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Soll man nach der Geburt die Plazenta essen?

Hollywood machts vor: Frauen, die ihre Plazenta essen. Der Verzehr soll Wochenbett-Depressionen vorbeugen, Schmerzen lindern und die Milchproduktion fördern. Wissenschaftlich belegt ist dies allerdings nicht. Das Verspeisen der Plazenta kann sogar gefährlich werden.

Der Mutterkuchen als Superfood? Manche Frauen verarbeiten die Planzenta zu einem Smoothie, andere lassen Pillen daraus anfertigen.
Der Mutterkuchen als Superfood? Manche Frauen verarbeiten die Planzenta zu einem Smoothie, andere lassen Pillen daraus anfertigen. © Jacek_sopotnicki, Getty Images

Plazenta essen: Das Wichtigste in Kürze

Die Plazenta, auch Mutterkuchen genannt, ist ein einzigartiges Organ. Sie ist gleichzeitig Verbindung und Trennung von Mutter und Kind. Obwohl Fachleute stark davon abraten, ist es in den letzten Jahren populärer geworden, die Plazenta nach der Geburt zu essen. Grund dafür sind berühmte Beispiele wie Kim Kardashian, die von den Vorteilen der Plazentapillen schwärmen. 

Warum sollte man seine Plazenta essen?

Manche versprechen sich vom Verspeisen der Plazenta zahlreiche gesundheitliche Vorteile. Beispielsweise soll es postnatale Depressionen verhindern, Schmerzen nach der Geburt lindern und die Milchproduktion gesteigert werden.

Wissenschaftliche Beweise für diese Vorteile gibt es keine. Fachpersonen raten stark davon ab, die Plazenta zu essen.

Ist es gefährlich, seine Plazenta zu essen?

Ärztinnen und Ärzte raten davon ab, die Plazenta zu verspeisen. Es gibt keine wissenschaftlich belegten Vorteile für das Essen der Plazenta. Die Stoffe in der Plazenta, wie beispielsweise die Östrogene, welche der Mutter helfen sollen, werden im Verarbeitungsprozess zerstört.

Da die Plazenta als Schranke zwischen Kind und Mutter dient, sind in ihr auf Krankheitserreger zu finden. Diese werden bei der Verarbeitung nicht abgetötet. Für ein Baby und sein noch schwaches Immunsystem kann das gefährlich werden, wenn nicht sogar lebensbedrohlich. 2016 starb ein Säugling an einer Infektion mit B-Streptokokken, nachdem seine Mutter Plazenta-Pillen gegessen hatte.

Ist es Kannibalismus, wenn man die Plazenta isst?

Die Plazenta ist ein menschliches Organ. Sie zu essen, grenzt also an Kannibalismus. Rein genetisch ist die Nachgeburt Teil des Kindes, rechtlich gesehen gehört sie der Mutter.

Warum hat man eine Plazenta?

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Die Plazenta ist ein faszinierendes Organ. © Getty Images, Natalia Deriabina

Die Plazenta ist quasi die Schaltzentrale im Mutterleib. Sie produziert Schwangerschafts- und Bindungshormone und versorgt das Kind über die Nabelschnur mit Sauerstoff und Nährstoffen. In unserem Artikel über die Plazenta erfährst du mehr über das Organ. 

Woher kommt die Idee, Plazenta zu essen?

Anhängerinnen der Placentophagie begründen die Idee häufig damit, dass Tiere ebenfalls ihre Nachgeburt essen. In tierischen Plazenten wurden beispielsweise direkt nach der Geburt schmerzstillende Bestandteile nachgewiesen. Allerdings ist die Plazenta bei Tieren ganz anders aufgebaut als bei Frauen; man kann die Ergebnisse also nicht vergleichen.

Im Mainstream angekommen ist die Praktik erst in den letzten Jahren. Grund dafür sind wohl zahlreiche Hollywoodstars, die öffentlich darüber gesprochen haben, ihre Plazenta zu essen. Dazu gehören Kim und Kourtney Kardashian, Hilary Duff und Katherine Heigl.

Wie isst man eine Plazenta?

Die populärste Art, eine Plazenta zu verspeisen ist wohl die Plazentapille. Dabei wird die Plazenta getrocknet und zu kleinen Pillen verarbeitet. Diesen Service bieten diverse Apotheken an, man kann es aber auch selbst machen.

Andere Frauen entscheiden sich dafür, ein Stückchen der Plazenta roh zu essen. Alternativ kann das Stück auch gebraten werden. Wer mit der Nachgeburt kreativ werden will findet online zahlreiche Rezepte, vom Plazenta-Smoothie bis zum Plazenta - Lasagne.

Wenn du dich dafür entscheidest, deine Plazenta zu essen, musst du unbedingt auf korrekte Handhabung und Hygiene achten. Bei Unklarheiten solltest du dich zur Sicherheit an eine Fachperson, beispielsweise eine Hebamme, wenden.

Lotusgeburt: Wenn man die Plazenta am Baby lässt

Bei einer Lotusgeburt bleibt das Neugeborene nach der Geburt mit der Plazenta verbunden, bis diese von selbst abfällt.
Bei einer Lotusgeburt bleibt das Neugeborene nach der Geburt mit der Plazenta verbunden, bis diese von selbst abfällt. © Andriy Bandurenko, iStock, Thinkstock 1 0

Es gibt viele Meinungen dazu, was man mit der Plazenta tun und lassen soll. Die Lotusgeburt ist eine davon. Befürworter plädieren dazu, die Nabelschnur und somit die Plazenta am Neugeborenen zu lassen, bis diese von selbst abfällt. Das soll der Gesundheit des Kindes dienen. Lese in unserem Artikel mehr dazu.