Experten raten vom Wehencocktail ab

Ist der vom Arzt genannte Geburtstermin bereits überschritten, steigert sich die Ungeduld auf das Baby bei manchen Schwangeren von Tag zu Tag ins Grenzenlose. Es ist verständlich, dass einige sich wünschen, dem Beginn der Geburt auf die Sprünge zu helfen. Ob Sie mit einem Wehencocktail tatsächlich Wehen auslösen können, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Ein Wehencocktail kann verlockend erscheinen, wenn die Geburt auf sich warten lässt.

Gegen Ende der Schwangerschaft können es die meisten Frauen kaum erwarten ihr Baby kennenzulernen. Ein Wehencocktail ist allerdings nicht unbedingt der beste Weg die Dinge zu beschleunigen. Foto: ANDY_BOWLIN, iStock, Thinkstock

Wehencocktail: Rezept und Wirkung

Eigentlich hat jede Hebamme ein Wehencocktail Rezept zur Hand, denn lange Zeit war so er ein beliebtes und einfaches Hausmittel, um die Wehen zu fördern. Für Wehencocktails gibt es verschiedene Rezepte. Am bekanntesten sind Mischungen aus Rizinusöl als Hauptbestandteil, Aprikosensaft und Sekt. Aber welche Wirkung versteckt sich dahinter? Warum kann man damit Wehen auslösen? Streng genommen ist der Wehen fördernde Effekt nur eine Nebenwirkung eines Wehencocktails. In erster Linie wird nämlich die Verdauung angeregt und dies häufig so stark, dass Schwangere sogar Durchfall bekommen. Ganz besonders, wenn Rizinus Öl enthalten ist. Durch die vermehrte Darmtätigkeit entstehen auch die Wehen.

Warum wird heute von einem Wehencocktail abgeraten?

Gerade wenn Rizinusöl enthalten ist, ist die Wirkung des Wehencocktails stark. Durchfälle sind dabei nicht nur vorprogrammiert, sie sind häufig auch so extrem, dass die Mutter schnell unter Übelkeit und Flüssigkeitsmangel leidet. Selbst Darmschäden können die Folge sein. In manchen Fällen führt solch ein Rizinus-Wehencocktail sogar zu Darmkrämpfen. Diese wiederum können sich negativ auf die Sauerstoffversorgung des Babys auswirken.

Zudem gibt es einige Rezepte, in denen solch einem Cocktail Alkohol zugemischt wird. Dieser mag zwar eine gute Wehen fördernde Wirkung haben, gelangt aber selbst so kurz vor der Geburt noch in den Blutkreislauf des Kindes und kann damit Schaden anrichten. Auch wenige Stunden vor der Geburt kann Alkohol im Gehirn eines Kindes zu Schäden führen. Das wäre ein verdammt hoher Preis für die Ungeduld der Eltern.

Trotzdem fällt es nicht schwer, im Internet Rezepte zu finden, die versprechen, ganz schnell und einfach Wehen auszulösen. Doch selbst wenn der errechnete Geburtstermin überschritten und die Spannung kaum noch auszuhalten sind, sollten Sie den Wehencocktail nicht selbst mischen. Ob solch ein Einsatz sicher und auch sinnvoll ist, sollten Sie vorher mit Ihrem Arzt und Ihrer Hebamme absprechen. Janine Studer und Patricia Arnold äussern sich in ihrer Bachelor Arbeit an der Berner Fachhochschule im Studiengang Hebamme wie folgt zu diesem Thema: «Obwohl das Rizinusöl nicht verschreibungspflichtig ist, ist es trotzdem ein Arzneimittel und darf in seiner Wirkung nicht unterschätzt werden. Rizinusöl ist auf der Liste der homöopathischen und anthroposophischen Heilmittel von Swissmedic (2010)aufgeführt. Es darf nur oral eingenommen werden und gehört zur Abgabekategorie „D“, was gemäss Swissmedic und dem Bundesamt für Gesundheit eine Abgabe nach einer Fachberatung bedeutet. »

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