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Impfungen – eine Empfehlung vom Experten

Bedenken gibt es nach wie vor und Eltern fühlen sich im Informationschaos verloren – sollen wir unser Kind impfen lassen? Dr. Jan Cahlik, Vize-Präsident der Kinderärzte Schweiz, erklärt, warum Impfungen so wichtig sind.

Warum Impfungen so wichtig sind.

In unserer Umgebung schlummern Tausende Erreger. Foto; Planet Flem, DigitalVision Vectors

«Meine Kinder sind geimpft»: Der Kinderarzt Jan Cahlik sieht keine bessere Präventionsmöglichkeit vor bedrohlichen Krankheiten als das Impfen. In unserer Umgebung schlummern Tausende Erreger, mit denen wir tagtäglich in Kontakt kommen. Nicht alle sind gefährlich, jedoch rufen manche Erreger lebensbedrohliche Krankheiten hervor.

Der Schweizerische Impfplan

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) empfiehlt mit dem Schweizerischen Impfplan eine Reihe von Impfungen für Säuglinge und Kinder, die dem Infektionsschutz des Einzelnen und der Bevölkerung dienen. «Potenziell kann jedes Kind an den Erregern erkranken.

Leider können wir nicht in die Zukunft schauen und im Einzelfall abwägen, welche Impfung notwendig ist und welche nicht»: Cahlik hält alle empfohlenen Impfungen für sinnvoll und rät Familien, sich am Impfplan 2019 des BAG zu orientieren.

«Die grösste Nebenwirkung ist der kurze Piks der Spritze»

Trotz des Impfplans gibt es Bedenken. Unter den Impfkritikern grassiert die Angst vor Nebenwirkungen. «Die grösste Nebenwirkung ist der kurze Piks der Spritze», sagt Jan Cahlik.

Der Facharzt betont, dass keine Nebenwirkungen mit lebenslangen Beschwerden bei den derzeit empfohlenen Impfungen bekannt sind. Die Schäden, welche die Erkrankungen verursachen können, seien mit den Nebenwirkungen nicht zu vergleichen.

Zur Person

Facharzt FMH für Kinder und Jugendliche

Vize-Präsident der Kinderärzte Schweiz 

Keine Impfpflicht für Schweizer

In der Schweiz besteht keine Impfpflicht. In Frankreich und Italien hingegen müssen Eltern ihre Kinder impfen lassen, sonst dürfen sie nicht in die Kitas und Schulen. In anderen Ländern drohen sogar Geldstrafen. 

Cahlik: «Wir versuchen und erhoffen uns eine hohe Impfquote durch Überzeugung zu erreichen.» Eine Impflicht stehe zwar momentan nicht zur Debatte, sei aber in Zukunft bei starkem Rückgang der Impfquote und fatalen Auswirkungen, wie geschlossenen Kitas und Schulen, nicht auszuschliessen.

Der Mythos der Ausrottung

Die Anzahl der Erkrankungen ist durch Impfungen zwar deutlich zurückgegangen, dennoch sind viele bis dato nicht ausgerottet. «Masern und Röteln können ausgerottet werden, bei Pneumokokken und Haemophilus influenzae- Infektion ist das zum Beispiel nicht möglich», sagt Jan Cahlik. 

Der Impfstoff schütze im Fall dieser Erreger vor systemischen Erkrankungen wie einer Lungen- oder Hirnhautentzündung, lokale Infektionen wie Rachen- oder Mittelohrentzündungen kann er nicht verhindern. Denn: die Erreger finden sich auf unseren Schleimhäuten und können bei jedem Menschen unterschiedliche Krankheiten auslösen. 

Auswirkungen auf das Immunsystem

Aber ist zu viel Schutz vor Erregern nicht auch negativ? Krankheiten zu überwinden, stärkt das Immunsystem. Kinder müssen im Laufe ihres Lebens Erkältungen, Grippen und andere Infektionen durchstehen, um ein gesundes Immunsystem aufzubauen. «Die Krankheiten, gegen die Säuglinge geimpft werden sollen, sind bedrohlich.

Das Risiko ist zu hoch, als dass es sich lohnt die Erkrankung zur Immunsystem-Stärkung zu durchleben. Das brauchen wir nicht», sagt der Facharzt und versichert, dass jedes Kind genug Infektionen durchmacht, die nicht bedrohlich sind und das Immunsystem ausreichend stärken. Zudem bestehe der Irrglaube, dass Kinder nach einer Masernerkrankung einen Entwicklungsschub erfahren. Bei solch einem Schub wird lediglich der reguläre Entwicklungsprozess, der während der Erkrankung ausgebremst worden ist, aufgeholt.

Herr Cahlik, was denken Sie, woher kommen die Bedenken der Impfkritiker?

«Die Argumente der Impfgegner beruhen zum Teil auf Pseudowissen, Nicht- oder Halbwissen, das sie sich meist über das Internet von unseriösen Quellen angeeignet haben. Sie kennen das Prinzip des Impfens nicht immer und sind nicht ausreichend informiert. Sicher gibt es auch ideologische Gruppierungen, die das Impfen ablehnen. Der Erfolg des Impfens steht sich selbst im Weg, denn wenn keine Bedrohung zu sehen ist, scheint es an Notwendigkeit zu verlieren.

Das Internet ist geduldig und es ist schwierig zu unterscheiden, was richtig und was falsch ist, welche Quelle fundiert und welche Argumente ungesichert sind. Im World Wide Web können Sie alles lesen, was Sie wollen und das ist das Problem.»

Der Facharzt legt eine umfangreiche Recherche nahe. Er empfiehlt die Informationsquelle genau zu prüfen. Eltern sollten sich ihrem Kinder- oder Hausarzt anvertrauen und ihre Bedenken hinterfragen. Man soll nicht alles glauben, was man liest – vor allem nicht im Internet.

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