Ich will nicht einschlafen: Wie Rituale helfen können

Ach, wenn das Kind doch nur endlich einschlafen würde! Wie der Nachwuchs liebevoll in den Schlaf gebracht werden kann, erklärt Sabine Friedrich, Co-Autorin des Klassikers «Einschlafen, Durchschlafen und Ausschlafen».

Wenn Kinder nicht einschlafen

Viele Kinder haben Probleme mit dem Einschlafen. Bild: christingasner, iStockphoto, Thinkstock

«Ich will aber noch nicht ins Bett!», «Ich will aber nicht einschlafen!» - diese Sätze kennen die meisten Eltern besser als ihnen lieb ist.

Sabine Friedrich: Je nach Alter zeigt etwa ein Zehntel bis die Hälfte aller Kinder Zubettgeh-Probleme. Die Widerstände beim Zubettgehen können enorm sein! Und viele Kinder können einfach nicht einschlafen.

Warum wollen Kinder einfach nicht ins Bett?

Die Gründe, nicht ins Bett zu wollen, sind unterschiedlich. Eine Ursache kann sein, dass hinter der Weigerung, ins Bett zu gehen, eigentlich ein Kampf um mehr Unabhängigkeit steht. Kinder wollen wie die älteren Geschwister oder die Eltern sein: Wer lange aufbleibt, ist schon gross!

Können auch Ängste hinter der Abneigung vor dem Zubettgehen liegen?

Durchaus! Manche Kinder können nicht einschlafen, weil sie sich vor Geistern und Monstern fürchten. Andere haben grosse Sorge, der Schlaf könne sie von ihren Eltern trennen. Vor allem in den ersten Lebensjahren sind sich Kinder immer wieder unsicher, ob eine Trennung zur Bettzeit nicht endgültig ist. Spielen in diese Trennung dann auch noch Spannungen zwischen Eltern und Kind oder aktuelle Streitigkeiten hinein, verstärken sich diese Ängste.

Der Wunsch der Eltern, das Kind endlich ins Bett zu bekommen, kann dann vom Kind leicht so verstanden werden, als wollten es die Eltern loswerden oder abschieben.

Ja, dann wehrt es sich erst recht mit allen Mitteln, die es zur Verfügung hat, gegen das Bett oder den Schlaf.

Was können Eltern tun, damit Ihr Kind bereitwillig und geborgen einschläft?

Bettzeit-Rituale werden empfohlen, seitdem man überhaupt begonnen hat, sich um Kinder als Kinder zu kümmern. Wie ein solches Ritual aussehen kann, richtet sich in erster Linie nach den Gepflogenheiten in der Familie. Meist beginnt es mit ruhigem Spiel kurz vor dem eigentlichen Zubettgehen. Danach ziehen sich die Kinder um, waschen sich, putzen sich die Zähne. Schliesslich wird eine Geschichte vorgelesen, ein Lied gesungen oder ein Gebet gesprochen. Manche Kinder aber erzählen lieber noch etwas vom Tag oder lassen sich von den Eltern schildern, was am Tag geschehen ist. Zwei Dinge sind wichtig: Das Ritual sollte vom Kind inhaltlich mitbestimmt werden. Und es sollte jeden Abend weitgehend gleichförmig ablaufen.

Solche Rituale geben Sicherheit.

Ja, und deshalb mindern sie Ängste. Damit das Kind möglichst angstfrei ins Bett geht, können die Eltern auch auf kleine Einschlafhilfen zurückgreifen. Dazu gehört das Schmusetier oder die Lieblingspuppe, die über die Einsamkeit im Bett hinwegtrösten kann, aber auch das kleine Nachtlicht oder ein eingebauter Dimmer, damit das Zimmer nicht so dunkel ist.

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