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Schwierigkeiten beim Sprechen: Wann muss mein Kind zur Logopädie?

Wenn das eigene Kind in der Sprachentwicklung langsamer als Gleichaltrige oder schlecht zu verstehen ist, machen Eltern sich schnell Sorgen. Doch wann sollte ein Kind zur Logopädie? Edith Volmer, Vizepräsidentin des Deutschschweizer Logopädinnen- und Logopädenverbandes (DLV) hat auf diese Frage klare Antworten.

Junges Mädchen bei der Logopädie.

Die Aussprache der Buchstaben «S» oder «R» fällt vielen Kindern schwer. Bild: KatarzynaBialasiewicz, Getty Images

Das Wichtigste in Kürze:

  • Kinder brauchen Logopädie, wenn das Umfeld sie nur schlecht verstehen kann.
  • Eine logopädische Therapie ist für Kinder wichtig, die mit zwei Jahren weniger als 50 Wörter nutzen oder mit zwei oder drei Jahren nur einzelne Wörter sprechen.
  • Eltern sollten sich an eine Logopädin oder einen Logopäden wenden, wenn sie Fragen zur sprachlichen Entwicklung ihres Kindes haben.
  • Viele Kinder lernen das „R“ und das „Sch“ erst im Alter von sechs Jahren.
  • Logopädie mit Kindern verläuft spielerisch.
  • In der Schweiz entstehen für Eltern keine Kosten für die logopädische Behandlung ihres Kindes.

Wann muss ein Kind zur Logopädie?

Viele Eltern kennen die Unsicherheit, ob sie mit ihrem Kind zur Logopädin oder zum Logopäden gehen sollen oder nicht. Doch wann ist eine Behandlung notwendig? Edith Volmer vom DLV hat Antworten:

1 «Wenn Eltern sich fragen, ob ihr Kind Unterstützung in der sprachlichen Entwicklung braucht, ist es immer wichtig, mit einer Logopädin oder einem Logopäden ins Gespräch zu kommen. Denn wenn Eltern sich Sorgen machen, brauchen sie Antworten.»

2 «Ein Kind benötigt Logopädie, wenn es schlecht vom Umfeld verstanden wird oder selbst nicht versteht, was das Umfeld sagt.»

Auffälligkeiten, bei denen eine logopädische Behandlung sinnvoll ist

  • Wenige Wörter:

«Ein erstes Indiz für die Notwendigkeit von Logopädie ist, dass ein Kind im Alter von 24 Monaten weniger als 50 Wörter spricht», erklärt Edith Volmer im Interview. Wichtig sei die Therapie in diesem Fall deshalb, weil ein Kind, das nur wenige Wörter und vor allem Nomen kennt, kaum Grammatik lernen kann. «Es muss auch Verben nutzen, um einen Zweiwortsatz bilden zu können wie „Mama essen.» Ein geringer Wortschatz sei eine der Ursachen für Therapie im Vorschulalter.

  • Einzelne Wörter:

Spricht ein Kind im Alter von zwei oder drei Jahren nur einzelne Wörter und keine Zwei- oder Mehrwortsätze, braucht es in der Regel ebenfalls eine Intervention in einer logopädischen Praxis.

  • Unverständliche Aussprache:

Relativ häufig kommt es vor, dass ein Kind mit drei oder vier Jahren zwar viel spricht, aber seine Aussprache unverständlich ist. Ursache kann zum Beispiel sein, dass es viele Konsonanten durch den Laut «G» ersetzt. Andere in diesem Alter haben Schwierigkeiten im Redefluss, weil sie zum Beispiel stottern. In all diesen Fällen kann die Logopädin weiterhelfen.

«Am besten sollten Eltern früh eine Einschätzung bei der Logopädin holen», dieser Tipp liegt Edith Volmer besonders am Herzen. «Dann sind Sie immer auf der sicheren Seite.» In manchen Fällen sei zunächst keine Behandlung notwendig. «Leidet aber das Kind selbst, weil es nicht verstanden oder verspottet wird, braucht es Hilfe.»

Wann müssen Kinder das R sprechen können?

«R» und «Sch» sind sehr schwierige Laute. Diese Laute nicht aussprechen zu können, ist bei einem Vierjährigen kein Grund für Logopädie. Dass im Vorschulalter noch immer das «R» durch «L» ersetzt oder das «Sch» wie ein «S» ausgesprochen wird, ist altersentsprechend. Edith Volmer: «Kinder haben Zeit, diese Laute von selbst zu lernen, bis sie sechs Jahre sind.»

Was wird bei der Logopädie gemacht?

«Logopädische Behandlungen können sehr unterschiedlich sein, da meist mehrere sprachliche Schwierigkeiten zusammenkommen. Ausserdem können die Kinder verschiedene Interessen haben und sind in unterschiedlichem Alter», erklärt Edith Volmer auf die Frage, wie Logopädie abläuft. Bei der Wahl der Behandlung seien vor allem zwei Fragen entscheidend: Welchen Schritt muss das Kind in seiner sprachlichen Entwicklung als nächstes machen? Welche Fähigkeiten, die das Kind noch nicht hat, würden ihm am meisten im Alltag helfen?

Wenn ein Kind zum Beispiel einen kleinen Wortschatz hat, liegt das Ziel der Behandlung nicht darin, ihm mehr Begriffe beizubringen. «Mit der logopädischen Behandlung soll stattdessen erreicht werden, dass es in einem ersten Schritt in die Lage kommt, von sich aus Fragen zu stellen.» Was bedeutet das? Was kann man damit machen? Wozu ist das gut? So könnten diese Fragen lauten. Auf diese Weise lerne das Kind, in Gespräche zu kommen, neue Wörter zu verstehen und sich anzueignen, erklärt Volmer.

«Jede Übung hat ein logopädisches Ziel», betont Edith Volmer. Wichtig sei eine spielerische Förderung, vor allem im Vorschulalter. «Denn ohne Spiel keine Sprache und ohne Sprache kein Spiel», macht sie den Zusammenhang deutlich. Regel- und Rollenspiele, zum Beispiel das Spiel mit dem Verkaufsladen, seien gut geeignet, um Sprache zu vermitteln.

Woran wird in der Logopädie gearbeitet?

🗣️ Sprache: Wortschatz, Grammatik, Erzählkompetenz, Sprachverständnis

🗣️ Kommunikation

🗣️ Redefluss

🗣️ Aussprache

🗣️ Koordination von Stimme, Artikulation, Atmung und Muskulatur

🗣️ Schlucken

🗣️ Erwerb der Schriftsprache, also Lesen und Schreiben

Wie oft muss man zur Logopädie?

Vorschulkinder kommen in der Regel zweimal in der Woche je 60 Minuten zur Logopädie. Die Förderung dauert zunächst drei bis vier Monate, bevor mehrere Monate Pause ist – Gelegenheit, den Input der Behandlung in den Alltag zu integrieren. Danach beginnt eine neue Runde Therapie, wieder in einer Länge von drei bis vier Monaten. Schulkinder, die eine logopädische Förderung brauchen, gehen meist einmal wöchentlich 30 bis 45 Minuten zur Therapie.

Wer zahlt die Logopädie?

Für die Eltern fallen keine Kosten an, wenn ihr Kind logopädisch behandelt wird. «Allerdings muss der Bedarf ausgewiesen sein», erklärt Edith Volmer. Soll es sprachlich unterstützt werden, übernimmt der Kanton oder die Gemeinde die Kosten. Geht es um medizinische Probleme, zahlt die Krankenversicherung nach einer ärztlichen Verordnung.

In die Logopädie ohne Überweisung – geht das?

Eltern können mit ihrem Kind direkt zur Logopädin gehen, wenn sie sich um die sprachliche Kommunikation ihres Kindes sorgen. Alternativ können sie auch zuerst mit dem Kinderarzt sprechen, der über Adressen von Logopädinnen und Logopäden vor Ort verfügt. Eine Überweisung vom Kinderarzt benötigen sie je nach Kanton nur dann, wenn es um ein medizinisches Problem wie zum Beispiel um Schluckstörungen geht.

Weiterführender Links:

Informationsflyer des Deutschschweizer Logopädinnen- und Logopädenverband (DLV): Wie spricht mein Kind?

Informationsflyer des Deutschschweizer Logopädinnen- und Logopädenverband (DLV): Kindliche Schluckstörungen und Fütterstörungen

Wann muss mein Kind zur Logopädie?

Grundsätzlich sollten Eltern mit einer Logopädin oder einem Logopäden ins Gespräch kommen, wenn sie sich Gedanken über die sprachliche Entwicklung des Kindes machen. Etwa, wenn das Kind vom Umfeld schlecht verstanden wird oder selbst nicht viel versteht.

Bei welchen Auffälligkeiten ist Logopädie sinnvoll?

Wenn ein zweijähriges Kind weniger als 50 Wörter spricht, wenn es mit zwei oder drei Jahren nur einzelne Wörter und keine Zwei- oder Mehrwortsätze sagt, wenn die Aussprache mit drei oder vier Jahren noch sehr undeutlich ist.

Wann sollten Kinder das «R» sprechen können?

«R» und «Sch» sind schwierige Laute. Oft können Kinder sie auch im Voschulalter noch nicht richtig aussprechen. Ab einem Alter von 6 Jahren sollte die Aussprache des «Rs» jedoch gelingen.

Wie oft muss man zur Logopädie?

Vorschulkinder mit Sprachschwierigkeiten gehen in der Regel zweimal wöchentlich je 60 Minuten zur Logopädie. Schulkinder, die logopädische Förderung brauchen, gehen üblicherweise einmal pro Woche je 30 bis 45 Minuten zur Logopädie.

Wer zahlt die Logopädie?

Für Eltern fallen keine Kosten an, wenn das Kind zur Logopädie geht. Der Bedarf muss allerdings ausgewiesen sein.