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Eizellen und Sperma einfrieren: Wie man den Kinderwunsch aufschieben kann

Sie wollen ein Baby... aber nicht jetzt! Dank der Kryokonservierung haben Frauen und Männer die Chance, zu einem späteren Zeitpunkt auf fruchtbare Eizellen und Spermien zurückzugreifen. Indem Eizellen oder Sperma eingefroren wird, kann man das Ticken der biologischen Uhr ausschalten und dann schwanger werden, wenn es passt. Was Sie über das Verfahren wissen müssen. 

Bei der Kryokonservierung werden Eizellen oder Spermien eingefroren.

Bei der Kryokonservierung werden Eizellen oder Spermien eingefroren. Foto: OlenaPavlovich, iStock, Thinkstock

Einige greifen aus gesundheitlichen Gründen zur Methode, andere weil der Zeitpunkt einfach nicht passt: Bei der Kryokonservierung werden eigene Eizellen oder Spermien eingefroren – so lange, bis der Wunsch nach einem Kind da ist. Während das Verfahren bei schweren Erkrankungen den Kinderwunsch am Leben erhält, ist das Einfrieren aus sozialen Gründen eher umstritten.

Das Einfrieren aus sozialen Gründen hat sogar einen Namen: Man bezeichnet dies auch als «social freezing». 

Auf das Kind selbst hat die Behandlung übrigens keinen Einfluss. Kinder, die aus kryokonservierten Zellen entstehen, sind nach heutigem Wissensstand ebenso gesund wie normal gezeugte Kinder. Mögliche Folgen sind noch keine bekannt.

Die Kryokonservierung: Einfrieren bei -196 Grad

❄️ Bei der Kryokonservierung werden die Gewebebestandteile mit flüssigem Stickstoff auf -196 Grad Celsius eingefroren. Die Zellen der Frau und das Sperma des Mannes sind so unbegrenzt haltbar. 

! Achtung: Sperma und Zellen dürfen in der Schweiz bisher nur maximal fünf Jahre tiefgefroren werden. Ausnahmen gelten für schwer erkrankte Menschen, beispielsweise Krebspatienten. In diesem Fall dürfen die Zellen vor  einer Strahlentherapie auch für längere Zeit kryokonserviert werden. 

Genug gesunde Eizellen: Hormonbehandlung nötig

Sollte sich eine Frau dazu entschliessen, ihre Eizellen einfrieren zu lassen, wird sie deshalb zunächst einer Hormonbehandlung unterzogen. Denn normalerweise produziert eine Frau pro Zyklus ein Ei. Für das Einfrieren und die künstliche Befruchtung lohnt sich das allerdings noch nicht, denn nicht alle Eizellen überstehen das Auftauen unbeschadet und nicht immer klappt eine In-vitro-Fertilisation beim ersten Versuch. Durch die hormonelle Stimulation werden ihre Eierstöcke dazu angeregt, mehrere Eier zu produzieren. Die frischen Eizellen werden dann unter Narkose operativ entfernt.

Die dabei «geernteten» Eizellen werden nun in Stickstoff schockgefrostet, die sogenannte Kryokonservierung. Theoretisch sind sie so lange haltbar, bis sie wieder aufgetaut werden. Haben die kryokonservierten Eizellen das Auftauen ohne Schaden überstanden, können sie im Reagenzglas befruchtet und der Frau eingesetzt werden. In dem Fall spricht man von einem Kryotransfer. Wenn es dank der künstlichen Befruchtung dann auch mit einer Schwangerschaft klappt, kann das Wunschkind tatsächlich zum Wunschtermin kommen.

Embryos dürfen nicht eingefroren werden

Bei einer Kinderwunschbehandlung dürfen nur zwei, maximal drei im Labor erzeugte Embryonen eingesetzt werden. Die übrigen Eizellen werden mit Zustimmung beider Partner noch vor dem Embryostadium tiefgefroren. Früher war es nur möglich, befruchtete Eizellen einfrieren zu lassen. Nach dem ersten Kontakt von Eizelle und Samen wird der Prozess durch Tiefgefrieren unterbrochen. Dieses Vorkernstadium ist noch kein Embryo. Das Einfrieren von Embryos ist untersagt. Für unbefruchtete Eizellen war die Kryokonservierung bisher nicht möglich, inzwischen werden sie mittels Vitrifizierung, die zu einer Art Verglasung führt, ebenfalls schnell heruntergekühlt und in flüssigem Stickstoff eingelagert.

Das kostet die Kryokonservierung

Die Kosten für eine Kryokonservierung werden nicht von den Krankenkassen übernommen und belaufen sich auf mehrere tausend Franken. Die Voruntersuchung kostet pro Partner einige hundert Franken. Die jährliche Einlagerung schlägt je nach Institut mit rund 200 Franken und mehr zu Buche. Dazu kommt das spätere Einsetzen des Embryos; geht die Befruchtung der Eizelle dem Einsetzen voraus, wird es noch teurer. Nicht nur im Falle einer Kinderwunschbehandlung belaufen sich die Gesamtkosten auf mindestens 4'000 bis CHF 5'000 Franken.

Ganz aufhalten kann man die biologische Uhr nicht

Auch diese Behandlung hat ein Enddatum: Die Eizellen der Frau werden je nach Anbieter bis zur Vollendung des 45. Lebensjahres eingefroren, manches Institut gewährt Ausnahmen: «Wenn eine gesunde Frau allerdings auch mit 46 noch regelmässige Zyklen hat, so könnte sie auch dann noch spontan schwanger werden und natürlich bei Nichteintreten einer Schwangerschaft (also: ungewollt kinderlos) auf die Befruchtung der eingelagerten Eizellen zurückgreifen», argumentiert. Nicolas Zech, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe in Bregenz und Gründer der Ovita Zentren für Eizellvorsorge. Zu beachten ist allerdings, dass die Fruchtbarkeit der Zellen mit dem Gefrierprozess etwas abnimmt. Es sollten daher ausreichend Zellen eingefroren werden.

Weitere Informationen zur Kryokonservierung

  • Das Inselspital Bern erklärt, was laut Fortpflanzungsmedizingesetz erlaubt ist: www.frauenheilkunde.insel.ch
  • Das Betroffenen Netzwerk Kinderwunsch informiert über verschiedenen Behandlungsmethoden der Kinderwunschmedizin www.kinderwunsch.ch
  • Das Unispital Zürich erklärt die Krykonservierung befruchteter Eizellen im Vorkernstadium: www.repro-endo.usz.ch