Facebook Pixel
Gesundheit > Therapien & Hilfe

Diabetes bei Kindern: «Kinder können und sollen ein normales Leben führen»

Diabetes – nur eine Krankheit für ältere Menschen? Keineswegs! Schon kleine Kinder sind immer öfter betroffen. Steht die Diagnose fest, wirbeln Krankheit und Therapie den Alltag durcheinander. Doch nach und nach können junge Diabetiker ein fast normales Leben führen.

Eine regelmässige Kontrolle des Blutzuckerspiegels ist vor allem bei Diabetes Typ 1 wichtig. Davon sind in der Schweiz rund 3'000 Kinder betroffen. Bild: GettyImages Plus,  Phynart Studio

Wenn der Körper den Blutzuckerspiegel nicht mehr oder nur noch unzureichenden regulieren kann, dann lautet die Diagnose Diabetes mellitus. Dabei kann es sich um Diabetes Typ 1 oder Diabetes Typ 2 handeln. «In der Schweiz sind etwa 3.000 Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre an Diabetes Typ 1 erkrankt», berichtet Caroline Brugger, Geschäftsführerin des Verein Swiss Diabetes Kids, einer Selbsthilfeorganisation für Familien mit einem oder mehreren Kindern mit Diabetes Typ 1. Immer öfter sind jüngere Kinder sind betroffen – ein Fakt, der beunruhigt. Denn nicht nur Typ-1-Diabetes, auch andere Autoimmunerkrankungen nehmen seit Jahren konstant zu. «Die Hygiene unserer Alltags führt möglicherweise dazu, dass der Körper weniger trainiert ist, gegen Bakterien und Viren zu arbeiten», erklärt Caroline Brugger. Kinder, die an Diabetes Typ 2 erkranken, sind in der Schweiz dagegen sehr selten. 

Diabetes Typ 1: Kontrolle ist wichtig

Art der Krankheit: Diabetes Typ 1 ist die häufigste Stoffwechselerkrankung bei Kindern und Jugendlichen. Dabei handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Betazellen der Bauchspeicheldrüse zerstört. Dann können sie nicht mehr das Insulin herstellen, das der Körper braucht, um den Blutzucker zu regulieren.

Ursachen: Die Ursachen der Typ-1-Diabetes sind unbekannt. «Meist löst ein Infekt die Krankheit aus – zum Beispiel ein grippaler Infekt oder ein Magen-Darm-Infekt», erklärt Caroline Brugger. «Darüber hinaus gibt es eine genetische Prädisposition, also eine genetisch bedingte Krankheitsanfälligkeit, die aber circa 60 Prozent der Bevölkerung hat.»

Therapie: Bei Diabetes Typ 1 ist vor allem wichtig, den Blutzucker zu kontrollieren – vor jedem Essen, vor dem Schlafen gehen und vor Sportaktivitäten. Je nach dem aktuellen Blutzucker, der Menge an zugeführten Kohlenhydraten und der geplanten körperlichen Aktivität muss dann synthetisches Insulin verabreicht werden. Kinder werden immer mit Insulin behandelt und sind in regelmässiger ärztlicher Kontrolle.

Diabetes 2: Ernährung und Bewegung im Fokus

Art der Krankheit: Wenn die Bauchspeicheldrüse zwar weiterhin, aber zu wenig Insulin produziert oder der Körper das Insulin nicht verwenden kann, um Blutzucker in Energie umzuwandeln, handelt es sich um Diabetes Typ 2. 

Ursachen: Für Typ-2-Diabetes gibt es viele Ursachen. Erkrankungen können ebenfalls durch eine genetische Prädispoisiton beschleunigt werden. Ausserdem kann die Einnahme gewisser Medikamente zur Erhöhung des Blutzuckerspiegels und somit zu einem Diabetes Typ 2 führen. Weitere Faktoren sind eine ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel.

Therapie: Bei Diabetes Typ 2 steht  besonders im Fokus, eine ausgewogene Ernährung einzuführen. Darüber hinaus ist es wichtig, das Kind zu Bewegung zu motivieren. Denn sowohl die ausgewogene Ernährung als auch die regelmässige Bewegung helfen dem Kind, Gewicht zu verlieren. Sinken die Blutzuckerwerte trotzdem nicht, werden Tabletten, sogenannte Antidiabetika, verschrieben. Die Verabreichung von Insulin wird erst notwendig, wenn diese Wege nicht zum Erfolg führen.

Typische Symptome: Müde und viel Durst

«Zu den typischen Symptomen von Diabetes Typ 1» gehören vermehrter Harndrang, gesteigerter Durst, allgemeine Schwäche wie auch Müdigkeit, Nachlassen der Schulleistungen und Gewichtsverlust», berichtet Caroline Brugger. «Manche Kinder nässen nachts wieder ein.»

Es sei sehr wichtig, dass Diabetes Typ 1 rechtzeitig erkannt werde, um lebenbedrohliche Stoffwechsel-Entgleisungen zu vermeiden. Dabei sei der Kinderarzt die erste Anlaufstelle, der mit einer einfachen Blutzuckerkontrolle und Harnkontrolle erste Normabweichung feststellen kann. »Ist einem Kind längere Zeit nicht wohl, sollte auf jeden Fall an Diabetes Typ 1 gedacht werden und beim Kinderarzt auf eine entsprechende Untersuchung bestanden werden.»

Ist ein Kind dagegen an Diabetes Typ 2 erkrankt, treten zunächst kaum äusserliche Anzeichen und Symptome auf. An Abgeschlagenheit und Leistungseinbussen ist die Erkrankung dennoch oft erkennbar. Vermuten Sie, dass Ihr Kind betroffen sein könnte, suchen Sie zur Sicherheit ärztlichen Rat und lassen Sie es abklären.

Ist Diabetes heilbar?

Diabetes Typ 1 ist nicht heilbar. «Die Diagnose gilt für das gesamte Leben. Diabetes Typ 1 lässt sich weder voraussagen noch vorbeugen», sagt Caroline Brugger. Deshalb haben heute Kinder mit Diabetes Typ 1 die Chance, gleichlang «gesund» alt zu werden wie andere Menschen.»

Bei Diabetes 2 lässt sich durch die eine dauerhafte Therapie erreichen, dass sich die Blutzuckerwerte normalisieren.

Moderne Hilfsmittel machen Alltag leichter

Heute stehen für die Therapie moderne Hilfsmittel zur Verfügung. Bei der Verabreichung von Insulin haben sich zum Beispiel der Pen und Insulinpumpe durchgesetzt. Ein Pen lässt sich statt einer Spritze verwenden. Er wird mit einer Insulinpatrone befüllt, die auf Knopfdruck oder mithilfe eines Drehmechanismus eine bestimmte Menge Insulin abgibt. Eine Insulinpumpe dagegen ist kleines elektronisches Gerät, ungefähr so gross wie eine Checkkarte, das am Gürtel oder in einer Tasche der Kleidung getragen wird. Sie gibt rund um die Uhr präzise Dosen Insulin durch einen Katheter ab. Das regelmässige Spritzen entfällt.

Diabetes: Schock für Eltern

«Die Diagnose Diabetes ist zunächst ein Schock für Eltern», weiss Caroline Brugger. Die Therapie, die Eltern für ihr Kind managen müssen, bedeute für sie viel tägliche Arbeit. «Manche Kinder sind schwerer einzustellen, denn nicht nur die Ernährung, auch Bewegung, Wachstum und Stress haben Einfluss auf den Blutzuckerspiegel.» Das alles lernen Kinder und Eltern in der Diabetikerschulung. «Sobald Eltern die Therapie in den Alltag integriert haben, können und sollen die Kinder mit Diabetes Typ 1ein fast normales Leben führen. Sie sind genauso leistungsfähig – sowohl körperlich als auch kognitiv.»

Anlaufstellen für Betroffene

Verein Swiss Diabetes Kids, eine Selbsthilfeorganisation für Familien mit einem oder mehreren Kindern mit Diabetes Typ 1: www.swissdiabeteskids.ch 

Die Patientenorganisation diabetesschweiz wurde 1957 gegründet, mit dem Ziel, die Lage der Diabetikerinnen und Diabetiker in der Schweiz zu verbessern: www.diabetesschweiz.ch