Kinderfreundliche Gemeinde Fehraltorf: Hier haben Kinder was zu sagen

Vor über einem Jahr wurde Fehraltorf im Zürcher Oberland vom Kinderhilfswerk UNICEF als «Kinderfreundliche Gemeinde» ausgezeichnet. Seit dem hat sich im Ort viel für Kinder und Jugendliche getan. Warum Fehraltorf ein Vorbild für andere Gemeinden sein könnte, haben wir uns angeschaut.

In der kinderfreundlichen Gemeinde Fehraltorf wird viel für Kinder geboten.

In der kinderfreundlichen Gemeinde Fehraltorf wird für Kinder allerhand geboten: zum Beispiel eine Sport-, Spiel und Plauschwoche. Foto: sportspielplausch.ch

Auf den ersten Blick sieht man es ihr nicht an. Die Gemeinde Fehraltorf könnte genauso gut Titel tragen wie «seniorenfreundlich» oder «ausländerfreundlich». Das würde der Besucher auch nicht erkennen. Aber wie soll er an einem regnerischen Wintertag auch merken, dass Fehraltorf die erste kinderfreundliche Gemeinde im Kanton Zürich ist? An der Anzahl der Spielplätze, Krippen, Schulen und Kinderwagen? Sicher nicht. Da muss man genauer hinschauen und vor allem hinhören.

Zum Beispiel bei Bryan Albrecht. Der 15-jährige Schüler wohnt zwar erst seit vier Jahren in Fehraltorf, wohl fühlte er sich aber vom ersten Moment an. «Jugendliche können hier viel selber machen», erklärt er. Samstags wird aus dem höflichen Teenager ein begeisterter Musik-DJ. Nämlich dann, wenn er seine Platten in der Sporthalle zum Midnight Sports auflegt. Rund 50 Jugendliche kommen jedes Mal, um gemeinsam zu tanzen, Fussball zu spielen oder miteinander zu reden. Der Event wird von Erwachsenen und Jugendlichen gemeinsam organisiert.

In der kinderfreundlichen Gemeinde Fehraltorf dürfen Kinder ins Flugzeug.

In der kinderfreundlichen Gemeinde Fehraltorf dürfen Kinder ans Steuer. Foto: sportspielplausch.ch

Nur zehn Gemeinden tragen das Label «Kinderfreundliche Gemeinde»

Fehraltorf trägt seit Sommer 2011 als erste Gemeinde im Kanton Zürich die UNICEF-Auszeichnung «Kinderfreundliche Gemeinde». Bisher haben nur zehn Gemeinden in der Schweiz dieses Label erhalten. «Unseres Erachtens bringt Fehraltorf die Aufnahmebereitschaft und Beweglichkeit auf, die nötig ist, um auf Anliegen von Kindern mit pragmatischen und innovativen Lösungen zu reagieren», begründete UNICEF-Geschäftsleiterin Elsbeth Müller damals die Entscheidung. Im Dorf sei eine allgemeine Sensibilität für die Anliegen der jüngsten Generation erlebbar und in den zentralen Abteilungen «Soziales» und «Schulen» ein umsichtiges, zupackendes Agieren. Fehraltorf verpflichtet sich damit die Kinderfreundlichkeit in den nächsten Jahren weiterzuentwickeln. Dazu zählt unter anderem Kinder altersgerecht zu informieren, sie bei Entscheidungen anzuhören und mitgestalten zu lassen.

Gerade letzteres wird in Fehraltorf sehr ernst genommen. Der Gemeindepräsident hat eine Sprechstunde, die auch von Kindern und Jugendlichen genutzt wird. Die Kinder wünschten sich beispielsweise auch abends auf dem Sportplatz spielen zu können. Da aber niemand einen Schlüssel für die Lichtanlage bekam, war das Spielen im Dunkeln nicht möglich. Jetzt brennt das Licht auch am Abend und geht von allein aus.

Jugendliche sitzen in den Arbeitsgruppen der Gemeinde

In der Arbeitsgruppe Bahnhof sitzen neben Erwachsenen auch einige Jugendliche, die gemeinsam überlegen, wie der Bahnhof verschönert werden kann. In der Baukommission, die sich in den vergangenen Monaten um die Gestaltung eines Kreisels im Ort kümmerte, durften ebenso zwei Kinder mitreden. Bryan engagiert sich im Jugend- und Schulparlament. Dessen Vorschlag, einen festen Regen- und Sonnenschutz auf dem Pausenhof der Schule zu installieren, stiess bei der Schule und Gemeinde auf offene Ohren. Mittlerweile können sich die Schüler in den Pausen auch im Regen draussen aufhalten.

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