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Kaiserschnitt: Wann eine Bauchgeburt nötig ist und wie sie abläuft

Wenn eine vaginale Geburt nicht möglich ist, kommt das Baby per Kaiserschnitt zur Welt. Es gibt auch Frauen, die sich aus nicht medizinischen Gründen einen Kaiserschnitt wünschen. Ob geplant oder Notkaiserschnitt: Die sogenannte Sectio ist eine grosse Bauchoperation, nach der Sie etwa vier bis sieben Tage im Spital bleiben. Wie stark die Schmerzen danach sind und wie lange die Erholung dauert, ist von Frau zu Frau verschieden. Wie die Bauchgeburt abläuft und was Sie danach erwartet.

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Ein Baby kommt per Kaiseschnitt zur Welt: Durch den Bauchschnitt können die Ärzte das Kind aus dem Bauch entnommen. Bild: GettyImages Plus, 1905HKN

Geburt per Kaiserschnitt: Das Wichtigste in Kürze

  • Jedes dritte Kind in der Schweiz kommt per Kaiserschnitt zur Welt. Medizinische Gründe für eine Sectio gibt es laut WHO aber nur in etwa 15 Prozent der Geburten. 
  • Ärzte unterscheiden zwischen einerm primären und sekundären Kaiserschnitt: Dem geplanten (primär) und dem Notkaiserschnitt. Was die Gründe sind für einen primären Kaiserschnitt und wie bei einem Wunschkaiserschnitt vorgegangen wird, lesen Sie hier. 
  • Ein Kaiserschnitt findet normalerweise unter örtlicher Betäubung statt. Die Frau erlebt mit, wie das Kind zur Welt kommt. Auch der Partner darf in den meisten Spitälern im OP dabei sein. Der Eingriff dauert nur etwa 45 Minuten. So läuft ein Kaiserschnitt im Detail ab. 
  • Nach dem Kaiserschnitt haben Sie ebenfalls Nachwehen und Wochenfluss. Ausserdem wird die Wundheilung und die Blutgerinnung beobachtet, weshalb Sie meist vier bis sieben Tage im Spital bleiben. Mehr zur Zeit nach der Sectio.
  • Im Wochenbett werden Sie zu Hause von einer Hebamme betreut. Sie kümmert sich um die Kontrolle des Wundheilprozesses der Narbe. Sechs Wochen sollten Sie sich schonen und nicht schwer heben. Mehr zum Wochenbett nach einem Kaiserschnitt. 

Der Kaiserschnitt ist heutzutage ein sehr häufiger Eingriff: Manchmal findet er unerwartet und unter Zeitdruck statt, weil ein Notkaiserschnitt nötig ist. Manchmal ist er geplant und das Datum des Eingriffs wurde im Vorfeld vereinbart.  

Schweiz: Jedes dritte Kind kommt per Kaiserschnitt zur Welt

In der Schweiz kamen 2019 rund 32 Prozent der Babys per Kaiserschnitt zur Welt – also etwa jedes dritte Kind. Im europäischen Vergleich ist dies ein ziemlich hoher Wert. Im Jahre 1999 lag der Wert noch bei unter 25%. Laut WHO ist nur etwa in 10 bis 15 Prozent der Fälle aus. Medizinischen Gründen ein Kaiserschnitt notwendig. Es kann also davon ausgegangen werden, dass viele der Eingriffe auf Wunsch der Eltern stattfinden.  

Wann Sectio: Gründe für einen Kaiserschnitt

Es gibt unterschiedliche Gründe, warum das Kind per Kaiserschnitt zur Welt kommt. Ärzte unterscheiden zwischen dem primären und sekundären Kaiserschnitt. Der primäre ist der geplante Kaiserschnitt. Er wird im Normalfall in der 38. oder 39. Schwangerschaftswoche durchgeführt und Sie bestimmen den Termin selbst in Absprache mit Ihrem Arzt. Der sekundäre Kaiserschnitt ist ein Notkaiserschnitt – hier lässt sich nichts planen. 

1 Geplanter Kaiserschnitt

Ein geplanter Kaiserschnitt wird durchgeführt, wenn eine konventionelle Entbindung für Mutter oder Kind zu risikoreich erscheint. Das ist der Fall, wenn zum Beispiel eine Steisslage vorliegt, also das Kind nicht mit dem Kopf zuerst zur Welt kommen würde oder ein Missverhältnis zwischen dem Kopfdurchmesser und dem Becken der Mutter besteht. Es gibt Spitäler, die Geburten in Beckenendlage ablehnen und andere, die den Versuch zu lassen und Anleitung bieten. Erkundigen Sie sich nach den Möglichkeiten in den Spitälern Ihrer Wahl und auch nach der Kaiserschnittrate. Je nachdem, welche Art der Geburt Sie sich vorstellen und wünschen, hilft dies bei der Entscheidung für einen Geburtsort.

Kaiserschnitt auf Wunsch

Zum primären Kaiserschnitt zählt auch der Wunschkaiserschnitt ohne medizinische Notwendigkeit. Wenn Sie sich keine natürlich Geburt vorstellen können, sprechen Sie mit Ihrer Frauenärztin über Ihre Beweggründe oder auch Ängste. Sie wird Sie über mögliche Szenarien und Lösugen aufklären und beraten im weiteren Prozess.  

2 Notkaiserschnitt

Ein sekundärer Kaiserschnitt, also ein Notfallkaiserschnitt, wird durchgeführt, wenn es während der Geburt zu Komplikationen kommt und die natürliche Geburt für Mutter und Kind zu gefährlich werden könnte. Darunter fallen beispielsweise ein anhaltender Herztonabfall des Kindes oder eine eingeklemmte Nabelschnur, welche die Sauerstoffversorgung des Kindes nicht mehr sicherstellen kann.

Kosten: Das zahlt die Krankenkasse bei einem Kaiserschnitt

Die Kosten für einen Kaiserschnitt sind in der Schweiz von der Grundversicherung gedeckt. Aber Vorsicht; Ohne medizinischen Grund kann die Krankenversicherung es ablehnen, allfällige Mehrkosten gegenüber der natürlichen Geburt zu bezahlen.

Kaiserschnitt: Frau in Operationssaal bereit für den Kaiserschnitt.

Hinter einer Sichtschutzwand aber mit örtlicher Betäubung; Bei einem Kaiserschnitt erleben Sie mit, wie Ihr Kind zur Welt kommt. Bild: GettyImages Plus, SDI Productions

Ablauf: Das passiert bei einem Kaiserschnitt

Sie wissen, dass Ihr Kind per Kaiserschnitt zur Welt kommt und wollen wissen, wie diese abläuft? Bei einem geplanten Kaiserschnitt ist der Ablauf an den meisten Spitälern derselbe. Bei einem Notkaiserschnitt muss es oft schnell gehen – es kann sein, dass die Sectio dann nicht unter örtlicher Betäubung, sondern unter Vollnarkose stattfindet. Für alle, die Podcasts mögen: Hier erklärt Dr. med. Konstantin Wagner im Podcast wie eine Sectio abläuft. 

1 Ankunft im Spital: Ein geplanter Kaiserschnitt wird meist morgens durchgeführt. Sie kommen morgens mit nüchternem Magen ins Spital. Allenfalls werden Sie nochmals an den Wehenschreiber angehängt und die Herztöne Ihres Babys werden nochmals abgehört. Je nachden wird Ihnen bereits jetzt oder ansonsten nach der Betäubung ein Blasenkatheter gelegt.

2 Betäubung: Wenn das Team bereit ist für die Operation, werden auch Sie vorbereitet: Sie erhalten eine Spritze – meist ins Rückenmark. Denn der Eingriff, der gleich folgt, findet unter örtlicher Betäubung, Epidural-, Peridural- oder Spinalanästhesie, statt. Nur in Ausnahmefällen wird heutzutage noch eine Narkose, also eine Vollnarkose, angewendet. Sie sind somit bei vollem Bewusstsein und erleben mit, wie Ihr Kind das Licht der Welt erblickt. Nach der Spritze werden Sie merken, dass Ihr Unterkörper taub wird. Sie werden nun im Operationssaal in die richtige Lage gebracht und alles wird für den Eingriff vorbereitet. Es ist vollkommen normal, dass Sie nun nervös sind. 

3 Partner darf dabei sein: Unter Ihrer Brust wird aus Tüchern eine Sichtschutzwand aufgebaut. Nun darf Ihnen Ihr Partner im Operationssaal beiseite stehen. Er nimmt normalerweise direkt neben Ihnen Platz. 

4 Der Eingriff: Nun wird nochmals getestet, ob die Betäubung auch wirkt. Dann geht es los. Mithilfe des Bauchschnitts wird zuerst die Bauchdecke unterhalb der Bikininaht und dann die Gebärmutter geöffnet. Das Kind wird über den Schnitt direkt dem Bauch entnommen. Es kann sein, dass Sie nun ein Ruckeln und Drücken wahrnehmen. Je nach Lage und Grösse des Kindes müssen die Ärzte etwas Druck auf den Bauch geben, um Ihr Kind zur Welt zu bringen. Wenn Sie den ersten Schrei hören, wissen Sie – nun ist es fast geschafft!

Reissen statt Schneiden: Die Misgav-Ladach-Methode

Bei den geplanten Kaiserschnitten existieren verschiedene Techniken. Besonders bekannt ist der sogenannte sanfte Kaiserschnitt, die Misgav-Ladach-Methode. Das Vorgehen wurde in Israel entwickelt und dort nach dem Misgav-Ladach-Krankenhaus benannt wurde. Hier wird nur die oberste Hautschicht aufgeschnitten, die unteren Schichten werden vorsichtig mit den Fingern auseinandergerissen. Bei der herkömmlichen Methode werden alle Schichten geschnitten. Es heisst, bei der sanften Methode sollen die Schmerzen geringer und die Wundheilung schneller sein.

5 Wunde vernähen: Die Gebärmutter zieht sich nach der Operation zusammen, die Plazenta (Mutterkuchen) wird herausgelöst. Anschliessend werden der Uterus und die Bauchschichten vernäht. Es entsteht eine kleine Kaiserschnitt-Narbe nach der Geburt, die jedoch gut verheilt, wenn sie ausreichend gepflegt und versorgt wird. Wenn Sie ein Vaginal Seeding wollen für Ihr Kind, erkundigen Sie sich im Vorfeld, ob Ihr Spital dies anbietet. Dieses könnte nun ebenfalls durchgeführt werden. 

6 Bonding: Je nach Spital dürfen Sie Ihr Kind bereits bei sich auf der Brust haben, während die Wunde vernäht wird. Ansonsten wird Ihr Partner, der direkt neben Ihnen sitzt, in dieser Zeit das Bonding mit dem Baby machen. Nach einem Notfall-Kaiserschnitt wird das Baby erst untersucht, ehe es in Mamas oder Papas Arm darf. 

7 Nach dem Eingriff: Nach dem Nähen wird die Mutter noch etwa zwei Stunden in einem Aufwachraum überwacht. Hier kann das Baby zum ersten Mal an die Brust angelegt werden, wenn Sie stillen wollen

Dauer: So lange dauert ein Kaiserschnitt

Ein geplanter Kaiserschnitt ist normalerweise ein risikoarmer Eingriff und für die Ärzte Routine. Der ganze Eingriff dauert von der Spinalanästhesie bis nach dem Zunähen etwa 45 Minuten. Natürlich kann es immer sein, dass es Komplikationen gibt. Auch wenn eine Sektio ein Routineeingriff ist, ist sie eine grössere Operation am Bauch.

So lange muss man nach Kaiserschnitt im Spital bleiben

Nach einem Kaiserschnitt bleiben Sie etwa vier bis sieben Tage im Spital - je nach Wundheilung und wie Sie sich fühlen. Es gibt Frauen, die sind schon am Tag des Eingriffs wieder auf den Füssen, andere brauchen zwei oder mehrere Tage. In vielen Fällen dauert die Erholung länger als nach einer natürlichen Geburt, auch wegen der Wundschmerzen. Nach dem Eingriff kann es ausserdem zu Entzündungen und Wundheilungsstörungen kommen und es können sich Blutgerinnsel (Thrombosen) bilden. Da es nötig ist, während des Eingriffs die Blase über einen Katheter zu leeren, kann es zu Entzündungen der Blase kommen. Darum werden Sie in den Tagen im Spital genau überwacht. All diese Symptome lassen sich problemlos behandeln, wenn sie rechtzeitig erkannt werden. 

Mutter beim Bonding mit ihrem Baby im Operationssaal direkt nach dem Kaiserschnitt

Viele Spitäler ermöglichen das erste Bonding zwischen Mama und Kind direkt nach dem Eingriff. Bild: GettyImages Plus, mgstudyo

Kaiserschnitt: Erfahrungen und Erkenntnisse

Schwere Komplikationen treten bei einem Kaiserschnitt äusserst selten auf, wie die Erfahrungen der Schweizerischer Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG) zeigen. Wie die Frau selbst den Kaiserschnitt erlebt, ist ganz individuell und hängt zu einem grossen Teil auch damit zusammen, wie sie sich die Geburt vorgestellt und gewünscht hatte. Der geplante Kaiserschnitt ist für das Kind laut SGGG eine sichere Entbindungsmethode. Das Risiko von Schädigungen des Kindes ist kleiner als bei einer Geburt auf natürlichem Wege. Selten kann ein Kind durch ein chirurgisches Instrument oder sterile Tücher verletzt werden. Allerdings kommen beim Kaiserschnitt häufiger Atmungsprobleme vor, weshalb das Kind gelegentlich im Brutschrank behandelt und eventuell sogar beatmet werden muss. Der Grund: Bei der natürlichen Geburt wird das Fruchtwasser aus den Lungen gepresst, was beim Kaiserschnitt ohne Wehen nicht passiert.

Erholung nach dem Kaiserschnitt: Das erwartet Sie danach

Ein Kaiserschnitt hat Vorteile – bringt aber auch seine Schwierigkeiten und Herausforderungen mit sich. Die Genesungsphase nach dem Bauchschnitt verläuft in der Regel schmerzhafter und langsamer als die nach einer spontanen Geburt. Weil bei einer Sectio mehrere Gewebeschichten zerstört werden, braucht die Heilung Zeit. Die Mutter ist darum in den ersten Wochen meist noch nicht da dazu imstande, sich vollumfänglich um das Kind zu kümmern. Dies hängt jedoch auch sehr stark von der körperlichen Verfassung der Frau ab – es gibt Frauen, die kehren schon nach kurzer Zeit in ihren "normalen" Alltag zurück. 

Risiken nach einem Kaiseschnitt

Nach dem operativen Eingriff besteht die Gefahr, dass sich Blutgerinnsel, sogenannte Thrombosen, bilden. Blutverdünner und Kompressionsstrümpfe helfen hierbei. Aber auch die seelischen Spätfolgen dürfen nicht unterschätzt werden. Auch psychische Probleme können auftreten – vor allem bei ungeplanten Kaiserschnitten. Es gibt Frauen, die leiden, weil sie sich die Geburt anders ausgemalt hatten. Ausserdem kann die Narbe neben Entzündungen und Blutergüssen auch Gefühlsstörungen bewirken. Und: Frauen könnten das veränderte Körperbild als störend empfinden. Den Postpartum-Körper zu aktzeptieren, fällt aber auch vielen Frauen nach einer vaginalen Geburt schwer. 

Das Wochenbett nach dem Kaiserschnitt

Nach dem Kaiserschnitt ist Schonung angesagt. Aber genau dafür ist die Zeit im Wochenbett ja da. Auch nach einem Kaiserschnitt treten sogenannte Nachwehen auf. Auch wird der Wochenfluss eintreten. Dieser ist bei vielen Frauen jedoch etwas weniger stark wie bei einer spontanen Geburt. 

Nutzen Sie die Zeit zu Hause, um Ihr Baby kennenzulernen und sich zu entspannen. Etwa sechs Wochen lang sollten sie weder schwer heben und sich nicht überanstrengen, so lautet eine alte Faustregel und allgemeine Empfehlung. So kann die Wunde komplikationslos verheilen. Wer zu schnell, zu viel macht, stört oft die Wundheilung. Wenn Sie nach ein paar Tagen baden wollen, ist auch das in Ordnung. Es wird jedoch empfohlen, eher zu duschen, um die Heilung der Narbe zu fördern. 

Die Hebamme, die Sie im Wochenbett betreut, wird sich auch um die Narbe kümmern, allenfalls die Fäden ziehen oder das Wundpflaster wechseln oder abnehmen. Wenn Sie Fragen haben zur Narbenpflege können Sie sich ebenfalls jederzeit an Ihre Hebamme wenden. 

Kaiserschnitt wie oft: Natürliche Geburt nach Sectio?

Wenn Sie einen Kaiserschnitt hatten, birgt eine erneute Schwangerschaft ein höheres Risiko. Zum Beispiel kommt es häufiger zu einem Gebärmutterriss oder vor dem Muttermund liegende oder eingewachsene Plazenta. Aber keine Sorge: Auch nach einem Kaiserschnitt ist es möglich, das zweite oder dritte Kind per vaginaler Entbindung auf die Welt zu bringen, wenn Sie das wünschen. Ist jedoch der Zeitabstand zwischen den Schwangerschaften gering, wird mit höchster Wahrscheinlichkeit erneut ein Kaiserschnitt vollzogen.