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Zyklus App: Mit Vorsicht zu geniessen

Natürlich verhüten, ohne Pille, dafür mit einer Zyklus-App – das ist eine Idee, die attraktiv klingt. Doch es ist wichtig, einige Aspekte zu beachten, um sich auf eine solche App verlassen zu können.

Nicht alle Zyklus-Apps eignen sich zur Verhütung.

Nicht jede Zyklus-App, die es auf dem Markt gibt, eignet sich zur Verhütung. Bild: Aleksandr Koltyrin, Getty Images

Wann war die letzte Periode? Frauen, die natürlich verhüten möchten, brauchen diese und andere Angaben, um ihre fruchtbaren Tage von den unfruchtbaren Tagen zu unterscheiden. Zu den fruchtbaren Tagen gehören in etwa die fünf Tage vor dem Eisprung und 12 bis 24 Stunden nach dem Eisprung.

Unterschieden wird dabei zwischen Apps, die nur als Eisprungkalender oder Zykluskalender benutzt werden können, und zwischen richtigen Zyklus-Apps, die den Eisprung und die nächste Periode berechnen und sich somit als sichere Methode eignen, mit der Sie verhüten können.

Vorteile dieser Methode der Verhütung

Für die natürliche Verhütung eine Zyklus-App zu nutzen und somit auf die Pille zu verzichten, erscheint praktisch und damit verlockend. Denn der digitale Zykluskalender ist auf dem Handy stets verfügbar. Ausserdem muss nicht mehr täglich an die Einnahme der Pille gedacht werden. Viele setzen die Pille auch wegen ihrer Gesundheit ab.

Die App erspart der Anwenderin Zeit und Energie, weil die eingetragenen Daten im Kalender von alleine ausgewertet werden. Der Zykluskalender auf der App zeigt also an, wann voraussichtlich der nächste Eisprung einsetzen wird, wann die fruchtbaren Tage eintreten könnten und wann die nächste Periode stattfinden wird. Diese Messungen werden dann alle in einem digitalen Kalender auf dem Handy abgefragt, eingetragen und mithilfe der symptothermalen Methode ausgewertet.

Wer sicher verhüten möchte, kann dann ausserhalb der fruchtbaren Tage Geschlechtsverkehr haben. Bei Kinderwunsch wird der Zyklus im Eisprungkalender genau beobachtet, um erfolgreich schwanger zu werden. Diese Methode kann also sowohl zur Verhütung als auch bei bestehendem Kinderwunsch gezielt eingesetzt werden.

Nachteile dieser Methode der Verhütung

Doch leider gibt es nicht nur Vorteile. Ein besonders schwerwiegender Nachteil ist, dass sich Frauen auf viele Apps nicht verlassen können, wenn es um die Verhütung oder sogar den Kinderwunsch geht. Als die Stiftung Warentest die Zyklus Apps prüfte, stellte sie schnell fest, dass Anwendungen, die Millionen Mal herunter geladen worden waren, schlichtweg mangelhaft sind. Der Grund: Sie berücksichtigen Zyklusschwankungen nicht ausreichend, weil es sich um einfache Zykluskalender handelt, die einfach nur den Eisprung schätzen und nicht genau berechnen. Denn nur Apps mit richtigen Zyklusblättern können jeden Monat genauere und damit verlässlichere Vorhersagen machen. Dabei berücksichtigen sie mehr Angaben wie Messungen der Körpertemperatur und des Zervixschleims, möglicherweise auch Veränderungen des Gebärmutterhalses, Blutungsstärke und Blutungsdauer, Brustschmerzen, Mittelschmerz, Stimmung und Libido. Nur die symptothermale Methode kann dann Aufschluss über den Zyklus, insbesondere den Eisprung geben und als Verhütungsmethode genutzt werden.

Ein weiterer Nachteil der Apps besteht darin, dass solche sehr persönlichen Angaben der Anwenderinnen bei vielen keineswegs sicher aufgehoben sind. Denn die Daten werden meist zentral auf den Servern des jeweiligen Unternehmens gespeichert. Grundsätzlich lässt sich aus ihnen eine Menge ablesen, vor allem dann, wenn die App mehr als nur die Tage der Periode abfragt. Wann hatte die Frau Sex? Wie ist die Stimmung? Wurde verhütet? Wurde masturbiert? Wurde geraucht? Je mehr solcher sensiblen Daten eingegeben werden, umso genauer wird das Profil der Anwenderin. Hinweise auf Krankheiten, Kinderwunsch, Schwangerschaft, Periode oder allgemeine Informationen über die Gesundheit sind dann Grundlage für Produktwerbung. Der Stiftung Warentest zufolge leiteten manche Apps den Namen und Geburtstag der Nutzerin oder Tracking-Informationen für gezielte Werbung weiter. Lediglich die folgenden drei Apps wurden im Test von Ende 2017 für gut befunden.

Die drei besten Zyklus-Apps

Lady Cycle

Die Prognosen bei Lady Cycle gelten als relativ sicher. Auch in anderen Punkten schneidet sie in Tests gut ab. So lässt sie sich zum Beispiel leicht handhaben. Der Datenschutz scheint gewährleistet zu sein. Weder Login noch Internetverbindung sind erforderlich. Lady Cycle selbst versichert, dass persönliche Daten nur lokal auf dem Gerät gespeichert und niemals an Dritte weitergegeben werden. Lady Cycle gibt es auf Google Play und demnächst im App Store.

2 MyNFP

MyNFP ist für Android und iOS erhältlich. Auch sie arbeitet mit der symptothermalen Methode: Der Eisprung wird anhand von Körpersymptomen berechnet. Somit eignet sich MyNFP als sichere Verhütungsmethode. Die drei wichtigsten Symptome sind dabei Basaltemperatur, Zervixschleim und Gebärmutterhals/Muttermund. MyNFP ist unkompliziert in der Handhabung. Informationen, die Anwenderinnen in die App eingetragen, wandern TLS-verschlüsselt auf einen Server des Betreibers. So lässt sich auch von anderen Endgeräten aus auf die App zugreifen. Die ersten drei Monate ist die Nutzung der App kostenlos. Danach kostet sie je nach Version von 9.70 Franken bis 29 Franken.

Lily

Lily ist für iOS verfügbar und dürfte all diejenigen erfreuen, die auf Privatsphäre grossen Wert legen. Denn alle privaten Daten werden nur auf dem Telefon abgespeichert. Der Appbetreiber versichert, dass es keine Back-ups auf seinen Servern gibt und er nicht die technischen Möglichkeiten hat, auf die Handydaten aus der Ferne zuzugreifen. Userinnen können wählen, ob die Zyklus App Informationen nur aufgrund der Durchschnittswerte mathematisch errechnen soll, oder ob sie weitere Daten eingeben, die eine genauere Prognose ermöglichen.

Fazit

Natürlich kann jede Frau selbst entscheiden, ob sie intime Daten einer App zur Verfügung stellen möchte oder nicht. Sollte sie sich dafür entscheiden, sollte sie wissen, dass die einfachen Zyklus-Apps im Prinzip digitale Menstruationskalender sind. Auf ihnen lässt sich ablesen, wie regelmässig ein Zyklus ist – sonst aber nichts. Auch eine Zyklusblatt-basierte App ist kein Verhütungsmittel. Sie kann aber eine Frau bei der natürlichen Verhütung unterstützen.