Zum Inhalt
Schwangerschaft > Schwangerschaftsgesundheit

Eineiige Zwillinge oder zweieiige? Entstehung, Häufigkeit und Schwangerschaft

Zwei Herzschläge auf dem Ultraschallbild: Wenn du Zwillinge erwartest, drängen sich gleich mehrere Fragen auf. Sind es eineiige Zwillinge oder zweieiige? Wie kam es überhaupt dazu? Und was ändert sich jetzt an deiner Schwangerschaft?

Zwei Neugeborene liegen eng aneinandergekuschelt in einem Körbchen
Eineiige Zwillinge sind sich oft besonders nah. © studiomoment, iStock, Thinkstock

Wie entstehen Zwillinge?

Zwillinge entstehen auf zwei ganz verschiedenen Wegen. Eineiige Zwillinge gehen aus einer einzigen befruchteten Eizelle hervor. Sie teilt sich in den ersten Tagen nach der Befruchtung, und aus jeder Hälfte wächst ein Kind heran. Beide tragen dasselbe Erbgut, haben immer dasselbe Geschlecht und sehen sich meist zum Verwechseln ähnlich.

Wann sich die Eizelle teilt, entscheidet darüber, wie die beiden im Bauch untergebracht sind. Nach einer frühen Teilung hat jedes Kind seine eigene Plazenta. Teilt sie sich später, versorgt eine gemeinsame Plazenta beide Kinder, meist jedes in seiner eigenen Fruchtblase. Fachleute sprechen dann von monochorialen Zwillingen. Bis zu einem Drittel aller Zwillingsschwangerschaften sind monochorial.[4]

Zweieiige Zwillinge entstehen, wenn im selben Zyklus zwei Eizellen reif werden und jede von einer eigenen Samenzelle befruchtet wird. Genetisch sind sie sich so ähnlich wie andere Geschwister auch. Es können zwei Mädchen sein, zwei Buben oder ein Pärchen. Zweieiige Zwillinge haben fast immer je eine eigene Plazenta und eine eigene Fruchtblase.

Eineiig oder zweieiig: Was der Ultraschall zeigt

Dass zwei Kinder unterwegs sind, sieht die Frauenärztin oft schon bei einer frühen Ultraschalluntersuchung. Danach geht es um eine Frage, die sich nur in den ersten Schwangerschaftswochen sicher klären lässt: Hat jedes Kind seine eigene Plazenta, oder teilen sich die beiden eine? Das soll spätestens bis 13+6 bestimmt werden, also bis zum Ende der 14. Schwangerschaftswoche. Dabei zählt nicht nur, wie viele Plazenten zu sehen sind, denn zwei Plazenten können dicht beieinander liegen. Im frühen Befund ist oft von zwei Fruchthöhlen die Rede. Das heisst zunächst nur, dass jedes Kind in einer eigenen Fruchtblase liegt; über die Plazenten sagt es noch nichts. Aussagekräftiger ist deshalb die Trennwand zwischen den Fruchtblasen: Ist sie dick und läuft an der Plazenta keilförmig aus, hat jedes Kind seine eigene Plazenta, die Zwillinge sind dichorial. Teilen sie sich eine Plazenta, trennt sie höchstens eine dünne Wand; liegen sie auch in derselben Fruchtblase, fehlt sie ganz.[4]

Ob deine Zwillinge eineiig oder zweieiig sind, verrät der Ultraschall dagegen nur zum Teil. Zeigt er eine gemeinsame Plazenta, sind sie so gut wie immer eineiig. Sind es ein Mädchen und ein Bub, sind sie zweieiig. Hat jedes Kind seine eigene Plazenta, sind die beiden meistens zweieiig: Rund neun von zehn dichorialen Zwillingspaaren sind es.[4] Bei zwei Mädchen oder zwei Buben bleibt die Frage trotzdem offen, denn auch eineiige Zwillinge können getrennte Plazenten haben. Sicher klären lässt sie sich nur über einen Vergleich des Erbguts.

Für deine Schwangerschaft ist die Plazenta ohnehin wichtiger als die Frage nach der Eiigkeit. Nach ihr richtet sich, wie oft du zur Kontrolle gehst. Was bei den Untersuchungen sonst geprüft wird, liest du im Artikel über den Ultraschall in der Schwangerschaft.

Werden immer mehr Zwillinge geboren?

Im Vergleich zu 1970 ja, im Moment aber nicht. 1970 war in der Schweiz etwa jede 110. Geburt eine Zwillingsgeburt. 2016 war es jede 52., also gut doppelt so häufig. Seither sinkt der Anteil wieder: 2025 zählte die Statistik 1099 Zwillingsgeburten, das ist etwa jede 70. Geburt. Drillinge sind noch viel seltener, 2025 waren es 18 Geburten.[1]

Die Schwankungen gehen vor allem auf die zweieiigen Zwillinge zurück, denn eineiige Zwillinge kommen vergleichsweise gleichmässig häufig vor. Wie oft zweieiige Zwillinge geboren werden, hängt dagegen stark davon ab, wo und wann.[3] Eineiige Zwillinge sind auch die kleinere Gruppe.[4]

Ein wichtiger Grund dafür, dass zweieiige Zwillinge mal häufiger und mal seltener sind, ist das Alter der Mutter: Ältere Mütter bekommen häufiger zweieiige Zwillinge als jüngere. Auch die Veranlagung spielt mit: Mütter von zweieiigen Zwillingen haben öfter weibliche Verwandte mit zweieiigen Zwillingen als Mütter von eineiigen. Hat deine Schwester oder deine Mutter zweieiige Zwillinge, ist deine Chance also etwas höher. Einzelne Genveränderungen sind bekannt, erklären aber nur einen kleinen Teil davon. Etwas häufiger bekommen ausserdem grosse Frauen, Frauen mit starkem Übergewicht (BMI über 30) und Frauen, die schon Kinder geboren haben, zweieiige Zwillinge. Für Folsäure ist ein Zusammenhang dagegen nicht überzeugend belegt.[3]

Der zweite grosse Grund ist die Kinderwunschbehandlung, etwa mit Hormonen, die den Eisprung anregen, oder mit einer künstlichen Befruchtung. Nach einer künstlichen Befruchtung kommen heute viel seltener Mehrlinge zur Welt als noch vor wenigen Jahren: 2017 endeten in der Schweiz noch 15,9 Prozent der Geburten nach einer In-vitro-Fertilisation (IVF) mit Mehrlingen, 2024 waren es nur noch 2,2 Prozent.[2]

Was eine Zwillingsschwangerschaft für dich bedeutet

Eine Zwillingsschwangerschaft gilt als Risikoschwangerschaft. Das klingt beunruhigender, als es ist: Es heisst vor allem, dass du und deine Babys enger betreut werdet. Wie eng, hängt von der Plazenta ab. Bei zwei getrennten Plazenten folgen nach den Untersuchungen im ersten Drittel und um die 20. Woche Ultraschallkontrollen alle vier Wochen. Teilen sich die Zwillinge eine Plazenta, wird ab 16+0, also ab Beginn der 17. Schwangerschaftswoche, alle zwei Wochen nachgeschaut.[4]

Dein Körper leistet in diesen Monaten doppelte Arbeit. Beschwerden wie Rückenschmerzen, Atemnot oder Müdigkeit können stärker ausfallen, und gegen Ende brauchst du oft mehr Ruhe. Einen Mutterschaftsurlaub vor der Geburt gibt es in der Schweiz allerdings nicht. Der Anspruch auf Mutterschaftsentschädigung beginnt am Tag der Geburt und dauert 14 Wochen.[5] Du darfst in der Schwangerschaft jederzeit der Arbeit fernbleiben, Lohn bekommst du dafür aber nicht automatisch. Kannst du aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten und belegst das mit einem Arztzeugnis, läuft der Lohn wie bei einer Krankheit weiter, allerdings nur für eine begrenzte Zeit. Verbietet dir deine Ärztin eine gefährliche oder beschwerliche Arbeit und gibt es keine gleichwertige Ersatzarbeit, stehen dir 80 Prozent deines Lohns zu. Wie das genau geregelt ist, erklärt der Artikel Mutterschutz in der Schweiz.

Kommen deine Zwillinge zu früh und müssen direkt nach der Geburt länger als 14 Tage im Spital bleiben, hast du weiterhin Anspruch auf die Entschädigung. Sie verlängert sich um die Zeit im Spital, höchstens aber um 56 Tage. Voraussetzung ist, dass du nach dem Mutterschaftsurlaub wieder erwerbstätig bist.[5]

Was Zwillinge im Bauch schon miteinander tun

Zwillinge im Bauch stossen nicht nur zufällig aneinander. In einer kleinen Studie wurden fünf Zwillingspaare in der 14. und in der 18. Schwangerschaftswoche mit 4D-Ultraschall gefilmt. Schon in der 14. Woche streckten die Ungeborenen die Hände gezielt nach dem Geschwister aus, und bis zur 18. Woche galten 29 Prozent aller beobachteten Bewegungen dem Zwilling. Die Bewegungen zum Zwilling waren langsamer und behutsamer als jene zur Gebärmutterwand und glichen den Griffen an die eigenen Augen, die empfindlichste Stelle des Körpers.[6]

Fünf Paare sind eine sehr kleine Zahl, und was die Kinder dabei empfinden, weiss niemand. Dass sich deine beiden schon lange vor der Geburt berühren, ist aber ein schöner Gedanke für die Wochen, in denen dein Bauch immer schwerer wird.

Welche Risiken es bei Zwillingen gibt

Das grösste Risiko ist eine Frühgeburt. Mehr als die Hälfte aller Zwillinge kommt zu früh zur Welt, also bevor 37 Schwangerschaftswochen vollendet sind.[4]

Manchmal ist bei einer Kontrolle im ersten Schwangerschaftsdrittel nur noch ein Embryo zu sehen, obwohl anfangs zwei da waren. Fachleute nennen das «Vanishing Twin».

Teilen sich die Zwillinge eine Plazenta, kommt eine besondere Gefahr dazu. Über Blutgefässe in der Plazenta kann ein Kind zu viel Blut bekommen und das andere zu wenig. Dieses feto-fetale Transfusionssyndrom (FFTS) betrifft 10 bis 15 Prozent der monochorialen Zwillingsschwangerschaften. Unbehandelt führt es in bis zu 90 Prozent der Fälle zum Tod der Ungeborenen. Deshalb sind die Kontrollen alle zwei Wochen so wichtig: Früh erkannt, lässt sich das FFTS mit einer Laserbehandlung an der Plazenta behandeln. Danach überleben in 60 bis 70 Prozent der Fälle beide Kinder und in 80 bis 90 Prozent mindestens eines.[4]

Auch für dich selbst steigen in einer Zwillingsschwangerschaft einige Risiken, etwa für Bluthochdruck und Präeklampsie. Mehr dazu und zu weiteren Komplikationen findest du im Artikel Risiken und Komplikationen bei der Mehrlingsschwangerschaft.

Kaiserschnitt oder natürliche Geburt?

Zwillinge müssen nicht per Kaiserschnitt zur Welt kommen. Verläuft die Schwangerschaft ohne Komplikationen, sind die beiden etwa gleich weit entwickelt, kommen sie nach 32 vollendeten Wochen zur Welt und liegt der erste Zwilling mit dem Kopf nach unten, ist eine natürliche Geburt nach heutigem Wissen eine gleichwertige Möglichkeit. Ob die beiden eine gemeinsame Plazenta haben, spielt dafür keine Rolle. Für die Kinder machte es in einer grossen Folgeauswertung auch keinen wesentlichen Unterschied, ob der zweite Zwilling mit dem Kopf voran lag oder nicht. Anders ist es, wenn sich die Zwillinge auch die Fruchtblase teilen: Dann ist ein Kaiserschnitt vorgesehen.[4]

Wie eine Zwillingsgeburt abläuft, erfährst du im Artikel Wie die Geburt von Zwillingen oder Mehrlingen abläuft. Und wie du dich mit Geburtsvorbereitungskurs, Anschaffungen und Hilfe im Alltag auf zwei Babys einstellst, zeigen die Tipps für Eltern, die Zwillinge erwarten.

Quellen

  1. Bundesamt für Statistik (BFS): Einzelgeburten und Mehrlingsgeburten, 1969–2025 (Tabelle su-d-01.04.01.01.07). bfs.admin.ch (abgerufen am 28.09.2026)
  2. Bundesamt für Statistik (BFS): Medizinisch unterstützte Fortpflanzung, Datenstand 16.04.2026. bfs.admin.ch (abgerufen am 28.09.2026)
  3. Hoekstra C et al.: Dizygotic twinning. Human Reproduction Update 2008;14(1):37–47. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov (abgerufen am 28.09.2026)
  4. DGGG und DEGUM unter Beteiligung von SGGG und SGUM: S2e-Leitlinie Überwachung und Betreuung von Zwillingsschwangerschaften, AWMF-Register 015-087, Version 1.0, 2020 (in Überarbeitung). register.awmf.org (abgerufen am 28.09.2026)
  5. Informationsstelle AHV/IV: Merkblatt 6.02 Mutterschaftsentschädigung, Stand 1. Januar 2025. ahv-iv.ch (abgerufen am 28.09.2026)
  6. Castiello U et al.: Wired to be social: the ontogeny of human interaction. PLoS ONE 2010;5(10):e13199. pmc.ncbi.nlm.nih.gov (abgerufen am 28.09.2026)

0 Kommentare

?

Meistgelesene Artikel

Anmelden oder Registrieren

Melde dich kostenlos an und diskutiere mit anderen Eltern und speichere deine Artikel.
Anmelden Registrieren

Speichere deine Artikel

Logge dich ein oder erstelle einen Account und du kannst deine Artikel für später speichern.
Anmelden Registrieren