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Kaiserschnitt: Wenn ein Baby im Operationssaal zur Welt kommt

Nicht bei jeder Schwangerschaft ist eine vaginale Geburt ratsam und möglich und auch nicht jede Frau will natürlich gebären. In diesen Fällen kommt das Baby per Kaiserschnitt zur Welt. Wie läuft so ein Eingriff ab und was bedeutet er für Mutter und Kind? Wir erklären alles Wichtige rund um die Operation, damit Sie bei Ihrer Geburt bestens informiert sind.

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Ein Baby kommt per Kaiseschnitt zur Welt: Durch den Bauchschnitt können die Ärzte das Kind aus dem Bauch entnommen. Bild: GettyImages Plus, 1905HKN

Keine Schmerzen während Geburt und ein errechneter Geburtstermin, der eingehalten werden kann: Beim Kaiserschnitt wird das Baby nicht auf dem natürlichen Geburtsweg entbunden, sondern über einen Bauchschnitt und unter lokaler Betäubung. 

Der Eingriff: So läuft ein Kaiserschnitt ab

Der Eingriff im Detail: Der Sectio wird mithilfe örtlicher Betäubung, der Periduralanästhesie (PDA), auch Spinalanästhesie genannt (Rückenmarksspritze), ausgeführt. Nur in Ausnahmefällen wird heutzutage noch eine Narkose, also eine Vollnarkose, angewendet. Im Fall einer örtlichen Betäubung ist die Gebärende bei vollem Bewusstsein. Durch eine Sichtschutzwand kann sie den Eingriff jedoch nicht sehen. Im Normalfall ist es erlaubt, dass der Partner bei der Geburt anwesend ist. Er nimmt während der Geburt ebenso hinter der Sichtschutzwand Platz. 

Mithilfe des Bauchschnitts wird zuerst die Bauchdecke unterhalb der Bikininaht und dann die Gebärmutter geöffnet. Das Kind wird über den Schnitt direkt dem Bauch entnommen. Die Gebärmutter zieht sich nach der Operation zusammen, die Plazenta (Mutterkuchen) wird herausgelöst. Anschliessend werden der Uterus und die Bauchschichten vernäht. Es entsteht eine kleine Kaiserschnitt-Narbe nach der Geburt, die jedoch gut verheilt, wenn sie ausreichend gepflegt und versorgt wird.

Wann der erste Körperkontakt zwischen Mutter und Kind stattfindet, ist von Klinik zu Klinik unterschiedlich. Nach einem Notfall-Kaiserschnitt wird das Baby erst untersucht, ehe es in Mamas oder Papas Arm darf. In allen unkritischen Fällen wird das Baby vor der Untersuchung entweder der Mutter kurz auf den Bauch gelegt oder dem Papa übergeben. Nach dem Nähen wird die Mutter noch etwa zwei Stunden in einem Aufwachraum überwacht. Hier kann das Baby zum ersten Mal an die Brust angelegt werden.

Zwei Methoden: Schneiden oder reissen

Bei den geplanten Kaiserschnitten existieren verschiedene Techniken. Besonders bekannt ist der sogenannte sanfte Kaiserschnitt, die Misgav-Ladach-Methode. Das Vorgehen wurde in Israel entwickelt und dort nach dem Misgav-Ladach-Krankenhaus benannt wurde. Hier wird nur die oberste Hautschicht aufgeschnitten, die unteren Schichten werden vorsichtig mit den Fingern auseinandergerissen. Bei der herkömmlichen Methode werden alle Schichten geschnitten. Es heisst, bei der sanften Methode sollen die Schmerzen geringer und die Wundheilung schneller sein.

Wann ein Kaiserschnitt nötig wird

Gründe für einen geplanten Kaiserschnitt gibt es viele: Beispielsweise kann ein Missverhältnis der Geburtsgrösse zum Becken, ein vorzeitiger Blasensprung oder eine Rhesusfaktor-Unverträglichkeit sein, die den Eingriff nötig machen. Auch eine vorliegende HIV-Infektion, ein HELLP-Syndrom der Schwangeren oder ein vor dem Muttermund liegender Mutterkuchen sprechen gegen eine natürliche Geburt.

Aber auch beim Baby gibt es Faktoren, die eine natürliche Geburt unmöglich machen: Zum Beispiel eine Erkrankung des ungeborenen Babys, eine komplizierte Lage oder ein geringes Geburtsgewicht. In diesen Fällen trifft jedoch der Arzt die Entscheidung und rät der Mutter zum Eingriff. 

Primär und sekundär: Geplanter Schnitt und Notkaiserschnitt

Ärzte unterscheiden zwischen dem primären und sekundären Kaiserschnitt. Der primäre ist der geplante Kaiserschnitt. Er wird begonnen, wenn eine konventionelle Entbindung für Mutter oder Kind zu risikoreich erscheint. Das ist der Fall, wenn eine Steisslage vorliegt, also das Kind nicht mit dem Kopf zuerst zur Welt kommen würde oder ein Missverhältnis zwischen dem Kopfdurchmesser und dem Becken der Mutter besteht. Zum primären Kaiserschnitt zählt auch der Wunschkaiserschnitt ohne medizinische Notwendigkeit.

Ein sekundärer Kaiserschnitt, also ein Notfallkaiserschnitt, wird durchgeführt, wenn es während der Geburt zu Komplikationen kommt und die natürliche Geburt für Mutter und Kind zu gefährlich werden könnte. Darunter fallen beispielsweise ein anhaltender Herztonabfall des Kindes oder eine eingeklemmte Nabelschnur, welche die Sauerstoffversorgung des Kindes nicht mehr sicherstellen kann.

Darauf muss die Mutter achten nach einem Kaiserschnitt

Ein Kaiserschnitt hat Vorteile – bringt aber auch seine Schwierigkeiten und Herausforderungen mit sich. Ein Vorteil ist: Mütter leiden nach einem Kaiserschnitt meistens nicht an Vaginalinkontinenz wie bei einer natürlichen Geburt und ihnen bleiben die Geburtsschmerzen erspart. Die Genesungsphase nach dem Bauchschnitt verläuft jedoch in der Regel schmerzhafter und langsamer als die nach einer spontanen Geburt. Weil bei dieser Entbindung mehrere Gewebeschichten zerstört werden, braucht die Heilung Zeit. Die Mutter ist darum in den ersten Wochen meist noch nicht da dazu imstande, sich vollumfänglich um das Kind zu kümmern.

Zudem besteht die Gefahr, dass sich nach dem operativen Eingriff Blutgerinnsel, sogenannte Thrombosen, bilden. Blutverdünner und Kompressionsstrümpfe helfen hierbei. Auch psychische Probleme können auftreten – vor allem bei ungeplanten Kaiserschnitten. Die Frau leidet, weil sie sich die Geburt anders ausgemalt hatte. Ausserdem kann die Narbe neben Entzündungen und Blutergüssen auch Gefühlsstörungen bewirken. Und: Frauen könnten das veränderte Körperbild als störend empfinden.

Wichtig ist auch ein Augenmerk auf die Mutter-Kind-Bindung zu haben. Nach dem Kaiserschnitt können Kind und Mutter aber nicht so rasch auf Tuchfühlung gehen wie bei der natürlichen Geburt. Dies sollte darum unbedingt nachgeholt werden. Leider ist es auch möglich, dass Kinder längere Zeit nicht bei der Mutter verbringen können, sondern in der sogenannten Neonatologie versorgt werden müssen, wo sie beatmet werden und ihr Herz stetig überprüft wird. Ursache dafür sind Atemprobleme, die häufig bei Kaiserschnitt-Kindern auftreten. Schnittverletzungen treten indes sehr wenig auf; und dann eher bei ungeplanten Kaiserschnitten.

Und wie ist das bei einer erneuten Schwangerschaft?

Bei erneuten Schwangerschaften birgt eine Geburt ein höheres Risiko. Zum Beispiel kommt es häufiger zu einem Gebärmutterriss oder vor dem Muttermund liegende oder eingewachsene Plazenta. Aber keine Sorge: Auch nach einem Kaiserschnitt ist es möglich, das zweite oder dritte Kind per vaginaler Entbindung auf die Welt zu bringen. Ist jedoch der Zeitabstand zwischen den Schwangerschaften gering, wird mit höchster Wahrscheinlichkeit erneut ein Kaiserschnitt vollzogen.

Risiken und Komplikationen für Mutter und Kind

Schwere Komplikationen treten bei einem Kaiserschnitt äusserst selten auf. Bei schwierigen Situationen und Verwachsungen können laut Schweizerischer Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG) benachbarte Organe (Blase, Harnleiter, Darm) während des Eingriffs verletzt werden. Nach dem Eingriff kann es zu Entzündungen und Wundheilungsstörungen kommen und es können sich Blutgerinnsel (Thrombosen) bilden. Da es nötig ist, während des Eingriffs die Blase über einen Katheter zu leeren, kann es zu Entzündungen der Blase kommen. All diese Symptome lassen sich aber in den Tagen nach dem Eingriff problemlos behandeln.

Der geplante Kaiserschnitt ist für das Kind laut SGGG eine sichere Entbindungsmethode. Das Risiko von Schädigungen des Kindes ist kleiner als bei einer Geburt auf natürlichem Wege. Selten kann ein Kind durch ein chirurgisches Instrument oder sterile Tücher verletzt werden. Allerdings kommen beim Kaiserschnitt häufiger Atmungsprobleme vor, weshalb das Kind gelegentlich im Brutschrank behandelt und eventuell sogar beatmet werden muss. Bei der natürlichen Geburt wird das Fruchtwasser aus den Lungen gepresst, was beim Kaiserschnitt ohne Wehen nicht geht.

Was zahlt die Versicherung?

Die Kosten für einen Kaiserschnitt zahlt die Grundversicherung. Ohne medizinischen Grund kann die Krankenversicherung es ablehnen, allfällige Mehrkosten gegenüber der natürlichen Geburt zu bezahlen.