Leben > PartnerschaftWie erklärt man Kindern, dass Eltern auch Zeit für sich brauchen? Abendritual, Schlafbedarf und klare RegelnWenn man Kinder hat, hat man nie Feierabend, oder doch? Familienleben-Expertin Karin Zink verrät ihr Patentrezept für Kinder, denen abends immer noch etwas einfällt. Wir ergänzen, was du vorher abklären solltest und warum Konsequenz allein manchmal nicht reicht. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Erklär deinem Kind, wie wichtig die Mami- und Papi-Zeit für euch als Eltern ist. Illustration: iStock Die Frage einer Leserin «Unsere Tochter, 9 Jahre, kommt abends immer wieder aus ihrem Zimmer und kann nicht einschlafen. Sie muss aufs WC, will noch etwas trinken oder hat vergessen, uns etwas zu sagen. Meist ist es nichts Wichtiges, sondern einfach ein Vorwand, um noch nicht schlafen zu müssen. Aber somit wird jede gemeinsame Zeit mit meinem Mann gestört. Wir werden immer gereizter und haben sie auch schon mit Fernsehentzug gestraft. Aber das kann ja nicht die Lösung sein.» Das sagt Familienleben-Expertin Karin Zink dazu Gemeinsame Paarzeit ist wichtig! Erklären Sie dies Ihrer Tochter klar und liebevoll. Bringen Sie Ihre Tochter, falls gewünscht, auch ins Bett und geben Sie ihr einen Gutenachtkuss, falls dies Ihrem Ritual entspricht, und sagen Sie ihr, dass nun die Mami- und Papizeit beginnt. Dies braucht nun Geduld, bestimmt klappt es nicht von Anfang an. Kommt Ihre Tochter erneut zu Ihnen, bringen Sie sie wortlos wieder auf ihr Zimmer, solange bis es klappt. Zuerst klären: Wie viel Schlaf braucht dein Kind? Bevor du Abend für Abend Konsequenz übst, lohnt sich ein Blick auf die Uhr. Der Schlafbedarf ist individuell. Zwischen gleichaltrigen Kindern kann die Differenz beim Gesamtschlaf bis zu sechs Stunden betragen [1]. Ein Kind kann nur so viel schlafen, wie es seinem persönlichen Bedarf entspricht. Muss es mehr Zeit im Bett verbringen, entstehen Einschlaf- oder Durchschlafstörungen erst recht [1]. Das heisst: Wer abends ständig wieder auftaucht, ist womöglich schlicht noch nicht müde. Das Universitäts-Kinderspital Zürich empfiehlt, den individuellen Bedarf mit einem Schlafprotokoll über 10 bis 14 Tage zu ermitteln und die Zeit im Bett danach anzupassen [1]. Eine spätere Bettzeit bringt dann mehr als jede Ermahnung. Wie viel Schlaf in welchem Alter üblich ist, zeigt unsere Übersicht zum Schlafbedarf von Kindern. Es gibt zudem ausgesprochene Abendkinder. Sie schlafen spät ein und haben morgens Mühe, rechtzeitig aufzustehen [1]. Auch dann ist das Aufstehen kein Trotz, sondern ein Rhythmus. Warum Fernsehentzug das Problem nicht löst In der Leserfrage klingt an, was viele Eltern kennen: Irgendwann wird gestraft, im geschilderten Fall mit Fernsehentzug. Pro Juventute hält dagegen, dass Regeln nicht dazu da sind, jemanden einzuengen oder zu bestrafen. Sie sollen das Zusammenleben erleichtern [2]. Hilfreicher ist ein anderes Vorgehen. Kündige vorher an, was du erwartest und wie du reagieren wirst. Handle danach ruhig und bestimmt so, wie angekündigt, statt zu schimpfen oder zu drohen [2]. Sprich das schwierige Verhalten nicht mehr an, nachdem du gehandelt hast. Wichtig ist auch, nichts anzukündigen, was sich nicht durchführen lässt oder dem Kind gleichgültig ist [2]. Eine Strafe am nächsten Tag hat mit dem Abend nichts mehr zu tun. Sie zeigt dem Kind keinen Weg. Wie Erziehung ohne Drohen und Bestrafen gelingt, liest du in unserem Beitrag zum Aufräumen ohne Drohen, Belohnen und Bestrafen. Die Paarzeit ankündigen statt verteidigen Kinder mögen es nicht, mitten im Spiel unterbrochen zu werden. Pro Juventute empfiehlt, eine Unterbrechung rund zehn Minuten vorher anzukündigen, etwa weil es Zeit zum Schlafengehen ist. So kann sich das Kind darauf einstellen, und ein unnötiger Konflikt bleibt aus [2]. Genauso wirkt ein gleichbleibendes Zubettgeh-Ritual. Es signalisiert dem Kind, was als Nächstes kommt, macht den Ablauf voraussehbar und gibt ihm Sicherheit [1]. Die Mami- und Papi-Zeit ist dann kein Liebesentzug, sondern der nächste Programmpunkt des Abends. Wenn das Zubettgehen ohnehin jeden Abend zur Geduldsprobe wird, hilft unser Text darüber, was tun, wenn das Kind trödelt. Wenn die Geduld aufgebraucht ist «Wir werden immer gereizter» ist der Satz, auf den es sich zu achten lohnt. Pro Juventute rät, sich bewusst Pausen zu organisieren: über Verwandte, Freunde oder einen Babysitter, damit neben der Kinderzeit auch Erwachsenenzeit bleibt [2]. Paarzeit entsteht selten von allein. Sie will geplant sein wie jeder andere Termin. Hilfreich ist auch, sich bewusst zu machen, was im Alltag gut läuft [2]. Wenn dir der Kragen regelmässig platzt, musst du das nicht allein ausmachen. Der Elternnotruf berät rund um die Uhr, vertraulich und auf Wunsch anonym, unter 0848 354 555 [3]. Mehr zum Umgang mit der eigenen Gereiztheit findest du im Beitrag Wie bleibe ich gelassen, wenn mich meine Tochter in den Wahnsinn treibt?. Wann fachlicher Rat sinnvoll ist Einschlafprobleme sind häufig und meist vorübergehend. In den meisten Fällen handelt es sich um funktionelle Störungen ohne Krankheitswert, die keine grosse medizinische Abklärung brauchen, sondern ein klärendes Gespräch und eine persönliche Beratung [1]. Festgefahrene Einschlafgewohnheiten zu ändern, setzt eine konsequente Haltung und viel Geduld voraus. Die Begleitung durch eine Fachperson kann dabei helfen, etwa durch die Kinderärztin, die Mütterberaterin oder einen Psychologen [1]. Deutlich seltener stecken Erkrankungen wie nächtliche Atemstörungen dahinter. Diese erfordern eine medizinische Abklärung und Behandlung [1]. Sprich die Kinderärztin darauf an, wenn sich trotz klarer Abläufe nichts bessert. Möchtest du auch eine Frage stellen? In unserer Serie «Alles eine Frage der Erziehung» beantwortet das Familienleben-Expertenteam deine Fragen zur Erziehung und zum Familienalltag. Schreib an: redaktion@familienleben.ch. Karin Zink ist seit über 20 Jahren in der Pädagogik tätig. Zunächst als Kindergärtnerin, später als Psychomotorik-Therapeutin. Heute begleitet sie Eltern und Kinder auch individualpsychologisch als Familienberaterin und STEP-Kursleiterin. Karin Zink ist Mutter von zwei Kindern und lebt in Benken. Quellen Universitäts-Kinderspital Zürich: Schlafstörungen bei Kindern. Ein Ratgeber für unruhige Kindernächte. Elterninformation, 3. Auflage November 2025 (abgerufen am 21.08.2026). Pro Juventute: Wenn Eltern an ihre Grenzen kommen (abgerufen am 21.08.2026). Elternnotruf: 24-Stunden-Beratung für Eltern (abgerufen am 21.08.2026).