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Unerfüllter Kinderwunsch? Das bringt eine Hormontherapie – und das zahlt die Kasse

Hormonelle Störungen können der Grund sein, wenn es mit dem Wunschkind nicht klappt. Eine Hormontherapie kann helfen. Wie sie abläuft, welche Nebenwirkungen möglich sind, was die Grundversicherung übernimmt – und was sie ausdrücklich nicht zahlt.

Bei der Hormontherapie gibt es Hormone unter anderem als Tabletten.
Zu einer Hormontherapie gehören meist Tabletten und Spritzen. Foto: Jack Hollingsworth, Photodisc, Thinkstock

Ohne Hormone geht es nicht: Geschlechtshormone sind dafür verantwortlich, dass es zum Eisprung kommt, dass Follikel reifen oder dass sich eine befruchtete Eizelle in der Gebärmutter einnisten kann. Ist dieses Hormongleichgewicht gestört, kann das der Grund dafür sein, dass du nicht schwanger wirst. Mit einer Hormontherapie soll zum einen der Zyklus stabilisiert werden. Sie kann Frauen helfen, die zum Beispiel einen unregelmässigen Zyklus haben oder keinen Eisprung, aber auch bei einer Gelbkörperschwäche oder dem PCO-Syndrom. Zum anderen sollen die Eierstöcke angeregt werden, Eizellen zu produzieren, und ein Eisprung soll ausgelöst werden. Das lässt sich nutzen, um entweder auf natürlichem Weg oder im Rahmen einer künstlichen Befruchtung schwanger zu werden.

Nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation gilt ein Paar als infertil, wenn nach mindestens zwölf Monaten ohne Verhütung keine Schwangerschaft eintritt; in Europa betrifft das etwa 8 bis 15 Prozent der Paare [1]. Häufig liegen mehrere Ursachen gleichzeitig vor – deshalb werden immer beide Partner abgeklärt [1]. Das Universitätsspital Zürich empfiehlt, spätestens nach zwölf Monaten ohne Schwangerschaft eine Kinderwunsch-Sprechstunde aufzusuchen, ab 35 Jahren früher [2]. Wie eine Kinderwunsch-Abklärung in der Schweiz Schritt für Schritt abläuft, steht in einem eigenen Beitrag.

So funktioniert die Hormonbehandlung

In der Regel wird am dritten Tag der Menstruation mit der Hormontherapie begonnen. In der ersten Hälfte des Zyklus soll die Follikelreifung unterstützt werden. Dies geschieht entweder mit dem Wirkstoff Clomifen, der in Tablettenform eingenommen wird, oder durch FSH (follikelstimulierendes Hormon) und HMG (humanes Menopausengonadotropin), das du dir selbst spritzen kannst. Während der Behandlung wird der Verlauf mit Bluttests und Ultraschalluntersuchungen überprüft – das sogenannte Zyklusmonitoring. So lässt sich feststellen, wann der Zeitpunkt des Eisprungs gekommen ist. Je nach Art der Probleme kann der Eisprung abgewartet werden, oder es wird das den Eisprung auslösende Schwangerschaftshormon HCG (humanes Choriongonadotropin) gespritzt. Nach dem Eisprung kann auch die Gelbkörperphase vorsorglich durch Hormongabe unterstützt werden. Dies geschieht hauptsächlich durch Progesteron und soll eine Einnistungsstörung verhindern.

Wichtig zu wissen: Das Ziel einer von der Grundversicherung gedeckten Stimulation ist ausdrücklich, dass ein einziges Eibläschen heranreift – die sogenannte monofollikuläre Stimulation [3]. Es geht also nicht darum, möglichst viele Eizellen zu gewinnen.

Nebenwirkungen der Hormontherapie

Eine Hormonbehandlung ist nicht ohne Risiken. Das gesundheitlich gefährlichste ist eine Überstimulation der Eierstöcke, das ovarielle Überstimulationssyndrom. Dabei verschieben sich Gewebswasser und Blutsalze in Körperhöhlen; betroffen sind vor allem Frauen, bei denen nach einer Stimulationsbehandlung sehr viele Eibläschen herangereift sind [2]. Meist verläuft eine Überstimulation eher leicht und lässt sich ambulant mit Blutanalysen und Ultraschallmessungen kontrollieren. In wenigen Fällen – weniger als einem von hundert – ist der Verlauf schwerer: Dann treten Unterleibsschmerzen, Übelkeit und Erbrechen auf, und gelegentlich ist ein Spitalaufenthalt nötig [2]. Im schlimmsten Fall kann eine Überstimulation lebensgefährlich werden.

Wann du nicht bis zum nächsten Termin wartest

Melde dich sofort in deinem Behandlungszentrum oder bei deiner Ärztin beziehungsweise deinem Arzt, wenn während oder nach einer Stimulation starke Unterleibsschmerzen, ein praller, gespannter Bauch, Übelkeit oder Erbrechen auftreten [2]. Warte damit nicht bis zum nächsten Kontrolltermin.

Die gute Nachricht: Moderne Behandlungsprotokolle senken das Risiko einer Überstimulation heute auf nahezu null [2]. Und falls doch eine Komplikation auftritt, bist du finanziell abgesichert – die Behandlung von Komplikationen einer Sterilitätsbehandlung ist eine Pflichtleistung der Grundversicherung, unabhängig davon, ob die auslösende Behandlung selbst eine war [3].

Mehrlingsschwangerschaften können eine weitere Folge einer Hormontherapie sein. Durch die Hormonpräparate kann es dazu kommen, dass zu viele Eizellen auf einmal reifen. Werden diese erfolgreich befruchtet, kommt es zu Zwillingen, Drillingen oder noch höheren Mehrlingsschwangerschaften. Das ist ausdrücklich kein Bonus: In der Reproduktionsmedizin gelten Mehrlingsschwangerschaften – auch Zwillinge – als Komplikation, weil sie zu Frühgeburtlichkeit und zu Behinderungen bei den Kindern führen können und auch für die Mutter ein erhöhtes gesundheitliches Risiko bedeuten [1].

Hinzu kommt, dass sich durch die Hormoneinnahme zum Beispiel die Gebärmutter verändern kann, sodass es schwerer für ein befruchtetes Ei ist, sich einzunisten, oder dass der Zervixschleim die Spermien nicht durchlässt. Auch das Risiko einer Thrombose steigt leicht an.

Schliesslich kann die Einnahme von Hormonen zu Symptomen führen, die denen der Wechseljahre nicht unähnlich sind. Es kann zu Hitzewallungen, Schweissausbrüchen, Kopfschmerzen oder depressiven Verstimmungen kommen. Ob der Nutzen einer Hormontherapie die möglichen Risiken übersteigt, kannst nur du selbst im Gespräch mit deiner Ärztin oder deinem Arzt abwägen und für dich entscheiden.

Was die Grundversicherung zahlt – und was nicht

Die Kostenfrage entscheidet für viele Paare mit, wie weit sie gehen. Die Antwort ist unübersichtlicher, als sie klingt, denn sie hängt davon ab, welche Behandlung du machst:

  • Abklärung: Die Kosten für die Abklärung der ungewollten Kinderlosigkeit übernimmt die Krankenversicherung [1].
  • Hormonelle Stimulation: Die monofollikuläre Stimulation mit Gonadotropinen ist eine Pflichtleistung, solange sie nicht Teil einer IVF-Behandlung ist. Für Gonadotropine und Clomifen gilt eine maximale Behandlungsdauer von einem Jahr, was in der Praxis zwölf Zyklen entspricht; nach einer Empfängnis beginnt die Zählung von neuem [3]. Das Universitätsspital Zürich weist zusätzlich darauf hin, dass die Kasse solche Hormonbehandlungen in der Regel vor dem 40. Geburtstag der Frau bezahlt [2].
  • Intrauterine Insemination: ebenfalls Pflichtleistung, aber höchstens drei Behandlungszyklen pro Schwangerschaft [4].
  • IVF und ICSI: In-vitro-Fertilisation und Embryotransfer sind keine Pflichtleistung der obligatorischen Krankenpflegeversicherung [4]. Die Kosten trägst du ab Beginn der Hormonbehandlung selbst. Das Universitätsspital Basel rechnet mit CHF 6’000 bis 8’000 pro Frischzyklus plus rund CHF 2’000 für die Stimulationsmedikamente, für einen Auftauzyklus mit CHF 2’000 [1]; das Universitätsspital Zürich nennt je nach Aufwand CHF 5’000 bis 8’000 pro Behandlungszyklus [2]. Auch die Medikamente sind in diesem Fall nicht kassenpflichtig, selbst wenn sie auf der Spezialitätenliste stehen [3].

Der Sprung von der Hormontherapie zur IVF ist also nicht nur ein medizinischer, sondern auch ein finanzieller – das lohnt sich zu wissen, bevor die Frage im Sprechzimmer zum ersten Mal auftaucht.

Wie gross sind die Chancen – und wann ist Schluss?

Eine pauschale Erfolgsquote für «die Hormontherapie» gibt es nicht. Wie gut die Aussichten sind, hängt von der Ursache und Schwere der Hormonstörung ab, von deinem Alter und davon, ob eine eingetretene Schwangerschaft oder ein geborenes Kind gezählt wird. Lass dir deshalb in der Sprechstunde die Zahlen für deine Situation nennen statt einer allgemeinen Prozentangabe. Oft sind mehrere Behandlungszyklen nötig.

Was sich dagegen klar benennen lässt, ist die Grenze: Eine Eierstockstimulation soll weder mit Gonadotropinen noch mit Clomifen länger als drei und keinesfalls länger als sechs Zyklen ununterbrochen durchgeführt werden [3]. Bleibt sie erfolglos, sind eine Insemination oder eine In-vitro-Fertilisation die nächsten Schritte – bei der IVF dann auf eigene Rechnung.

Wenn beim Mann die Hormone nicht stimmen

Das Thema Hormone ist nicht auf Frauen beschränkt. Auch beim Mann können sowohl Erkrankungen der Hirnanhangsdrüse als auch der Hoden selbst eine ungenügende Testosteron- und Spermienproduktion verursachen [6]. Ob das der Fall ist, zeigen ein Spermiogramm und eine Blutuntersuchung der Hormone LH, FSH und Testosteron – die Blutentnahme muss morgens zwischen 7 und 10 Uhr erfolgen, weil diese Werte im Tagesverlauf schwanken [1].

Kein Testosteron bei Kinderwunsch

Bei einem Testosteronmangel ohne Kinderwunsch kann eine Testosteronbehandlung sinnvoll sein. Besteht dagegen ein Kinderwunsch, darf nie Testosteron angewendet werden, weil von aussen zugeführtes Testosteron die Spermienbildung unterdrückt [5]. Es würde also genau das verschlechtern, worum es geht. Infrage kommen bei Kinderwunsch stattdessen Hypophysenhormone, also Gonadotropine, die die Testosteron- und die Spermienproduktion anregen [6].

Wichtig ist ausserdem, zuerst die Ursache des tiefen Testosteronspiegels zu behandeln – etwa eine Gewichtsabnahme, das Weglassen bestimmter Medikamente oder die Behandlung eines Tumors der Hirnanhangsdrüse [5]. Eine oft übersehene Ursache von Unfruchtbarkeit beim Mann ist die Anwendung von Anabolika im Kraftsport [6].

Wenn die Behandlung an die Substanz geht

Depressive Verstimmungen stehen nicht ohne Grund auf der Nebenwirkungsliste – und unabhängig von den Hormonen belastet ein unerfüllter Kinderwunsch Psyche und Beziehung. Das ist kein Randthema der Behandlung, sondern Teil davon. Schweizer Kinderwunschzentren bieten deshalb psychologische Unterstützung an: am Universitätsspital Basel etwa durch eine Psychotherapeutin, sowohl für eine einmalige Standortbestimmung im Vorfeld einer geplanten Therapie als auch als längerfristige Begleitung während und nach der medizinischen Behandlung [1].

Du musst damit nicht warten, bis gar nichts mehr geht. Frag danach, sobald du merkst, dass dich die Behandlung mehr mitnimmt, als du erwartet hast. Welche Anlaufstellen es in der Schweiz sonst noch gibt, steht im Beitrag psychische Belastung bei unerfülltem Kinderwunsch.

Die wichtigsten Hormone noch einmal auf einen Blick:

Clomifen, FSH (follikelstimulierendes Hormon) und HMG (humanes Menopausengonadotropin) – regen die Eierstöcke und die Eizellreifung an

HCG (humanes Choriongonadotropin) – sogenanntes Schwangerschaftshormon, löst den Eisprung aus

Progesteron – Gelbkörperhormon, das die Gebärmutterschleimhaut auf die Einnistung des befruchteten Eis vorbereitet

Hast du schon eine Hormontherapie hinter dir? Schreib uns deine Erfahrungen im Kommentarbereich.

Quellen

  1. Universitätsspital Basel, Reproduktionsmedizin und gynäkologische Endokrinologie (RME): Kinderwunschbroschüre (PDF). Abgerufen am 12.08.2026.
  2. Universitätsspital Zürich, Universitäres Kinderwunschzentrum: Die häufigsten Fragen rund um die Kinderwunschbehandlung. Abgerufen am 12.08.2026.
  3. Schweizerische Gesellschaft der Vertrauens- und Versicherungsärzte (SGV): Manual, Kapitel Gynäkologie und Geburtshilfe. Abgerufen am 12.08.2026.
  4. Bundesamt für Gesundheit (BAG): Anhang 1 der Krankenpflege-Leistungsverordnung (KLV), Ziffer 3 «Gynäkologie und Geburtshilfe, Reproduktionsmedizin», Ausgabe vom 1. Januar 2026 (PDF). Abgerufen am 12.08.2026.
  5. HOCH Health Ostschweiz / Kantonsspital St. Gallen: Testosteronbehandlung. Abgerufen am 12.08.2026.
  6. HOCH Health Ostschweiz / Kantonsspital St. Gallen: Testosteronmangel und Infertilität beim Mann (Hypogonadismus). Abgerufen am 12.08.2026.

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