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Sternenkinder: Wie Eltern Abschied nehmen und ihre Trauer verarbeiten

Babys, die zur Welt kommen, ohne je ihren Platz darin einnehmen zu dürfen, werden liebevoll «Sternenkinder» genannt. Zu erfahren, dass das eigene Kind im Bauch nicht mehr lebt oder bei der Geburt verstirbt, erschüttert zutiefst. Um gemeinsam Abschied zu nehmen und Erinnerungen zu schaffen, können Eltern von Sternenkindern in der Schweiz verschiedene Hilfsangebote nutzen.

Ein Kind an der Hand eines Engels

«Sternenkinder» werden sie liebevoll genannt: Babys, die nicht lebend zur Welt kommen. Bild: sdominick, Getty Images

Die Vorfreude auf Kai war gross. Doch dann, in der 21. Schwangerschaftswoche, waren keine Herztöne mehr zu hören. Kai ist ein Kind, das nur ein kurzes Leben hatte. «Sternenkind» wird er genannt. In der Schweiz unterstützen verschiedene Hilfsgruppen und -organisationen Eltern dabei, ihre Trauer zu verarbeiten und zu teilen. Und auch, um in Ruhe Abschied vom Kind nehmen zu können und die Trauer zu verarbeiten, gibt es einige Angebote für Eltern.

Sich von den eigenen Gefühlen leiten lassen

Gerade weil der gemeinsame Weg so kurz ist, ist er umso bedeutsamer. Eltern dürfen sich Zeit mit ihrem verstorbenen Baby nehmen. «Bei diesem Prozess ist es wesentlich, sich von den eigenen Gefühlen leiten zu lassen», weiss Madlaina Zindel, Mitarbeiterin der «Fachstelle Kindsverlust». «Was kann ich aus der Fürsorge für meine Tochter, meinen Sohn noch machen?» Was ist mir wichtig, mit dem Kind zu teilen?» So lasse sich die Beziehungsebene zum eigenen Kind stärken. «Die Beziehung wird das ganze Leben lang bleiben. Denn es wird immer das eigene Kind bleiben, auch wenn es gestorben ist.»

Der Verein «Stärnechind» hat viele Ideen gesammelt, wie Eltern von Sternenkindern direkt nach der Geburt Abschied nehmen und den Verlust so besser begreifen können. So können Sie Ihr Kind unter anderem waschen, baden, in den Armen halten, streicheln, anziehen, messen und wiegen, fotografieren und segnen lassen. «All das sind Handlungen, die später zu einer liebevollen Erinnerung werden können und sichtbar machen, dass es dieses Kind gegeben hat», sagt die Hebamme Madlaina Zindel. Eine wertvolle Möglichkeit bestehe auch darin, das eigene Kind mit nach Hause zu nehmen. So lässt sich in der Geborgenheit und im Schutz des eigenen Heims zusammen mit dem verstorbenen Kind trauern. Aber damit ist es natürlich nicht getan: Abschied zu nehmen ist ein langer Prozess. 

Tipps und Ideen, um Abschied zu nehmen und zu trauern

Erinnerungsstücke: Spuren, die das Kind «fassbar» machen, können dabei helfen. Solche Spuren können zum Beispiel kleine Hand- und Fussabdrücke, ein besonders schönes Foto, ein Tagebuch, ein selbstbemalter Gedenkstein, Kleidungsstücke oder eine Haarsträhne des kleinen Menschen sein.

Ein Name für eine kleine Persönlichkeit: Sternenkinder bekommen von ihren Eltern meistens einen Namen, die ihre Individualität und ihre Persönlichkeit herausstellen. Dieser Name lässt sich auf dem Zivilstandesamt im Personenstandsregister auf Wunsch eines Elternteils beurkunden. Für die Mutter und den Vater kann es tröstend sein zu wissen, dass das kurze Leben ihres Sternenkindes formal dokumentiert ist.

Trauerfeier und Bestattung: Zum Abschiednehmen gehört für viele Eltern die Bestattung. Sie können ihr Kind kremieren lassen und die Urne mit nach Hause nehmen. Später lässt sich die Urne in der Natur oder einem Gemeinschaftsgrab beisetzen. Eltern können sich aber auch für eine Erdbestattung an einem für sie besonderen Ort in der Natur oder in einem Gemeinschaftsgrab entscheiden. In verschiedenen Schweizer Städten und Gemeinden gibt es spezielle Grabfelder und Gemeinschaftsgräber für frühstverstorbene Kinder. Die Fachstelle Kindsverlust hat Grabfelder und Gedenkstätten auf ihrer Webseite aufgelistet.

Auch Geschwisterkinder trauern

Geschwisterkinder haben je nach Alter verschiedene Vorstellungen vom Sterben und vom Tod und drücken ihre Gefühle individuell aus. «Es ist hilfreich und wertvoll, Geschwisterkinder von Beginn an ins Geschehen miteinzubeziehen und ehrlich mit ihnen zu sein», erklärt Madlaina Zindel. Auch Geschwisterkinder könnten aktiv etwas tun, um ihre Gefühle und Trauer auszudrücken: zum Beispiel Kleider auswählen, den Sarg bemalen, oder ein Bild für das Sternenkind zeichnen. «Auch für Nachfolgekinder kann es wichtig und heilsam sein zu wissen, dass vor ihnen bereits ein Kind da war und sie ein älteres Geschwister haben, das nicht mehr hier ist.»

Ein nächstes Kind nach dem Verlust

Nach einer Fehlgeburt oder Totgeburt wieder schwanger zu sein, stellt betroffene Frauen und Paare vor neue Herausforderungen. Madlaina Zindel weiss: «Häufig wird die Schwangerschaft von vielen Fragen und Gefühlen der Unsicherheit und Angst begleitet. Eine professionelle Begleitung kann helfen, wieder Vertrauen zu gewinnen, Ängste abzubauen und gestärkt weiterzugehen.» Die Fachstelle Kindsverlust.ch vermittelt kostenlos eine spezialisierte Hebamme und weitere Fachpersonen. Die Krankenkassen übernehmen diese Leistungen.

Angebote für Eltern von Sternenkindern

Spezielle Angebote wie Informationen und Broschüren, ein Foto von einem professionellen Fotografen oder Erinnerungsboxen für Mütter und Väter von Sternenkindern können sie in der schwierigen Situation unterstützen.

Wichtige Ansprechpartner für Eltern

Die unabhängige Non-Profit-Organisation «Fachstelle Kindsverlust» aus Bern bietet betroffenen Eltern während Schwangerschaft, Geburt und erster Lebenszeit unter der Telefonnummer 031 333 33 60 und unter der E-Mail-Adresse fachstelle@kindsverlust.ch kostenlose Beratung an. Darüber hinaus finden sich auf ihrer Homepage kostenlose Fachbroschüren zu verschiedenen Themen, Informationen zu hilfreichen Adressen und Angeboten, rechtlichen Fragen und Bestattung, Gedenkstätten und Gedenkfeiern. Der Verein Stärnechind.ch stellt eine kostenlose Begleitbroschüre zur Verfügung. Darin finden sich viele wichtige Informationen für Angehörige von Sternenkindern rund um die Geburt, die gemeinsame Zeit und die Bestattung des toten Babys. Den Verein «Himmelskind» tragen sechs Frauen, die selber Mütter von Sternenkindern sind. Sie stehen anderen betroffenen Eltern schon ab der Diagnose begleitend und beratend zur Seite. Sie organisieren einen Fotograf oder eine Fotografin, informieren über die Bestattung und helfen, sie zu organisieren. Darüber hinaus besteht ihre Arbeit darin, finanzielle Fragen zu klären und weitere Hilfsangebote zu empfehlen.

Kleider und Erinnerungsbox für Sternenkinder

Der Verein «Stärnechind» stellt für Sternenkinder Kleidung wie Kleider, Mützchen und Einschlagtücher her, die Eltern in der Klinik erhalten. Ausserdem gestaltet der Verein Erinnerungsboxen: Eine Box zur Erinnerung enthält unter anderem eine zweiteilige Herzkette aus Ton, von dem ein Herz dem Kind auf seine letzte Reise mitgegeben werden kann. «Damit möchten wir Eltern die Zeit der Trauer ein bisschen erleichtern», so der Verein. «Die Box soll den Eltern zur Aufbewahrung persönlicher Sachen dienen, die sie mit der kurzen, aber wertvollen Zeit mit ihrem Kind in Verbindung bringen können.»

Ein professionelles Foto vom Fotografen

Der Verein «Herzensbilder» macht kostenlose professionelle Fotografien von Familien, in denen ein Kind oder Elternteil schwer erkrankt ist oder ein Kind viel zu früh oder tot geboren wird. Jedes Foto wird zu einem Herzensbild, weil es Verbundenheit, Tapferkeit und Liebe versinnbildlicht. Auf der Seite sind viele der Herzensbilder – wunderschön fotografiert – zu finden. Auch die Stiftung «Dein Sternenkind» vermittelt einen professionellen Fotografen oder eine Fotografin in der Schweiz, Deutschland und Österreich – die Fotos erhalten die Eltern kostenlos. «Dein Sternenkind» ist Preisträger des Deutschen Engagementpreises 2017 – denn ein Foto kann viel Trost spenden.

Wo Eltern von Sternenkindern Trauer teilen können

Die Kontaktplattform «Sternenkinder Eltern» gibt Eltern von Sternenkindern die Möglichkeit, sich zu vernetzen und mit anderen Betroffenen die tiefe Trauer zu teilen. Denn es ist wichtig, sich verstanden zu fühlen, ohne sich gross erklären zu müssen. Erfahrungsberichte betroffener Mütter und Väter, die ihr Kind früh verloren haben, finden sich auf der Seite von «Sternenbaby». «Regenbogen Schweiz» ist eine Vereinigung von Eltern, die um ein verstorbenes Kind trauern. Die Arbeit des Vereins besteht darin, Selbsthilfegruppen zu unterstützen. Auf der Seite finden sich Selbsthilfegruppen in der Region.