Wehen auslösen - der sanfte Weg

Hochschwanger, aber das Kind will einfach nicht kommen: Es gibt verschiedene Methoden, die Wehen auslösen können. In welchen Fällen es sinnvoll sein kann, sie anzuwenden, erklärt die Hebamme und Naturheilpraktikerin Karin Nietha.

Beraten Sie sich mit Ihrer Hebamme über das verfrühte Auslösen von Wehen.

Babys halten sich selten an Geburtstermine. Wenn das Warten schwer fällt, hilft zum Beispiel ein von der Hebamme verabreichter Baumwollwurzelextrakt. Foto: iStock, Valua Vitaly, Thinkstock

Der errechnete Entbindungstermin ist bereits seit vier Tagen verstrichen. Doch die kleine Anna scheint sich noch nicht auf den Weg machen zu wollen. Zum Leidwesen ihrer Mutter: Nachts kann sie wegen ihres dicken Bauches kaum noch schlafen, tagsüber halten sie ihre zwei älteren Kinder auf Trab. Sehnlichst wünscht sie sich, Anna möge bald zur Welt kommen. «Kann man nicht die Wehen auslösen?», fragt sie sich.

«Es ist sehr wichtig, diese Frage mit der Hebamme zu besprechen», sagt die Hebamme und Naturheilpraktikerin Karin Lietha, Mitglied der Geschäftsleitung des Geburtshauses Zürcher Oberland. «Ob es sinnvoll sein kann, Wehen auszulösen, ist abhängig vom Einzelfall.»

Wehen auslösen: Ursache des Wunsches herausfinden

Geht es Mutter und Kind gut, obwohl das errechnete Geburtsdatum überschritten ist, beruhigt es zu wissen: Babys halten sich selten an Termine. «Fällt das Warten dennoch schwer, sollten Hebamme und Mutter der Ursache auf die Spur kommen», rät Karin Lietha. Manchmal liege der Grund für den starken Wunsch, die Geburt möge beginnen, im anstrengenden Alltag. «Dann braucht die hochschwangere Mutter Entlastung.» Können Verwandte und Freunde bei der Haushaltsführung oder der Kinderbetreuung helfen? Ist es möglich, den Alltag so zu strukturieren, dass er weniger anstrengend ist? Welche Aufgaben können einfach mal liegen bleiben? Antworten auf diese Fragen lassen sich in einem Gespräch zwischen Mutter und Hebamme finden.

Gezielte Entspannung – von Autogenem Training bis hin zu Progressiver Muskelentspannung – kann die Ungeduld mindern und zu grösserer Gelassenheit führen. «Eine geführte Gedankenreise zum Kind stärkt darüber hinaus die Bindung zum Kind, festigt das Vertrauen in die natürlichen Vorgänge der Geburt und hilft der Mutter, sich auf das Abenteuer der Geburt einzulassen», weiss Karin Lietha aus Erfahrung.

In anderen Fällen entsteht Ungeduld aus der Sorge ums Baby. Möglicherweise meint auch die Mutter zu spüren, das Baby sei gefährdet. «Solche Befürchtungen müssen immer ernst genommen werden», betont Karin Lietha. «Engmaschige Untersuchungen und Aufklärung können die Betroffenen beruhigen.»

Wehen auslösen in besorgniserregender Situation

Grundsätzlich lässt sich sagen: In einer besorgniserregenden Situation, die aber nicht so dringlich ist, dass ein Kaiserschnitt erforderlich ist, ist es immer gerechtfertigt, Wehen auszulösen – unabhängig vom errechneten Geburtstermin. Als Beispiele können u.a. zu wenig Fruchtwasser, schlechte Herztöne, schlechte Versorgung des Babys oder ein vorzeitiger Blasensprung gelten. Je nach Vorlieben und Abneigungen der Mutter lassen sich verschiedene Methoden anwenden.

Wehen auslösen durch Fusszonenreflexmassage

Geschulte Hebammen nehmen eine Fusszonenreflexmassage vor. Dabei massieren sie bestimmte Bereiche, die auf Gebärmutter, Eierstöcke und die Hypophyse wirken. Eisenkrautöl verstärkt die Wirkung, weil es die Durchblutung fördert. Karin Lietha: «Das Kraut enthält auch den Wirkstoff Verbenalin, den wir uns auch im «Wehentee» zunutze machen.»

Wehen auslösen durch Akupunktur

«Akupunktur kann nicht nur die Geburt beschleunigen, sondern auch die Einleitung der Geburt unterstützen», berichtet Karin Lietha. «Wir wenden diese Methode häufig und mit guten Ergebnissen an.»

Wehen auslösen durch homöopathische Mittel

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, einen Wehencocktail zu mixen. «Wir wenden ein Gemisch aus Bryophyllum 5% und den homöopathischen Mischungen von Berberis D6, Pulsatilla D4 und Caulophyllum D4 an», berichtet Karin Lietha.

Wehen auslösen durch Anregung des Darms

Scharfes Essen regt den Darm an. Weil der Darm nah an der Gebärmutter liegt, kann er Wehen auslösen. Eine ähnliche Wirkung hat Rizinusöl, das von der Hebamme unbedingt richtig dosiert werden muss. Ansonsten können Übelkeit, Schmerzen und andere Komplikationen wie zum Beispiel ein zu hoher Wasserverlust die Folge sein. Auch ein Einlauf fördert die Wehentätigkeit – er sollte aber nur von Fachpersonal vorgenommen werden, um zu verhindern, dass Keime eindringen. «Bei einem Einlauf kann ein ätherisches Öl in geringer Dosierung wie zum Beispiel Muskatellersalbei die Wirkung verstärken. Muskateller-Salbei wirkt leicht hormonell unterstützend. Darüber hinaus kann er Ängste lösen und Mut machen, «über Grenzen zu gehen»», sagt Karin Lietha.

Wehen auslösen durch Brustwarzenstimulation

Bei der Brustwarzenstimulation gilt es, die Brustwarzen etwa eine Minute lang kräftig zu reiben. Das kann die Mutter selbst machen – oder auch ihr Partner. Nach einer Pause von drei bis fünf Minuten wird der Vorgang wiederholt. Das Reiben der Brustwarzen regt die Hirnanhangdrüse an, das Hormon Oxytocin freizusetzen, das die Geburt einleitet. «Löst es innerhalb einer halben Stunde Kontraktionen der Gebärmutter aus, zeigt dies, dass eine Geburtsbereitschaft da ist», sagt Karin Lietha. «Sind die Herztöne des Babys unauffällig, kann man ruhig ein bis zwei Stunden mit der Brustwarzenstimulation fortfahren. So besteht eine gute Chance, die Geburt anzuschubsen.»

Wehen auslösen durch Geschlechtsverkehr

Auch Geschlechtsverkehr kann den Start der Geburt begünstigen. Der Grund: Sperma enthält das Gewebshormon Prostaglandin, das Wehen auslösen kann. Diese Hormone werden hoch dosiert in einem Zäpfchen oder Gel verabreicht, wenn der Arzt eine Einleitung für notwendig hält. Hilfreich ist auch ein Orgasmus, weil er die Gebärmutter zusammen zieht.

Wehen auslösen durch Baumwollwurzel

Stimuliert die Gebärmutter: das Extrakt, das aus den Wurzeln der Baumwolle (Gossypium herbaceum) gewonnen wird. Zusammen mit Eisenkraut-Tinktur kann es Wehen auslösen. Erfahrene Hebammen können die Substanzen mischen und verabreichen.

Geduld hilft am meisten

Nur wenige Babys kommen zum errechneten Termin. Denn Termin-Vorhersagen zur Entbindung sind immer nur über den Daumen gepeilt. Darüber hinaus benötigt das eine Baby ein paar Tage länger, das andere weniger Zeit, bis es reif für den aufregenden Weg durch den Geburtskanal ist.

Karin Lietha plädiert für Geduld: «Solange es keine gesundheitlichen Gründe gibt, Wehen auszulösen, ist es immer gut, der Natur die Zeit zu geben, die sie braucht», sagt sie. «Geduld ist ein Baum, dessen Wurzel bitter, dessen Frucht aber sehr süss ist», heisst es in Persien.

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Autor: Sigrid Schulze

Hebamme und Naturheilpraktikerin Karin Lietha begleitet und berät schwangere Frauen. Karin Lietha ist Hebamme und Naturheilpraktikerin. Seit 2003 arbeitet sie im Geburtshaus Zürcher Oberland (ZHO), wo sie Mütter vor, während und nach der Geburt unterstützt. Besonders wichtig ist Lietha die Gestaltung einer liebevollen Atmosphäre, in welcher sich die werdende Mutter wohl fühlt und Ängste ablegen kann. Mit kompetentem Fachwissen und den eigenen Erfahrungen als Frau, Mutter, Brustkrebsbetroffene und Hebamme begleitet sie Frauen auch durch Wandlungszeiten wie Krankheiten oder die Wechseljahre.

 

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