So geht es leichter! Wo es Hilfe bei der Pflege der Eltern gibt

Pflegebedürftige Eltern zu unterstützen, ist nicht immer leicht, vor allem dann, wenn Zeit und Geld knapp sind. Welche finanziellen Hilfen es in der Schweiz gibt und welche Pflegedienste und welche Ausstattung den Alltag erleichtern.

Eltern alleine zuhause zu pflegen ist erschöpfend. Wo es praktische und finanzielle Hilfe gibt.

Wer hilft den Angehörigen, die ihre Eltern zuhause pflegen? Bild: E+

Die Schweiz steht mit an der Spitze der reichsten Industrieländer. Doch wenn es um die Pflege der Eltern geht, geraten erwachsene Kinder nicht nur schnell an den Rand ihrer Kraft, sondern auch in bedrohliche finanzielle Engpässe. Umso wichtiger ist es, die Möglichkeiten, die sich bieten, zu kennen und zu nutzen.

Neben der nötigen Ausstattung für die Pflege zuhause, finden Sie im Folgenden einen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten finanzieller und personeller Entlastung.

Diese Ausstattung macht Pflege zuhause einfacher

Der Markt bietet ein grosses Angebot an Geräten, die pflegebedürftigen Eltern den Alltag erleichtern. Sinnvoll sind alle Hilfsmittel, wenn sie die Selbstständigkeit der zu Pflegenden ein Stück weit erhalten.

Rollstuhl, Rollator und Rampen an Eingangsstufen können zum Beispiel eine Mobilität ermöglichen, die ohne sie undenkbar wäre. Spaziergänge, vielleicht auch ein Besuch des Supermarktes nebenan, sind auf diese Weise denkbar.

Mit dem Treppenlift dagegen lässt sich ein Umzug in eine andere Wohnung oder in ein Altenheim aufschieben. Und das Hausnotruftelefon ermöglicht Senioren, im Notfall selbstständig Hilfe zu rufen. Hilfreich sind auch Utensilien wie der erhöhte Toilettenaufsatz, der Badewannensitz und -lift und das Pflegebett.

Welche Hilfsmittel in der individuellen Situation der eigenen Eltern nützlich sind und wie sie sich finanzieren lassen, erklären Schweizer Hilfsorganisationen wie die gemeinnützige Stiftung Pro Senectute und das Rote Kreuz in Beratungsgesprächen.

Sicherheit für Pflegebedürftige zuhause: Der Haushalt auf dem Prüfstand

Die Einrichtung der Wohnung oder des Hauses neu zu organisieren, macht das Leben älterer Menschen in ihren eigenen vier Wänden sicherer und leichter – und damit auch ihre Pflege.

  • Eine gute Beleuchtung in allen Zimmern beugt Stürzen vor.
  • Wichtig ist ausserdem, Stolperfallen wie Teppichkanten, Strom- und Telefonkabel zu entfernen.
  • Ein zusätzliches Geländer auf der anderen Seite der Treppe gibt älteren Menschen mehr Sicherheit.
  • Der Bodenbelag sollte überall in der Wohnung möglichst rutschfest sein – vor allem im Bad.
  • Dinge des täglichen Bedarfs sollten in den zentralen Räumen wie Küche und Wohnzimmer, aber möglichst nicht im Keller oder auf dem Speicher gelagert werden. So werden viele gefährliche Gänge über schmale und steile Treppen überflüssig.
  • Wichtig ist auch, dass Lebensmittel und Alltagsgegenstände leicht zu erreichen sind, also nicht hoch oben in oder auf den Schränken lagern.

Welche finanzielle Hilfen in der Schweiz im Pflegefall zur Verfügung stehen

1 Grundversicherung

Die Grundversicherung zahlt einen Beitrag für Behandlungspflege wie das Verabreichen von Medikamenten, Puls- und, Blutdruckmessen, Blutzucker kontrollieren, Injektionen und Infusionen einrichten und Wunden versorgen. Auch zahlt sie für die Grundpflege. Dazu gehören zum Beispiel Hilfe beim Aufstehen, Betten, Lagern, Beine einbinden und Strümpfe anziehen und Waschen.

2 Hilflosenentschädigung

Die Hilfslosenentschädigung wird unabhängig vom Einkommen und Vermögen gewährt und lässt sich frei einsetzen, zum Beispiel für einen Entlastungsdienst, eine private Betreuung oder den Besuch eines Tageszentrums. Die Höhe ist abhängig vom Schweregrad der Pflegebedürftigkeit. Anträge zur Hilflosenentschädigung nimmt die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) entgegen. Pro Juventute erklärt, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen: «Bestätigung der Hilflosigkeit durch den Hausarzt. Die Hilflosigkeit besteht seit mindestens einem Jahr und dauert weiter an. Die eingereichte Anmeldung für eine Hilflosenentschädigung bei der Ausgleichskasse.»

3 Ergänzungsleistungen

Es ist in jedem Fall sinnvoll, bei der AHV auch nach Ergänzungsleistungen (EL) zu fragen.
Möglicherweise lassen sich hier Kosten abrechnen, die durch die Besonderheiten der Krankheit oder Invalidität entstanden sind. Ergänzungsleistungen richten sich an AHV-Rentenberechtigte mit wenig Einkommen. Sie gleichen die Differenz zwischen anrechenbaren Einnahmen und anerkannten Ausgaben aus.

4 Betreuungsgutschriften

Pflegende Angehörige haben bei der Berechnung ihrer Rente unter Umständen Anspruch auf Betreuungsgutschriften. Betreuungsgutschriften sollen ausgleichen, was Betreuende durch die Pflege zum Beispiel für die Rente verlieren. Um diese Gutschriften zu erhalten, müssen sie u.a. im erwerbsfähigen Alter sein, einen Grossteil ihrer Zeit im gemeinsamen Haushalt mit der pflegebedürftigen Person verbringen, die eine Hilflosenentschädigung mittleren oder schweren Grades bekommt, und nicht mehr als 30 Kilometer von der pflegebedürftigen Person entfernt wohnen. «Die Anmeldung dafür muss jährlich erneuert werden. Die Gutschriften erfolgen in Form eines fiktiven Einkommens, das bei der Berechnung der AHV-Rente berücksichtigt wird», erklärt das Rote Kreuz.

5 Zusatzversicherungen

Zusatzversicherungen decken unter bestimmten Bedingungen die Kosten für Leistungen von Haushilfeleistungen ab, auch dann, wenn ein pflegender Angehöriger die Haushaltshilfe übernommen hat.

6 Steuererklärung

In der Steuererklärung lassen sich Krankheits- oder Invaliditätskosten steuerlich absetzen.

Externe Unterstützung bei der Pflege zuhause

Grundsätzlich gibt es zwei Arten ausserhäuslicher Hilfe, wenn der Pflegeort vornehmlich zuhause sein soll.

Pflegedienste, die zu Ihnen nach Hause kommen

Professionelle Hilfe kann ins Haus kommen. Haushaltshilfen, Mahlzeitendienste und Pflegedienste nehmen Angehörigen einen grossen Teil der Pflege-Arbeit ab. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Leistungen der Grundpflege, vorausgesetzt, die erforderlichen ärztlichen Verordnungen liegen vor.

Temporäre externe Betreuung

Wer seine Eltern nicht extern pflegen lässt, kann sie dennoch kurzfristig übergangsweise betreuen lassen. Stichworte sind Nachtbett oder Kurzaufenthalt in einem Heim, Tagesklinik, Tageszentrum. Auch in diesen Fragen beraten die Hilfsorganisationen weiter.

Hilfreich: Offenheit gegenüber Arbeitgeber

Hilfe kann von Seiten des Arbeitgebers kommen, wenn die Pflege der Eltern Einsatz erfordert. «Sie sollten die Möglichkeit prüfen, mit Ihrem Arbeitgeber offen darüber zu sprechen, auch weil diese Tätigkeit langfristig Auswirkungen auf Ihre Arbeit haben könnte», rät das Rote Kreuz. «Vereinbaren Sie mit Ihrem Vorgesetzten ein Gespräch, bereiten Sie sich gut darauf vor und halten Sie schriftlich fest, was Sie erreichen möchten (z. B. Anpassung der Arbeitsbedingungen).» Vielleicht ist es möglich, unbezahlte Ferien, flexible Arbeitszeiten oder Heimarbeit zu erreichen? Artikel 36 des Arbeitsgesetzes berechtigt Pflegende unter Umständen, Überzeitarbeit abzulehnen und eine Mittagspause von mindestens eineinhalb Stunden zu verlangen.

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