Kinder für Ämtli begeistern

Eltern wünschen sich, dass ihre Kinder im Haushalt mithelfen. Sie sollen lernen, welche Arbeit hinter einem gedeckten Frühstückstisch oder sauberer Wäsche steckt. Es gibt Wege, wie Eltern den Kindern ein Ämtli schmackhaft machen können.

Ämtli: Kinder helfen gern im Haushalt.

Kinder, die im Haushalt Ämtli übernehmen, werden selbstständiger. Foto: djedzura, iStock, Thinkstock

Gemütlich sitzt Sarah auf dem Sofa und spielt mit ihrem Gameboy. «Kannst du mir was zu trinken bringen?» fragt sie ihre Mutter, die gerade dabei ist, die Küche zu putzen. «Ich bin doch nicht deine Dienstbotin», erwidert die Mutter barsch. «Hilf du mir lieber mal bei der Hausarbeit!» Doch dazu hat Sarah überhaupt keine Lust. Verärgert verzieht sie ihr Gesicht. Dass ihre Mutter als Kind auch Ämtli übernehmen musste, interessiert sie nicht die Bohne.

Kein Bock auf Ämtli

Warum putzen und räumen Eltern auf? Weil sie sich auf einen gemütlichen Abend in der ordentlichen Wohnung freuen. Das Engagement im Haushalt, das Eltern an den Tag legen, ist stark geprägt von einer Vorfreude: auf die saubere und gebügelte Wäsche, auf das feine und gesunde Essen, auf eine klare Sicht aus dem Fenster in den schönen Spätsommertag. Eltern ziehen aus der Hausarbeit einen echten Nutzen.

Kindern dagegen ist es meist vollkommen egal, ob die Wohnung unordentlich oder aufgeräumt ist, ob das dreckige Geschirr vom Vortag noch im Schüttstein steht oder nicht. Sie verfügen über die Fähigkeit, sich auch im grössten Chaos wohl zu fühlen. Eltern können sich oft gut selbst an diese Zeiten erinnern.

Vom Sinn der Mithilfe im Haushalt

Dennoch macht es Sinn, dass Eltern ihre Kinder anleiten, sich im Haushalt zu engagieren. Zum einen fördern Ämtli den Gemeinschaftssinn: So macht es Spass, sich an einen gemeinsam schön gedeckten Zmorgetisch zu setzen. Zum anderen werden Kinder, die sich früh an der Arbeit im Haushalt beteiligen, viel schneller selbstständig. Das wiederum entlastet die Eltern. Schon ein wenig Unterstützung kann für Eltern sehr hilfreich sein.

Ämtli – ein Balanceakt

Vielen Eltern fällt es schwer, bei ihren Kindern ein Ämtli durchzusetzen. Schon der Kindergarten- oder Schulalltag der Sprösslinge ist oft stark durchorganisiert. Haben Kinder zu Hause ein Spiel gefunden, in dem sie versinken, scheuen sich Eltern, sie zu stören. Zu Recht. «Spiel ist keine Spielerei», sagt Armin Krenz, Sozialpädagoge und Mitinhaber des Instituts für angewandte Psychologie und Pädagogik in Kiel. «Das Spiel ist gewissermassen der Hauptberuf eines jeden Kindes, das dabei ist, die Welt um sich herum, sich selbst, Geschehnisse und Situationen, Beobachtungen und Erlebnisse im wahrsten Sinn des Wortes zu begreifen.»

Angehende Teenager dagegen spielen nicht mehr so häufig, werden aber von der Schule und den Hausaufgaben zeitlich stark beansprucht. Dass Kinder ihre Hausaufgaben machen und sich auf Prüfungen gründlich vorbereiten müssen, ist den meisten Eltern wichtiger als die Mithilfe im Haushalt. Was nach Klavierunterricht und Turnverein an Freizeit übrig bleibt, wollen die Kinder zur freien Verfügung haben – auch dafür haben Eltern in der Regel Verständnis. Wenn Kinder dennoch Ämtli übernehmen sollen, darf die Menge der Hausarbeit Kinder nicht überfordern.

Kinder früh in den Haushalt einbeziehen

«Was Hännschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr», heisst ein Sprichwort. Das trifft auch auf die Hausarbeiten wie Putzen und Aufräumen zu. Meist fällt es jedoch nicht schwer, kleine Kinder zu motivieren, mitzuhelfen. Kinder lieben es, Erwachsenen nachzueifern. Schliesslich wollen sie gross sein und machen, was die Grossen können.

Schon Kleinkinder können Früchte und Gemüse waschen oder mal eine Creme umrühren, Blumen giessen, den Tisch decken, das eigene Geschirr abräumen, Spielzeug in Spielzeugkisten versorgen und Socken sortieren. Sicher, ein Kind beim Kochen und Backen, Saugen und Abwaschen mitmachen zu lassen, kostet eine gute Portion Geduld. Je jünger Kinder sind, umso mehr Arbeit verursacht ihre Mithilfe. Doch langfristig zahlt sich die Geduld aus. Kinder, die früh lernen, mit dem Küchenmesser umzugehen, haben später wenig Mühe, die Kartoffeln für die ganze Familie zu schälen. Und wer als Kleinkind das Besteck aus der Spülmaschine in die Schublade räumen durfte, findet es als Primarschulkind ganz selbstverständlich, die gesamte Spülmaschine auszuräumen.

Im Haushalt klare Regeln vereinbaren

«Komm, hilf mal mit», hört niemand gern, der gerade mit einer anderen, schönen Beschäftigung begonnen hat. Kindern geht es da genauso wie Erwachsenen. Besser, als spontan mithelfen zu müssen, ist es für Kinder, ihre klar umrissene Aufgabe zu kennen und die Ämtli entsprechend einplanen zu können.

Sinnvoll ist es, in der Familie klare Regeln zu vereinbaren. Wer ist dafür zuständig, dass der Abfall in den Container draussen gelangt? Und wer wischt regelmässig den Tisch ab? Wichtig ist, dass Kinder eine Aufgabe wählen, die ihnen Spass macht. Dieses eigene, wichtige Amt im Haushalt macht Kinder stolz. Sie erleben das Gefühl, selber etwas zu können, und gewinnen auf diese Weise Selbstvertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten.

«Ich habe viel im Haushalt zu tun. Das ärgert mich, weil ich deshalb wenig Zeit für mein Näh-Hobby habe», so könnten Eltern das Gespräch mit ihren Kindern beginnen. «Ich wünsche mir, dass auch du eine Aufgabe übernimmst. Überleg dir doch mal, was du tun kannst und möchtest.» Vielleicht lässt sich die gewonnene Zeit am Abend in ein gemeinsames Spiel investieren?

So kann Ihr Kind Ämtli übernehmen

Primarschulkinder können zum Beispiel bereits:

  • ihr Bett machen
  • den Boden wischen
  • staubsaugen
  • abstauben
  • Abwaschen oder den Geschirrspüler ausräumen
  • den Tich abwischen
  • den Frühstückstisch decken
  • Abfall in den Container bringen (je nach Gewicht des Abfallsacks)

Älteren Kindern kann man bereits mehr Arbeiten übertragen:

  • Wäsche falten
  • Wäsche aufhängen
  • einkaufen
  • ein einfaches Mittagessen kochen

Wenn alle im Haushalt mithelfen, lässt sich ein Haushaltplan mit allen anfallenden Aufgaben anfertigen. Die Kinder können hinter jedem Ämtli aufmalen oder schreiben, wer zuständig ist. Oft ist die Bereitschaft, im Haushalt mitzuwirken, am Anfang gross, doch im Laufe der Zeit flaut die Motivation ab und Aufgaben bleiben unerfüllt liegen. Hilfreich ist in diesen Fällen ein offenes Gespräch. War die Zeit zu knapp? Oder fehlte einfach die Lust? Was würde dem Kind helfen, sein Amt mit mehr Freude zu erledigen?

Geld verdienen durch Ämtli

Sinnvoll ist, dass Kinder lernen, regelmässig anfallende Aufgaben im Haushalt ganz selbstverständlich zu erfüllen. Doch es gibt Arbeiten ausser der Reihe, die Eltern ruhig belohnen dürfen. Kinder freuen sich über ein paar Franken, wenn sie in der Wohnung Wände gestrichen, im Garten Unkraut gejätet oder einen Herbst lang Laub zusammengerecht haben. Ein solcher Job im Haushalt regt Kinder an, sich anzustrengen, um sich eigene Wünsche selbst zu erfüllen. Das macht selbstbewusst und stolz.

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