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Rent a Rentner: Wenn Pensionierte sich stundenweise mieten lassen

Keine Zeit, den Hund zu hüten oder im Garten zu arbeiten? Dann miete dir doch einen Rentner. Auf rentarentner.ch bieten Pensionierte aus der ganzen Schweiz ihr Können und ihre Erfahrung an. Familienleben hat mit Miet-Seniorin Denise Lambossy über liebenswerte Leihhunde und penible Gartenbesitzer gesprochen.

Rent a Rentner: Denise Lambossy hütet Hunde, Katzen und als Gesellschafterin
Rent a Rentner: Denise Lambossy ist von ihrer Tätigkeit als Miet-Rentnerin begeistert: «Man kann ein bisschen von all dem einsetzen, was man während des Lebens gelernt hat.»

Denise Lambossys Agenda war gut gefüllt, als wir sie 2013 zum Gespräch trafen: Dogsitting, Briefkasten leeren, Blumen giessen, eine Dame zum Arzt begleiten und ein Haus entrümpeln. Seit 2009 war die ehemalige Mitarbeiterin der South African Airways aus Winkel bei Zürich bei Rent a Rentner dabei, einer Internet-Plattform für Seniorinnen und Senioren. Für sie waren die vielfältigen Mini-Jobs nicht nur ein guter Nebenerwerb, sondern brachten ihr auch Freude und nette Kontakte.

Das folgende Interview führte Familienleben 2013. Es gibt Denise Lambossys Situation von damals wieder – wie es ihr heute geht, wissen wir nicht. Die Angaben zur Plattform selbst haben wir 2026 aktualisiert; sie stehen weiter unten im Abschnitt zu Kosten und Ablauf.

Wie Denise Lambossy zur Miet-Rentnerin wurde

Wie sind Sie dazu gekommen, bei Rent a Rentner mitzumachen?

Denise Lambossy: Im Frühjahr 2009 wurde ich pensioniert. Natürlich macht man sich dann Gedanken. Was kommt danach? Falle ich in ein Loch? Dann fand ich in der Post eine Reklame von Rent a Rentner. Das war genau das, was ich wollte: Hundesitting, Katzensitting, Menschen begleiten oder den Garten pflegen. Ich erstellte auf der Internet-Plattform ein Profil und meldete mich für viele Aktivitäten.

Und dann haben sich die ersten Kunden bei Ihnen gemeldet?

Rent a Rentner war zu dieser Zeit oft in der Presse vertreten. Die erste Kundin hat mich im Tages Anzeiger gesehen und gleich angerufen. Ich sollte für sie kochen, sie zum Arzt begleiten und einkaufen gehen. Sie ist gleich zu einer Stammkundin geworden und dann auch zu einer Freundin.

Hunde hüten, Menschen begleiten: der Alltag als Miet-Rentnerin

Was macht Ihnen an der Arbeit als Miet-Rentnerin besonders Spass?

Die Arbeit mit Hunden. Ich habe selbst jahrelang Hunde gehalten. Gerade hüte ich eine Hündin namens Dalmina. Sie freut sich immer riesig, wenn sie kommen darf und bei ihr zu Hause gehöre ich auch schon zur Familie. Wenn ich einen Hund hüte, stelle ich meinen ganzen Tagesablauf auf ihn ein.

Haben Sie manchmal auch mehrere Jobs gleichzeitig?

Beim Dogsitting mache ich das nicht. Es ist zwar schön, wenn ich zur Rente einen Nebenverdienst habe, aber wichtiger ist das Wohl der Hunde. Ich betreue also nur einen gleichzeitig. Mir ist es auch wichtig, die Kunden fair zu behandeln. Meistens sind sie berufstätig und wollen den Hund nicht den ganzen Tag alleine lassen.

Sie arbeiten auch als Gesellschafterin. Was machen Sie da?

Ich fahre zum Beispiel zu einer 90-jährigen Dame, mit der ich mich sehr gut unterhalten kann. Wir räumen das Haus auf, gehen zum Arzt und machen den Haushalt. Wichtig ist es, auf der gleichen Augenhöhe und möglichst natürlich zu sein.

Sie kommen also ähnlich wie eine Freundin ins Haus. Fühlt es sich nicht merkwürdig an, dafür bezahlt zu werden?

Die Leute, die mich engagieren, die wollen etwas bezahlen. Sie finden Rent a Rentner ideal, weil die Hemmschwelle niedriger ist, jemanden um Hilfe zu fragen. Wenn sie mich nicht mehr brauchen, können wir das Arbeitsverhältnis leichter auflösen. Denn wenn ich das nur auf der privaten und freiwilligen Basis machen würde, wäre es komplizierter: Wie kann ich es einer Person sagen, dass ich eigentlich jetzt nicht mehr kommen möchte, ohne sie zu verletzen?

Welche Eigenschaften braucht ein Miet-Rentner?

Zuverlässigkeit und soziales Feingefühl. Man kann ein bisschen von all dem einsetzen, was man während des Lebens gelernt hat. Ich schätze das Zwischenmenschliche sehr. Es widerstrebt mir auch Aufträge abzusagen: Wenn ich einen Auftrag bei Rent a Rentner habe, dann halte ich mich auch an die Abmachungen. Ich kann mir aber meine Arbeitszeiten frei einteilen und das ist es, was mir besonders gefällt.

Rent a Rentner: Denise Lambossy und Hündin Dalmina
Hündin Dalmina war eine von Denise Lambossys ersten «Kundinnen».

Vertrauen, Bewertungen und ein Streit über Unkraut

In Ihrem Profil auf Rent a Rentner stehen auch Tätigkeiten wie Briefkasten leeren, Blumengiessen oder Haus hüten. Sind das nicht Tätigkeiten, die man eher an Freunde, Verwandte oder Nachbarn delegiert?

Die Menschen, die mich beauftragen, haben solche Helfer manchmal nicht mehr. Sie wollen ausserdem jemanden, auf den sie zählen können. Freiwillige Helfer lassen die Pflanzen vielleicht vertrocknen oder überwässern alles.

Die Kunden müssen Ihnen ja sehr vertrauen.

Das beste Kompliment ist immer, wenn sie sagen: «Genauso hätte ich das auch gemacht.» Ich sage generell keinen Kunden zu, die ich noch nicht kennen gelernt habe. Wir müssen ein Vertrauensverhältnis aufbauen.

Was war der merkwürdigste Auftrag, den Sie je hatten?

Das war bei der Gartenarbeit. Ich mache die Dinge da gerne so, wie ich es auch in meinem Garten tun würde. Ich habe bei einer Frau den Schrebergarten gejätet. Wir konnten uns aber nicht darauf einigen, was Unkraut ist und was nicht. Danach hat sie mir sehr plötzlich gekündigt. Danach habe ich das Jäten in meinem Profil auf Rent a Rentner rausgenommen und bin zufrieden mit dieser Entscheidung.

Wie funktioniert die Homepage von Rent a Rentner?

Man kann sich kostenlos anmelden, die Tätigkeiten ankreuzen, die man machen möchte und Details über sich schreiben. Ich nutze die Ambassador-Mitgliedschaft, die pro Monat 14 Franken kostet. Dafür darf ich mehr Fotos einstellen und mehr Details über meinen Werdegang angeben. Auf der neuen Homepage kann man jetzt auch eine Grossmutter adoptieren. Das ist aber nichts für mich, da ich selbst keine Kinder habe.

Auf Rent a Rentner kann man die einzelnen Miet-Rentner bewerten. Wie finden Sie das?

Ich finde es nicht schlecht. Ich habe meine Kundin vom Dogsitting sogar gefragt, ob sie mich nicht mal bewertet. Am liebsten hat man natürlich positive Kritik. Um negative Kritik zu vermeiden, treffe ich die potentiellen Kunden ja auch vorab. Da spüre ich schon, ob man sich sympathisch ist. Eine viel bessere Werbung ist aber die Mund-zu-Mund-Propaganda.

Rent a Rentner 2026: Kosten, Mitgliedschaft und Ablauf

Die Plattform gibt es weiterhin. Gegründet wurde sie 2009 von Peter Hiltebrand, seiner Tochter Sarah Hiltebrand und deren Partner Reto Dürrenberger; betrieben wird rentarentner.ch heute von der Boomer AG.[1] Diese Punkte haben sich seit dem Gespräch mit Denise Lambossy geändert:

  • Mitgliedschaft für Pensionierte: Die Basis-Mitgliedschaft ist gratis und erlaubt zwei Tätigkeiten im Profil. «Premium» kostet 12 Franken pro Monat, «Ambassador» 25 Franken pro Monat und lässt unbeschränkt viele Tätigkeiten zu.[1] Denise Lambossys Angabe von 14 Franken stammt aus dem Jahr 2013.
  • Was ein Einsatz kostet: Die Plattform nennt als übliche Spanne 25 bis 50 Franken pro Stunde – je nach Leistung und Einsatzzeit. Vereinbart und bezahlt wird direkt zwischen den Beteiligten, in der Regel bar oder per Twint.[1]
  • Für Suchende ist die Plattform kostenlos, ebenso die App «RentnerFinder». Registrieren muss man sich als Suchende nicht: Man sucht jemanden, nimmt Kontakt auf und bucht. Wer nichts Passendes findet, kann auf dem Marktplatz ein Inserat aufgeben, auf das sich Mitglieder melden.[1]
  • Aus der «Adoption» ist ein eigenes Angebot geworden: Neben Rent a Rentner betreibt das Unternehmen unter anderem «Hire a Rentner» für längerfristige Einsätze und die Kontaktplattform Date a Rentner.[1]

Eine aktuelle Mitgliederzahl veröffentlicht der Betreiber auf seiner Website nicht. 2013 waren es nach Angaben der Plattform 1763 Mitglieder.

Verschwunden ist auch der Werbespruch, der Rent a Rentner in den Anfangsjahren bekannt gemacht hat. Mitgründerin Sarah Hiltebrand erklärte 2013 im Fachmagazin «persoenlich.com», die freche Tonalität rund um «alte Säcke» und «alte Schachteln» sei bewusst gewählt worden: Man wolle sich von einer Haltung «Ach, jetzt bin ich alt, was mach ich bloss» abgrenzen und jene ansprechen, die selbstbewusst sagen: «Klar, wir sind alt – aber noch topfit!» In einer Mitgliederbefragung fanden damals rund 70 Prozent die Tonalität gut bis sehr gut, 20 Prozent konnten damit leben, 10 Prozent störten sich daran.[2] Auf der heutigen Website taucht der Spruch nicht mehr auf; das Unternehmen spricht dort von Wertschätzung und vom Austausch zwischen den Generationen.[1]

AHV, Steuern und Versicherung: Was du beim Dazuverdienen beachten musst

Wer nach der Pensionierung stundenweise arbeitet, bleibt beitragspflichtig – aber nicht auf dem ganzen Verdienst. Diese Regeln solltest du kennen, bevor du dich anmeldest oder deinen Eltern dazu rätst:

  • Freibetrag von 16 800 Franken pro Jahr: Wer das Referenzalter erreicht hat und weiterarbeitet, zahlt auf den ersten 16 800 Franken Erwerbseinkommen pro Jahr keine Beiträge an AHV, IV und EO. Beiträge fallen nur auf dem Teil an, der darüber liegt.[3]
  • Dauert die Tätigkeit nicht das ganze Jahr, wird der Freibetrag anteilmässig berechnet: 1400 Franken pro angefangenem Kalendermonat.[3]
  • Bei mehreren Auftraggebern gilt der Freibetrag für jedes Arbeitsverhältnis separat. Auch wer gleichzeitig selbstständig und angestellt arbeitet, hat für beide Tätigkeiten Anspruch darauf.[3]
  • Der Freibetrag ist freiwillig: Du kannst darauf verzichten und auf dem gesamten Einkommen Beiträge zahlen. Das kann sich lohnen, weil sich damit Beitragslücken schliessen lassen und die Altersrente unter Umständen neu berechnet wird. Der Entscheid gilt pro Arbeitgeber und Kalenderjahr und muss rechtzeitig gemeldet werden.[3]
  • Keine ALV-Beiträge mehr: Ab dem Referenzalter entfallen die Beiträge an die Arbeitslosenversicherung.[3]
  • Für Selbstständigerwerbende gilt derselbe Freibetrag von 16 800 Franken im Jahr.[4]

Versicherung ist Sache der Rentnerin oder des Rentners. Rent a Rentner vermittelt nur und versichert die Einsätze ausdrücklich nicht – weder Unfall noch Haftpflicht. Auch für Steuern und Sozialabgaben sind die Mitglieder selbst zuständig.[1] Ob ein Einsatz sozialversicherungsrechtlich als unselbstständige oder als selbstständige Tätigkeit gilt, wer also abrechnen muss, hängt vom Einzelfall ab. Kläre das vor dem ersten Auftrag mit deiner kantonalen Ausgleichskasse ab – sie erteilt dazu verbindlich Auskunft.[3] Was seit der AHV-Reform sonst noch gilt, etwa beim Referenzalter und beim flexiblen Rentenbezug, haben wir in unserem Überblick zu AHV 21 zusammengefasst.

Mehr dazu, wie sich der Übergang in den Ruhestand gestalten lässt, liest du in unseren Tipps für den Start in die Pensionierung. Und warum eine Aufgabe im Alter mehr ist als ein Zeitvertreib, zeigt unser Beitrag über die fünf Lebensaufgaben im Alter.

Rent a Rentner kurz erklärt

Die Plattform rentarentner.ch gibt es in der Schweiz seit 2009. Pensionierte bieten dort Dienstleistungen in ganz unterschiedlichen Bereichen an: Büro, Garten, Fahrdienst, Kinder-, Tier- und Haushüten, Pflege oder Sport. Privatpersonen suchen sich auf der Plattform jemanden in ihrer Nähe und fragen direkt an. Die Grundfunktionen sind für beide Seiten kostenlos; für Anbietende gibt es zusätzlich kostenpflichtige Mitgliedschaften.[1]

Text und Bilder: Michèle Graf. Interview 2013; Angaben zur Plattform, zu Kosten und zur AHV im August 2026 aktualisiert.

Quellen

  1. Rent a Rentner (Boomer AG): FAQ, Mitgliedschaften, Über uns und Startseite. Abgerufen am 6. August 2026.
  2. persoenlich.com: «…eine alte Schachtel für diverse Näharbeiten.» Interview mit Mitgründerin Sarah Hiltebrand, 15. Mai 2013. Abgerufen am 6. August 2026.
  3. Informationsstelle AHV/IV: Merkblatt 2.01 – Lohnbeiträge an die AHV, die IV und die EO, Stand am 1. Januar 2026, Ziffern 14 bis 17. Abgerufen am 6. August 2026.
  4. Informationsstelle AHV/IV: Merkblatt 2.02 – Beiträge der Selbstständigerwerbenden an die AHV, die IV und die EO, Stand am 1. Januar 2026. Abgerufen am 6. August 2026.

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