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Ist die Schweiz familienfreundlich? Was unsere Leserinnen und Leser sagen

Die Schweiz ist das am wenigsten familienfreundliche Land in ganz Europa. Zumindest sagt das eine neue Studie des UN-Kinderhilfswerks Unicef. Aber was sagen unsere Leserinnen und Leser? Wir haben in Zürich und auf unseren öffentlichen Facebook- und Instagram-Seiten Meinungen gesammelt.

Wir haben nachgefragt, ob unsere Leser die Schweiz familienfreundlich finden.

Ist die Schweiz familienfreundlich oder stimmt die Einschätzung von Unicef, derzufolge es viel Nachholbedarf gibt? Foto: Walter Schoendorf, Unsplash

Laut einer neuen Unicef-Studie bieten alle anderen europäischen Länder bessere Bedingungen für Familien als die Schweiz. Die Einzelheiten haben wir hier zusammengefasst.

Unsere Umfrage auf Instagram

Und auch bei unserer Umfrage gab es mehr kritische Wortmeldungen gegenüber der Schweiz als lobende. So schreibt eine Instagram-Userin: «Traurig!! Mutter sein und arbeiten in der Schweiz ist die schwierigste Sache!!»

Ein anderer Instagram-User lebt seit 25 Jahren in der Schweiz und hat seit vier Jahren eine Tochter. Seine Bilanz zum Thema: «Familienleben und Berufliches in Einlang zu bringen ist – ohne dass einer der Eltern in den sauren Apfel beissen muss – schier unmöglich.» In der Schweiz sei es ein Luxus, Kinder zu haben.

Dem kann ein weiterer Instagram-User nur zustimmen: «Vor allem für finanziell schlechter gestellte Familien ist es täglich ein Überlebenskampf.» Drei Monate Mutterschutz seien viel zu wenig, es sollten bessere Möglichkeiten geschaffen werden.

Unsere Umfrage auf Facebook

Bei unserer Umfrage auf Facebook fielen die Antworten etwas ausgewogener aus, doch auch hier überwiegen diejenigen, die die Schweiz für nicht besonders familienfreundlich halten. So schreibt eine Userin, sie habe sechs Kinder und empfinde die Schweiz nicht als familienunfreundlich. Sie erhält Zustimmung einer anderen Userin, die zwar der Meinung ist, dass man noch etwas verbessern könnte, aber sicher sei die Schweiz nicht das familienunfreundlichste Land.

Andere widersprechen. So diese Userin: «Nur drei Monate Mutterschaftsurlaub, kein Vaterschaftsurlaub, Kindergarten erst ab fünf Jahren, und und und.» Als berufstätige Mutter finde man kaum einen Kita-Platz – und wenn, dann sei er viel zu teuer. Auch ein weiterer User kritisiert die Schweiz: Mutterschaftsurlaub und Vaterschaftsurlaub, KiTa-Auflagen, die dem Kantönligeist unterliegen, Lohnungleichheiten und der gesellschaftliche Umgang mit Familien lassen seiner Meinung nach zu Wünschen übrig.

Unsere Umfrage in Zürich

Wir haben nicht nur auf Social Media nachgefragt, sondern sind auch direkt auf die Menschen in Zürichs Strassen zugegangen.

1 Stefanie, 34 Jahre alt, ein Kind (6 Wochen):

«Die gesetzlichen Regelungen zum Mutterschafts- und Vaterschaftsurlaub sind nicht zufriedenstellend. Das Problem liegt am Schweizer System und auch an den gesellschaftlichen Einstellungen. Dass ein Vater Hausmann ist oder man wirklich zusammenarbeitet ist hier gar nicht möglich. Ausserdem wird bei einem Vorstellungsgespräch der Mann nicht gefragt, ob Kinder und Job für ihn vereinbar sind, sondern nur die Frau. Das liegt am Sexismus hier in der Schweiz.»

2 Kristina, 34 Jahre alt, ein Kind (9 Monate):

«Es kommt darauf an, worauf man schaut. Mutterschafts- und Vaterschaftsurlaub werden in anderen Ländern sicherlich besser subventioniert. Aber ansonsten sind die Schweizer sehr familienfreundlich. Kitas und Elternberatung sind hervorragend. Ausserdem sind die Hebammen und die Betreuung in den Spitälern viel besser als zum Beispiel in Deutschland.»

3 Theresa, 28 Jahre alt, zwei Kinder unter zwei Jahren

«Ich mache mehr positive als negative Erfahrungen im Alltag. Es gibt zum Beispiel viele kinderfreundliche Restaurants. Aber der Mutterschafts- und Vaterschaftsurlaub sind wirklich nicht zufriedenstellend geregelt.»

4 Olav, 45 Jahre alt, ein Kind (10 Monate):

«Die Schweiz sollte sich in puncto Vaterschaftsurlaub etwas von Deutschland abschauen.»

5 Tanja, 44 Jahre alt, zwei Kinder (zweieinhalb und fünfeinhalb Jahre):

«Mutterschafts- und Vaterschaftsurlaub sind in anderen Ländern im Gesetz unter deutlich besseren Konditionen geregelt. Aber man kann ja nicht alles haben. Ansonsten weiss man zum Beispiel bei Restaurants irgendwann, wo man besser nicht mehr hingeht. Die alten Trams sind sehr hoch, da ist es schwierig einzusteigen. Zwar hilft einem immer jemand, aber es ist einfach mühsam, zu fragen.»

Für wie familienfreundlich halten Sie die Schweiz? Hinterlassen Sie uns einen Kommentar.

Kinderfreundliche Schweiz

Mancherorts ist die Schweiz zumindest besonders kinderfreundlich. Unicef zeichnet regelmässig Schweizer Städte und Gemeinden aus, die sich in besonderem Mass für Kinder und Jugendliche engagieren. Hier lesen Sie mehr dazu.