neugeborenes kennt noch keinen Tag und keine Nacht. Seine Schlaf- und Wachphasen verteilen sich über 24 Stunden. Im Lauf der ersten sechs Lebensmonate beginnt dein Baby, nachts länger am Stück zu schlafen und mehr am Tag zu trinken. Allmählich bildet sich so nachts eine Schlafperiode von sechs und mehr Stunden.[1] Wie schnell das geht, ist von Kind zu Kind sehr verschieden. Die Unterschiede sind gross: Mit sechs und mit zwölf Monaten schläft je nach Definition ein Viertel bis gut die Hälfte der Babys noch nicht sechs oder acht Stunden am Stück. Babys, die mit sechs oder zwölf Monaten noch nicht durchschliefen, entwickelten sich geistig und motorisch nicht anders als die anderen.[3] Auch Kleinkinder wachen nachts noch mehrmals auf, das gehört zum normalen Schlafverhalten.[1] Wie viel ein Kind schläft, ist ohnehin sehr verschieden. Zwischen gleichaltrigen Kindern kann der Schlafbedarf um bis zu sechs Stunden auseinanderliegen, und wer früh wenig schläft, tut das meist auch später.[1] Wie viel Schlaf in welchem Alter üblich ist, liest du im Artikel über den Schlafbedarf von Babys. Warum wachen Babys nachts auf? Babys schlafen anders als Erwachsene. Beim jungen Säugling macht der aktive Schlaf, der dem REM-Schlaf entspricht, etwa die Hälfte der Schlafzeit aus. In dieser Phase bewegen sich Babys viel und sind leicht weckbar.[1] Ihre Schlafzyklen sind ausserdem deutlich kürzer. Nach einem Zyklus wachen sie oft kurz auf und schlafen meist rasch wieder ein.[4] Ob dein Baby dabei nach dir ruft oder allein wieder in den Schlaf findet, hängt auch davon ab, wie es abends einschläft. Ein Kind, das gelernt hat, allein einzuschlafen, findet nachts eher selbst zurück.[1] Hunger spielt mit zunehmendem Alter eine kleinere Rolle: Im zweiten Lebenshalbjahr braucht ein gesundes, gut gediehenes Kind nachts meist keine Mahlzeit mehr. Je nach Fachstelle wird dafür ein Alter von sechs bis acht Monaten genannt.[1][2] Manche Kinder haben sich aber an das nächtliche Stillen oder den Schoppen gewöhnt und wachen deshalb regelmässig auf. Ist dein Kind älter als sechs Monate, gesund und gedeiht gut, und wollt ihr das ändern, braucht es Zeit und Geduld. Stillst du, hilft es, die Abstände tagsüber auf vier bis fünf Stunden auszudehnen, damit dein Kind tagsüber grössere Mengen trinkt. Den nächtlichen Schoppen kannst du schrittweise verdünnen und die Menge nach und nach verkleinern.[1] Wacht dein Kind aus Hunger, Durst oder Angst auf, braucht es dich. «Wenn Kinder in solchen Momenten nach den Eltern rufen, ist es wichtig, da zu sein, sie zu trösten und ihnen Sicherheit zu vermitteln», sagt Eva Monteneri. {quizteaser:9158} Wenn das Baby plötzlich nicht mehr durchschläft Hat dein Baby schon wochenlang gut geschlafen und wacht nun wieder ständig auf? Das ist kein Rückschritt, den du verursacht hast. «Der Reifeprozess des Schlafs verläuft nicht linear», sagt Eva Monteneri. Manche Babys werden zum Beispiel mit sieben oder acht Monaten nachts wieder unruhiger. Auch ein Entwicklungsschritt, Zahnen oder ein veränderter Schlafbedarf können dahinterstecken.[2] Im zweiten Lebensjahr wollen viele Kinder plötzlich nicht mehr allein schlafen.[1] Mehr über solche Phasen erfährst du im Artikel zur Schlafregression. Stillen, Schoppen, Brei: Was das Essen mit dem Durchschlafen zu tun hat Mehr Pulver als angegeben gehört nicht in den Schoppen, auch nicht am Abend. © GettyImages Plus, Miljan Živković Ein Löffel Pulver mehr im Schoppen oder ein Brei am Abend, damit das Baby länger schläft: Dieser Rat hält sich hartnäckig. «Das Konzept des Abendbreis oder des angereicherten Schoppens ist veraltet», sagt Eva Monteneri. Mehr Pulver als angegeben ist ausserdem problematisch, denn zu energiereiche Schoppen können zu einer Überernährung führen. Mit Brei und anderer Beikost beginnst du frühestens im fünften Lebensmonat.[5] Babys, die mit sechs oder zwölf Monaten durchschlafen, werden deutlich seltener gestillt.[3] Das ist ein Zusammenhang, kein Grund zum Abstillen: Stillen im ersten Lebensjahr gehört zu den Massnahmen, die das Risiko für den plötzlichen Kindstod senken.[1] Schlaftraining: Was es bringt und was nicht Viele erschöpfte Eltern denken irgendwann an ein Schlaftraining. Am bekanntesten ist das «Ferbern»: Die Eltern verlassen das Zimmer, lassen das Kind für festgelegte, meist immer längere Zeitspannen weinen und schauen dann kurz nach ihm. Solche verhaltensbasierten Methoden gelten als sehr wirksam gegen Ein- und Durchschlafprobleme. Viele Eltern möchten ihr Kind aber nicht weinen lassen, und von denen, die es strukturiert versuchen, profitieren 20 bis 30 Prozent nicht ausreichend. Negative Folgen für die Bindung oder die Entwicklung liessen sich auch fünf Jahre später nicht feststellen.[6] Wichtig ist der Zeitpunkt. In den ersten sechs Lebensmonaten ist ein regelmässiger Tagesablauf mit festen Mahlzeiten und Schlafzeiten die wirksamste und einzige Massnahme, die beim Schlaf angewendet werden sollte. Erst danach lohnt es sich, Schlafbedarf und Bettzeit genauer anzuschauen, zum Beispiel mit einem Schlafprotokoll über rund zwei Wochen. Denn ein Kind kann nur so viel schlafen, wie es braucht: Liegt es länger im Bett, wacht es nachts eher auf. Wollt ihr eurem Kind dann helfen, selbstständig einzuschlafen, könnt ihr eure Unterstützung schrittweise und im Tempo des Kindes zurücknehmen. Seid euch vorher einig, dass ihr dem Kind das zutraut und auch mehr Protest aushaltet.[4] Schlafmittel sind bei gesunden Kindern nicht angebracht.[1] Eva Monteneri sieht Schlaftrainings kritisch und rät, das Kind nach seinem Bedürfnis schlafen zu lassen und da zu sein, wenn es ruft. Welcher Weg zu euch passt, könnt ihr mit der Kinderärztin oder der Mütter- und Väterberatung besprechen. Wann Nichtdurchschlafen ein Problem ist Nächtliches Aufwachen ist normal. Von einer Durchschlafstörung sprechen Fachleute erst ab einem Alter von acht Monaten, wenn ein Kind seit mindestens vier Wochen in den meisten Nächten häufig oder lange wach ist, keine Krankheit dahintersteckt und das die Familie stark belastet.[6] Auch bei einem jüngeren Baby darfst du dir Rat holen, wenn dich die Nächte überfordern. Zur Kinderärztin solltest du, wenn dein Kind im Schlaf Atempausen macht oder laut schnarcht und dabei unruhig schläft und stark schwitzt. Auch auffallende Müdigkeit am Tag gehört abgeklärt. Dahinter kann eine Atemstörung im Schlaf stecken.[1] Lass auch abklären, wenn du vermutest, dass dein Kind Schmerzen hat oder krank ist. Was euch durch die Nächte hilft Teilt euch die Nächte auf, damit beide Elternteile regelmässig zur Ruhe kommen. © GettyImages Plus, DGLimages «Das erste Jahr ist wirklich eine Herausforderung», sagt Eva Monteneri. Sie rät, keine hohen Erwartungen an das Kind zu stellen und als Familie eine Routine zu finden, die allen guttut. Ein immer gleicher Ablauf am Abend gibt eurem Kind Sicherheit. Welche Rituale beim Einschlafen helfen und worauf ihr beim Schlafplatz achtet, lest ihr im Artikel, wie euer Baby durchschlafen lernt. Am sichersten schläft ein Baby im eigenen Bettchen in eurem Schlafzimmer, eine gute Alternative ist ein Beistellbett. Wollt ihr im Familienbett schlafen, braucht es genug Platz und eine feste Matratze ohne Kissen und Felle. Tabu ist es, wenn jemand raucht, Alkohol, Medikamente oder Drogen genommen hat, krank oder übermüdet ist.[1] Teilt die Nächte und die Einschlafbegleitung auf, damit beide Elternteile regelmässig schlafen können. Nehmt euch Auszeiten, um zu schlafen, Sport zu treiben oder Freunde zu treffen. Wie wäre es mit einem regelmässigen Papa-Tag? Nehmt Hilfe von Familie und Freunden an. Für eine kurze Entlastung gibt es auch den Entlastungsdienst des Roten Kreuzes.[4] Fragen zu Schlaf und Rhythmus beantwortet die Mütter- und Väterberatung in deiner Region. Merkst du, dass du die Geduld verlierst, leg dein Baby sicher ins Bettchen und geh kurz aus dem Zimmer. Schüttle es nie. Bist du nachts am Ende deiner Kräfte, erreichst du den Elternnotruf rund um die Uhr unter 0848 35 45 55. Quellen Universitäts-Kinderspital Zürich: Elterninformation «Schlafstörungen bei Kindern», 3. Auflage, November 2025. kispi.uzh.ch (abgerufen am 06.10.2026) Pro Juventute: Schlaf, Baby, schlaf. projuventute.ch (abgerufen am 06.10.2026) Pennestri MH et al.: Uninterrupted Infant Sleep, Development, and Maternal Mood. Pediatrics 2018;142(6):e20174330 (kanadische Kohortenstudie). pubmed.ncbi.nlm.nih.gov (abgerufen am 06.10.2026) Liamlahi R: Was hilft bei Schlafproblemen? Pädiatrie 3/2021. rosenfluh.ch (abgerufen am 06.10.2026) Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE): Merkblatt «Ernährung des Säuglings im ersten Lebensjahr», aktualisiert 2026. sge-ssn.ch (abgerufen am 06.10.2026) Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie u. a.: S2k-Leitlinie Psychische Störungen im Säuglings-, Kleinkind- und Vorschulalter, AWMF-Register 028-041, 2025 (deutsche Leitlinie). register.awmf.org (abgerufen am 06.10.2026)