Fit für das Alter: Die fünf Lebensaufgaben ernst nehmen

Wie gestalte ich meine Zeit nach der Pensionierung? Werde ich Hilfe annehmen können, wenn ich alt und krank bin? Im Alter tauchen viele neue Herausforderungen auf. Wie Sie fit für das Alter werden und welche Rolle die fünf Lebensaufgaben dabei spielen, erklärt die Individualpsychologische Beraterin und Fachfrau für Gerontologie Mar Wieland.

Kinder halten im Alter fit.

Kinder halten bekanntlich im Alter fit. Foto: iStockphoto, Thinkstock

In welcher Lebensphase stehen Sie derzeit? Welche Themen beschäftigen, bedrücken oder beflügeln Sie im Moment? Welche Herausforderungen werden Sie gut meistern? Mit welchen werden Sie Mühe haben? Was möchten Sie anpacken?

Spätestens im hohen Alter kommt man um gewisse Themen nicht mehr herum. Man kann sich ihnen stellen oder versuchen sie zu verdrängen. Letzteres kann ein sehr schmerzlicher Weg bedeuten, gerade auch für die Angehörigen. Hier finden Sie eine gerontologische Bündelung von Themen, Fragen, Sorgen und Freuden in den verschiedenen Lebensphasen. Selbstverständlich können viele Herausforderungen – wie zum Beispiel der Verlust von nahe stehenden Menschen – schon viel früher auftreten, je nach persönlicher Lebensgeschichte.

Aktives Alter (ca. 60 bis 75 Jahre)

  • Neupensionierung
  • Die Zeit, in der alles möglich ist
  • Neues Lebensgefühl
  • Zeit für Neues: Hobbys, Freiwilligenarbeit, Vereinstätigkeiten, Reisen, Weiterbildung
  • Suchen und Finden des eigenen Lebensrhythmus
  • Die langen Ferien
  • Neues entdecken
  • Mit gesundheitlichen Problemen fertig werden
  • Fehlende Wertschätzung, Gefühle von Verlust, Nutzlosigkeit und Minderwertigkeit
  • Wie wohnen im Alter?
  • Das Unwichtige lassen
  • Erfahrungen und Auseinandersetzung mit Alter, Krankheit und Tod

Hohes Alter (ab ca. 75 Jahre)

  • Das eigene Ende kommt näher
  • Verlust von nahe stehenden Personen, Trauerarbeit
  • Spitex, Altersheim, Pflegeheim
  • Die eigene Hinfälligkeit akzeptieren, Vergänglichkeit erleben
  • Beeinträchtigung der Sinneswahrnehmungen, der Hirnleistungen
  • Abschiedlich leben lernen
  • Einsamkeit
  • Hilfe annehmen können
  • Ja sagen zur Abhängigkeit
  • Aufräumen, Abschliessen, Abschiednehmen
  • Mit sich ins Reine kommen
  • Sich lösen von der Welt

Die Lebensaufgaben – Herausforderungen ein Leben lang

Der Tiefenpsychologe Alfred Adler sah in den drei Lebensaufgaben «Arbeit, Gemeinschaft und Liebe» Herausforderungen, denen sich jeder Einzelne in der menschlichen Gemeinschaft zu stellen hat. Kein Weg führt daran vorbei.

Die drei Lebensaufgaben aus Individualpsychologischer Sicht

Unter Liebe sind die intimsten Beziehungen zu verstehen, unter Gemeinschaft alle Beziehungen ausserhalb der intimsten Beziehungen und unter Arbeit alles, was einen Beitrag darstellt, also nicht ausschliesslich sich selbst dient.

Die Arbeit

Wir üben alle im Verlaufe des Lebens einen oder mehrere Berufe aus. Schon als Kind ist Schüler sein unsere erste «berufliche Tätigkeit». Fällt der Beruf im Alter nach der Pensionierung weg, so stellt sich trotzdem die Frage der Arbeit. Was immer bleibt, ist die Arbeit im Haushalt, die Freiwilligenarbeit im Quartier oder im Verein.

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Die Gemeinschaft

Ganz gewiss bleibt die Gemeinschaft eine der wichtigsten Lebensaufgaben im Alter. Rudolf Dreikurs, ein Schüler Adlers schrieb folgendes: «Wer sich selbst als Teil der menschlichen Gemeinschaft empfindet, wird keine Schwierigkeit haben, jeden seiner Nebenmenschen als wesentlichen Teil der Gemeinschaft anzusehen zu der er selbst gehört.»  Das Eingebundensein in ein soziales Netz, in welchem Geben und Nehmen in einem natürlichen Fluss sind, ist die beste Prophylaxe um im Alter nicht in Einsamkeit zu geraten. Freunde, Nachbarn, Familienangehörige, Verwandte, nahe Kollegen aus früheren Zeiten, aber auch der Metzger, die Bibliothekarin, der Coiffeur und die Ärztin gehören dazu.

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