Und plötzlich sind die Eltern alt. Praktische Tipps für pflegende Angehörige

Die eigenen Eltern zu pflegen bringt Kinder oft an ihre psychischen und physischen Grenzen. Auch die Eltern hadern mit der ungewohnten Unselbstständigkeit. Wie der Rollenwechsel trotzdem gelingen kann.

Wenn Eltern älter werden bringt das die ganze Famile oft an ihre Grenzen. Wie der Rollebwechsel gelingen kann.

Pflege bringt beide an ihre emotionale Grenzen: Eltern und Kinder. Bild: E+

Es fängt meist schleichend an. Mutter erinnert sich nicht mehr an den Wochentag. «Ich dachte, es ist Mittwoch!», sagt sie. Na ja, das kann doch jedem mal passieren – oder? Aber dann häufen sich die Irrtümer. Der Schlüssel ist weg. Das Geld ist ausgegeben – wofür, das weiss sie nicht mehr. Sie erinnert sich auch nicht, ob sie das Blutdruckmittel heute schon eingenommen hat.

Nach einigen Besuchen beim Facharzt, der eine beginnende Demenz feststellt, ist klar: Mutter braucht Hilfe! Doch nicht nur geistig, auch körperlich kann die Kraft der Eltern so nachlassen, dass sie unselbstständig werden und Pflege brauchen.

Vater war schon lange so wackelig auf den Beinen, dass er auch nicht mehr mit dem Rollator bis zum Supermarkt laufen konnte. Aber jetzt gelingt es ihm nur noch an guten Tagen, vom Stuhl auf die Beine zu kommen, zu duschen und sich anzuziehen.  

Wenn die Eltern taumeln, taumeln auch wir

Sicher, wir wussten, eines Tages erwischt das Alter auch unsere Eltern. Doch so richtig haben wir uns damit nicht beschäftigen wollen. Das ist kein Wunder, schliesslich wollen wir nicht damit beginnen, uns auf Raten von den Eltern zu verabschieden. Dass uns das Leben dieses Loslassen aufzwingt, macht uns wütend. Wut erzeugt auch die eigene Hilflosigkeit. Wie sollen wir es nur schaffen, das Leben unserer Eltern zu stemmen, wo die Organisation unseres eigenen Lebens eine Herausforderung ist? Ein nicht zu meisternder Berg von Arbeit scheint vor uns zu liegen, in einer Lebenssituation, in der wir selbst berufstätig sind, Kredite abzahlen, Kinder erziehen und versorgen.

Eltern werden zu Kinder, Kinder zu Eltern

Hilfe von den eigenen Kindern anzunehmen, fällt vielen Eltern schwer.

Hilfe von den eigenen Kindern anzunehmen, fällt vielen Eltern schwer. Bild: Matthew Bennett - Unspash

Dass sich Eltern nicht immer gern helfen lassen, macht die Situation nicht leichter. Nicht alle Eltern möchten einsehen, dass sie Hilfe brauchen. Sie wollen an ihrem Selbstbild und ihrer Selbstständigkeit festhalten. «Was du immer hast!», «Das kann ich doch alleine!», «Misch dich nicht ein», hören besorgte Kinder oft. Und es ist auch nicht leicht, plötzlich erfahren zu müssen, dass sich die Rollen nun umkehren, Schwäche zeigen zu müssen. Ein Leben lang haben die Eltern für sich und ihre Kinder gesorgt, jetzt sollen sie die Verantwortung Stück für Stück abgeben und die Kinder die Führung übernehmen lassen. Aber was bleibt dann noch?

Wieder andere Eltern wollen zwar Hilfe, sind aber mit den Lösungen, die den erwachsenen Kindern vorschweben, nicht einverstanden. Ratschläge und Aufforderungen werden stur abgeblockt. Sie wollen nicht in eine ebenerdige Wohnung umziehen. Eine fremde Putzkraft kommt ihnen nicht ins Haus. Sie sind doch immer mit dem Auto zum Einkaufen gefahren.

Es ist nicht selbstverständlich, dass Kinder ihre Eltern pflegen

Ratlosigkeit und Frustrationen bleiben zurück. Die Kinder sind hin- und hergerissen in ihrer Sorge um das gesundheitliche Wohl ihrer Eltern und dem Wunsch ihre Würde nicht zu verletzen. Und häufig bleiben Sie allein mit ihren Problemen.

Auch unter Geschwistern führen alternde Eltern zu Missmut. Nicht alle wohnen in der Nähe der Eltern und wenden gleich viel Zeit für die Pflege auf. Wenn die eine Tochter nur alle paar Wochen zum Kaffee und Kuchen kommt und einen strahlenden Vater vorfindet, während die andere Tochter täglich die Bettpfanne leert, ist der Streit vorprogrammiert.

Praktische Tipps für pflegende Angehörige, um den schwierigen Balanceakt zu meistern, finden Sie auf der nächsten Seite.

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