Wachstumsschub: Plötzlich ein Stück grösser!

Gerade haben Sie neue Schuhe gekauft, doch jetzt passen sie Ihrem Kind nicht mehr. Auch seine Hände sind grösser geworden. Bald werden Arme und Beine nachziehen und ein Stück länger werden. Denn Kinder wachsen nicht kontinuierlich, sondern machen plötzlich einen Wachstumsschub.

Wachstumsschub: Es gibt verschiedene Phasen

Ein grosser Wachstumsschub kommt in der Pubertät. Foto: BrianAJackson, iStock, Thinkstock

Kennen Sie diese Situation? Sie schauen morgens Ihr Baby in der Wiege oder Ihr Kind beim Frühstück an, und plötzlich stellen Sie erstaunt fest. Das Kind sieht verändert aus! Als hätte es in der Nacht einen sichtbaren Wachstumsschub gemacht. Kinder wachsen tatsächlich im Schlaf, denn am Abend und in der Nacht schüttet die Hirnanhangdrüse das Wachstumshormon Somatotropin aus.

Wachstumsschub: Babys wachsen schnell

So schnell wie im ersten Jahr wächst ein Kind nie wieder. Wird das Kind ein Jahr alt, misst es durchschnittlich 25 Zentimeter mehr als noch bei seiner Geburt. Bis es drei Jahre alt ist, ist es sogar 43 Zentimeter grösser. Kindergarten- und Grundschulkinder dagegen wachsen nur noch etwa fünf bis sieben Zentimeter jährlich. Ein grosser Wachstumsschub kommt in der Pubertät. Bis zu 20 Zentimeter kann ein Mädchen dann noch einmal in die Höhe schiessen, Jungen wachsen sogar bis zu 24 Zentimeter.

Ein Wachstumsschub kann für Kinder schmerzhaft sein

Vielleicht erinnern Sie sich noch an Wachstumsschmerzen in der Kindheit? «Man schätzt, dass 30 Prozent aller Vorschul- und Schulkinder im Alter zwischen drei und 16 Jahren gelegentlich davon betroffen sind», informieren Dr. Reto Schnyder und Dr. Thomas Fuhrer aus Hittnau. «Der Knochen wird von der nervenreichen, hochsensiblen Knochenhaut umgeben, man vermutet hier einen Dehnungsschmerz, wenn die langen Röhrenknochen wachsen.»

Wachstumskurven: Eher gross oder klein?

Ob ein Kind normal wächst und ob es eher klein oder gross ist, lässt sich im Internet in Wachstumskurven, auch Perzentilenkurven genannt, ablesen, die es speziell für Jungen und Mädchen gibt. Dabei gilt es, auf der waagerechten Skala das Alter des Kindes, in der senkrechten Skala die Grösse des Kindes in Zentimetern zu finden. Nun suchen Sie, am besten mit Hilfe eines Lineals, den Schnittpunkt. Schauen Sie, welche der quer durch das Diagramm laufenden, unregelmässigen Kurven dem Schnittpunkt am nächsten ist. Mit welcher Zahl ist sie beschriftet? Steht dort beispielsweise eine «90», so bedeutet das, dass 90 Prozent aller Kinder kleiner oder gleich gross und nur zehn Prozent grösser sind. Liegt der Schnittpunkt auf der Linie, die mit der Zahl «50» gekennzeichnet ist, hat Ihr Kind eine durchschnittliche Grösse. Die Zahl «30» dagegen würde aussagen, dass 70 Prozent der Kinder grösser und nur 30 Prozent kleiner sind. Der deutsche Verband der Kinder- und Jugendärzte bietet auf seinen Internetseiten einen Körpergrössenrechner für Kinder und Jugendliche an.

Grösse genetisch bedingt

«Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm», heisst ein Sprichwort. Das trifft auch auf die Grösse von Familienmitgliedern zu. Denn die Gene bestimmen zu einem grossen Teil mit, wie gross ein Mensch wird – und damit auch Ihr Kind. Wenn Sie selbst früher stets in der hinteren Reihe des Klassenzimmers sassen, damit Ihre Klassenkameraden freien Blick zur Tafel haben konnten, wird Ihr Kind wahrscheinlich ebenfalls gross werden. Umgekehrt wird Ihr Kind eher klein bleiben, wenn Sie selbst klein sind.

Wie gross wird mein Kind?

Eine Faustregel gibt einen groben Anhaltspunkt:

Zunächst addieren Sie zur Grösse der Mutter in cm die Grösse des Vaters in cm. Dann teilen Sie das Ergebnis durch zwei. Nun ziehen Sie für Mädchen 6,5 cm ab, für Jungen addieren Sie 6,5 cm hinzu.

Spätzünder können noch gross werden

Aus einem besonders grossen oder kleinen Kind muss kein besonders grosser oder kleiner Erwachsener werden. Denn bei Kindern, die besonders klein sind, ist oft die Knochenreifung verzögert. Das lässt sich durch eine Röntgenaufnahme der Handknochen feststellen. «Hat ein Viertklässler eine Knochenreife von einem Zweitklässler, dann ist er natürlich klein», sagte Eugen Schönle, Leiter der Abteilung Endokrinologie am Kinderspital Zürich der NZZ. Doch er wird länger wachsen, denn aufgrund der verzögerten Knochenreifung kommt er später in die Pubertät. «Es gibt Spätzünder und Frühentwickler», sagte Schönle.

Wer sich eine Schulklasse mit pubertierenden Jugendlichen anschaut, kommt ins Staunen. Manche Schüler überragen andere um zwei Köpfe, vor allem die Mädchen sind in die Höhe geschossen. Grund ist ein Wachstumsschub, der mit der Pubertät verbunden ist. Kinder, die spät in die Pubertät kommen, scheinen plötzlich viel kleiner als die Gleichaltrigen – doch wahrscheinlich ist, dass sie aufholen werden. Umgekehrt werden wahrscheinlich diejenigen, die in der Schulklasse als Teenager besonders gross gelten, bald wieder auf Augenhöhe mit den Freunden sprechen können.

Störungen im Wachstum sind selten

Wer glaubt, sein Kind könne in den Himmel schiessen oder einfach zu klein bleiben, sollte seine Sorgen mit dem Kinderarzt besprechen. Krankhafte Störungen im Wachstum sind selten, doch manchmal bewirken Hormonstörungen und Organerkrankungen ein langsames oder auch zu schnelles Wachsen.

Dennoch, manche kleinen Kinder bleiben auch als Erwachsene kurz, und andere müssen sich damit abfinden, dass sie stets zu gross für normal gebaute Möbelstücke sind. Gleichgültig, ob die Grösse eines Kindes im Durchschnitt liegt oder nicht, wichtig ist, das Kind so zu nehmen wie es ist und es von Herzen zu lieben. Unterschiede müssen nicht betont werden – schliesslich soll sich das Kind nicht als «Grosser» oder «Kleiner» identifizieren. Sinnvoll ist es, die Stärken und Talente des Kindes zu betonen. Vielleicht ist die Grösse des Kindes für ein Hobby sogar besonders hilfreich? Grosse Kinder brillieren oft in der Basketball-, Hand- oder Volleyballmannschaft oder beim Laufsport. Beim Klettern und Turnen kann eine geringe Körpergrösse von Vorteil sein. Kampfsport kann hilfreich für das Selbstbewusstsein sein.

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