Facebook Pixel
Leben > Finanzen

Freiwillige und obligatorische Versicherungen in der Schweiz

Grundsätzlich benötigen junge Erwachsene in der Schweiz ab dem 18. Lebensjahr ihre eigenen Versicherungen. Für den optimalen Versicherungsschutz können die obligatorischen Versicherungsleistungen mit freiwilligen ergänzt werden – ein Überblick.

Individuelle Umstände verlangen nach anderen Versicherungen.
Individuelle Umstände verlangen nach anderen Versicherungen. © Getty Images, davidf

Versicherungen: Das Wichtigste in Kürze

  • Obligatorische Versicherungen umfassen die Krankenversicherung, Unfallversicherung und Motorfahrzeughaftpflichtversicherung.
  • Eine Hausrat- und die private Haftpflichtversicherung sind freiwillig, decken aber auch sehr hohe Schadensummen.
  • Freiwillige Versicherungen wie eine Rechtsschutz- oder Lebensversicherung können je nach persönlichen Bedürfnissen sinnvoll sein.

Den optimalen Versicherungsschutz für junge Erwachsene

Mit der Mündigkeit kommt auch die Versicherungspflicht. Oftmals stellen sich Versicherungsnehmer dann die Frage, welche Versicherungen es wirklich braucht. Wichtig ist, dass einige Versicherungen obligatorisch sind und andere freiwillig. Bei Letzteren gilt es, zwei Punkte abzuwägen:

1. Wie hoch ist das Risiko, dass ein Schaden entsteht?
2. Wie gross ist der mögliche Schaden?

Die wichtigsten Versicherungen für junge Leute im Überblick.

Obligatorische Versicherungen

Zu den obligatorischen Versicherungen in der Schweiz zählen die Krankenversicherung, die Unfallversicherung und, falls man ein Auto oder Motorrad besitzt, die Motorfahrzeughaftpflichtversicherung.

Grundsätzlich liegt die Verantwortung für die Prämienbegleichung der Versicherungen ab dem 18. Lebensjahr nicht mehr bei den Eltern, sondern bei den jungen Erwachsenen. Bei einigen Versicherungen sind die Kinder aber bis zum 25. Geburtstag über die Police der Eltern mitversichert. Vor dem Abschluss einer eigenen Versicherung empfiehlt sich deshalb auf jeden Fall ein kurzer Check.

Krankenversicherung: obligatorische Grundversicherung

Das Schweizer Krankenkassensystem besteht aus der obligatorischen Grundversicherung und verschiedenen, freiwilligen Zusatzversicherungen.

Die Grundversicherung gewährleistet Versicherungsnehmern in der Schweiz eine solide und umfassende Grundversorgung bei Krankheit, Unfall und Mutterschaft. Unterschiede kann es jedoch bei der Prämie geben. Ihre Höhe hängt neben der Krankenkasse auch von der Franchise, dem Alter, dem Wohnort und dem Versicherungsmodell ab.

Unfallversicherung

Die Unfallversicherung schützt bei gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen oder Berufskrankheiten. Sie besteht aus der Nichtberufsunfallversicherung (NBUV) und Berufsunfallversicherung (BUV).

Sobald Versicherungsnehmer mehr als acht Stunden pro Woche bei einem Unternehmen tätig sind, laufen BUV und NBUV über den Arbeitgeber. Bei kleineren Wochenpensen muss man allerdings eine NBU-Versicherung über die Krankenversicherung selbst abschliessen. Das betrifft beispielsweise Schülerinnen und Schüler oder Studierende mit einem Nebenjob.

Motorfahrzeughaftpflichtversicherung

Wer ein Auto oder ein Motorrad kauft, muss in der Schweiz eine Motorfahrzeughaftpflichtversicherung abschliessen. Diese versichert Schäden an einem Drittfahrzeug, Sachgegenständen oder Personen. Ohne eine solche Haftpflichtversicherung kann das Fahrzeug nicht eingelöst werden und es wird kein Nummernschild ausgestellt.

Freiwillige Versicherungen

Zusätzlich zu den obligatorischen Versicherungen können sich verschiedene freiwillige Versicherungen lohnen. Bevor sie eine Versicherung abschliessen, sollten junge Erwachsene in jedem Fall prüfen, ob sie nicht bereits über die Eltern bis zum 25. Lebensjahr mitversichert sind.

Krankenversicherung: Zusatzversicherungen Krankenkasse

Zusatzversicherungen komplettieren den medizinischen Schutz durch ambulante und Spitalversicherungen. Je nach den persönlichen Bedürfnissen und Ansprüchen sind unterschiedliche Zusatzversicherungen sinnvoll. So können beispielsweise Beiträge an Fitness-Abos, Sehhilfen, Reise- und Schutzimpfungen attraktive Angebote für junge Erwachsene sein.

Im Gegensatz zur Grundversicherung kann eine Versicherung einen Antrag auf eine Zusatzversicherung aber ablehnen. Der Entscheid hängt vom aktuellen Gesundheitszustand, aber auch von der gesundheitlichen Verfassung in der Vergangenheit ab.

Tipp: Die Zusatzversicherung kann bei einem anderen Anbieter als die Grundversicherung abgeschlossen werden.

Hausratversicherung

Der Hausrat bezeichnet die Gesamtheit aller Möbel und Geräte, die ein Haushalt besitzt. Die Versicherung deckt diese unter anderem gegen Schäden durch Feuer, Leitungswasser, Einbruchdiebstahl, Raub, Vandalismus oder Naturgefahren wie beispielsweise Sturm oder Hagel.

Es ist möglich, das Inventar aller in einer Wohngemeinschaft lebenden Personen zusammen zu versichern. Eine solche Mehrpersonenversicherung deckt Schäden am Hab und Gut aller im Haushalt lebenden Personen. Das ist oft günstiger als separate Haftpflichtversicherungen.

Junge Erwachsene, die unter der Woche in einer WG wohnen und am Wochenende regelmässig ins Elternhaus zurückkehren können unter Umständen weiterhin vom Versicherungsschutz ihrer Eltern profitieren. Zwei Voraussetzungen müssen dafür erfüllt sein. Erstens muss der Nachwuchs noch am Wohnort der Eltern angemeldet sein. Zweitens müssen die Eltern eine sogenannte Aussenversicherung Klausel abgeschlossen haben. In diesem Fall bleibt ihr WG-Zimmer-Inventar über die Police der Eltern versichert. Sobald das Zimmer in der WG aber als Hauptwohnsitz angemeldet ist, ist eine separate Hausratversicherung Pflicht.

Für die Hausratversicherung ist die Versicherungssumme des gesamten Haushalts ausschlaggebend. Deshalb ist es wichtig, dass sie für alle Personen im Haushalt ausreicht.

Ausnahme: In den Kantonen Nidwalden, Waadt, Freiburg und Jura ist die Hausratversicherung Pflicht.

Haftpflichtversicherung

Eine Haftpflichtversicherung deckt Sach- und Personenschäden bei Dritten. Es gibt verschiedene Arten der Haftpflichtversicherung: die Betriebshaftpflichtversicherung, die obligatorische Motorfahrzeughaftpflichtversicherung und Privathaftpflichtversicherungen. Weil im Alltag immer etwas geschehen kann, lohnt sich die Privathaftpflicht auch für junge Erwachsene.

Privathaftpflichtversicherung

Verursacht man einer anderen Person einen Schaden, ist man verpflichtet, für diesen aufzukommen. Das gilt gleichermassen für Personen-, Sach- sowie Vermögensschäden.

Die Privathaftpflichtversicherung deckt von kleinen Missgeschicken bis zu grösseren Mietschäden eine grosse Bandbreite an Risiken ab. Bei einigen ist zudem das Steuern von fremden Fahrzeugen mitversichert. So können junge Erwachsene das Auto der Eltern oder von Kollegen ab und an bedenkenlos fahren.

Hinweis: Die Privathaftpflichtversicherung ist zwar grundsätzlich freiwillig, von vielen Vermietern wird sie in der Schweiz jedoch vorausgesetzt.

Rechtsschutz

Eine Rechtsschutzversicherung kommt im Falle eines Rechtsstreites zum Zuge. Zum Beispiel, falls man mit einem betrügerischen Online-Shop um eine Rückerstattung streiten muss oder wenn beim kürzlich gekauften Occasionsauto der Motor versagt und der Verkäufer für den Schaden keine Verantwortung übernehmen möchte.

Mit dem Rechtsschutz sind Privatpersonen in einem solchen Rechtsstreit einerseits finanziell abgesichert. Zusätzlich wird man im Rechtsfall durch Anwälte vertreten und erhält rechtliche Auskunft.

Lebensversicherung

Sogenannte Risikolebensversicherungen decken Risiken wie Tod oder Invalidität. Eine solche Versicherung kommt für jene in Frage, die Angehörige absichern möchten. Da sich das vorwiegend für Familien und Paare eignet, bei denen das Einkommen hauptsächlich von einem Hauptverdiener abhängt, ist diese Versicherung für junge Erwachsene in den meisten Fällen weniger zentral.

Die Angebote vergleichen zahlt sich aus

Regelmässige Vergleiche der angebotenen Leistungen und der Kosten bei verschiedenen Versicherungsanbietern sind sinnvoll. Online-Vergleichsportale wie comparis.ch bieten eine schnelle und unverbindliche Übersicht.

Nicht nur ein Preisvergleich ist wichtig. Ebenso sollte man regelmässig prüfen, ob die Deckung der Versicherungen noch mit den eigenen Bedürfnissen übereinstimmt. So lassen sich Über- oder Unterdeckungen und damit unnötige Kosten vermeiden.

Finanzen verstehen – Finanzen erklären

Die Rubrik «Finanzen» wird präsentiert von jugendbudget.ch. Der Elternratgeber bietet hilfreiche Tipps rund ums Thema Kinder und Geld.

jugendbudget.ch