Cyber-Mobbing: So können Sie Ihren Kindern helfen

Die vielfältigen Möglichkeiten der Selbstdarstellung und der Kommunikation in der digitalen Welt haben bekanntlich auch ihre Schattenseiten. Eine davon ist das Cyber-Mobbing, mit dem Kinder heute häufiger konfrontiert werden als Erwachsene meinen.

Cybermobbing: So helfen Sie

Eltern können Kinder bei Cyber-Mobbing helfen. Foto: iStock, Thinkstock

Hänseln, Blossstellen und Beschimpfen – solche Vorkommnisse auf dem Pausenhof gibt es bestimmt nicht erst seit der Erfindung des Internets. Was beim sogenannten «Cyber-Mobbing» oder «Cyberbullying» allerdings neu ist und eine neue, nicht zu unterschätzende Gefahr darstellt, ist die Loslösung von Ort und Zeit. Kinder und Jugendliche sind im Internet pausenlos angreifbar; die Täter manchmal sogar anonym und nicht so einfach zu identifizieren wie auf einem Spielplatz.

Man unterscheidet verschiedene Übergriffe, die als Cyber-Mobbing bezeichnet werden. Beleidigungen und Beschimpfungen erfolgen zumeist in öffentlichen Beiträgen, also in Foren oder als Kommentar zu einem Bild. Das Weiterleiten oder gar Veröffentlichen von Bildern und privater Nachrichten wird gezielt zum Blossstellen des Opfers eingesetzt. Manchmal wird den betroffenen Kindern auch mit körperlicher Gewalt gedroht. Den wiederholten und eindringlichen Drohungen folgt selten tatsächlich eine physische Auseinandersetzung. Die Ängste, die beim Opfer ausgelöst werden, gelten jedoch ganz klar als psychologische Gewalt.

«Soziale Netzwerke vereinen alle Kanäle, die für einen Täter von Bedeutung sind», erklärt Eveline Hipeli Müller vom Schweizerischen Institut für Kinder- und Jugendmedien im Interview mit Swisscom. «Private Nachrichten, öffentliche Beiträge, die Veröffentlichung von Fotos und Chatmöglichkeiten und die Tatsache, dass die grosse Masse auf sozialen Netzwerken miteinander kommuniziert, machen diese Plattformen zu den Hauptträgern von Cybermobbing.»

Cyber-Mobbing ist eine brandaktuelle Problematik

Das Thema Cyber-Mobbing ist in den Medien immer wieder präsent. Der Film «Homevideo» beispielsweise handelt von Jakob, einem 15-jährigen Teenager, der von seinen Mitschülern heftig gemobbt wird, vor allem durch die Verbreitung persönlicher Inhalte im Internet.
Weitere Infos über den Film: wikipedia.org

 

Cyber-Mobbing: Jeder zehnte Schweizer Jugendliche ist betroffen

Es ist schwer zu sagen, wie viele Kinder in der Schweiz oder weltweit vom Phänomen Cyber-Mobbing betroffen sind. Die erschreckendsten Fälle werden oft in den Medien aufgegriffen. Vieles bleibt aber unentdeckt. Die Europäische Kommission geht davon aus, dass jeder fünfte Jugendliche in der westlichen Welt bereits Opfer von «Pöbeleien» im Internet wurde. Mädchen seien dabei öfter betroffen als Jungen. Im JAMES-Bericht der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) steht, dass an rund zehn Prozent der Schweizer Kinder und Jugendlichen schon einmal beleidigende Texte oder Bilder verschickt wurden.

Naivität und übermässiges Vertrauen zum Gegenüber führen dazu, dass Kinder und Jugendliche in Erpressungs- und Belästigungssituationen gelangen. Die Opfer sind oft von Scham und Schuldgefühlen geplagt und können daher mit niemandem über ihr Problem sprechen.

Für Eltern ist es oft sehr schwierig, auf das schikanierte Kind zuzugehen und ihm zu helfen. Eine im vergangenen Sommer veröffentlichte Studie aus England besagte, dass 39 Prozent der belästigten Kinder die sozialen Kontakte kappten und mehr als die Hälfte der Befragten nach Mobbing-Angriffen keine Hilfe von Aussenstehenden ersuchte.

Cybermobbing: Erste Ansprechpartner sind die Freunde.

Jugendliche wenden sich in Cyber-Mobbing-Situationen lieber an gute Freunde als an die Eltern. Foto: © Yuri Arkurs | Fotolia.com

Die Medienexpertin Eveline Hipeli Müller erklärt: «Der erste Schritt sollte von den Opfern kommen. Das Wichtigste ist, dass sie sich jemandem öffnen, sei es dem besten Freund oder der besten Freundin, der Lehrperson oder den Eltern.» Viele Jugendliche würden sich bei Problemen dieser Art am ehesten an gleichaltrige Freunde wenden, nicht an die Eltern. «Jugendliche sehen das Internet als Teenbiotop, in dem die Erwachsenen nichts zu suchen haben», schreibt Journalist Christian Buss in einem spiegel.de-Beitrag.

 

 

Wie erkennen Sie Cyber-Mobbing-Opfer?

Viele Cyber-Mobbing-Opfer möchten nicht über ihr Problem sprechen. Die Internet-Plattform für Medienerziehung «Schau Hin!» zählt einige Verhaltensweisen auf, bei denen Eltern das Gespräch suchen sollten.

  • Ihr Kind ist aggressiv und verschlossen. Es reagiert auf kleine Alltäglichkeiten überempfindlich.
  • Es verliert die Motivation für die Schule. Ein starker Leistungsabfall wird deutlich.
  • Gesundheitliche Probleme wie Schlafmangel, Bauch- und Kopfschmerzen tauchen auf. Ihr Kind beharrt darauf, deswegen nicht zur Schule gehen zu wollen.
  • Bei direktem Ansprechen verharmlost Ihr Kind das Thema Mobbing sehr auffällig.

 

Werden die Eltern doch um ihren Rat gebeten, müssen sie schnell handeln. Sie müssen ihren Kindern beweisen, dass sie sich auch in unangenehmen Lagen an sie wenden können. Zusammen müssen Eltern und Kind die Begebenheiten genau dokumentieren. Oft identifiziert man dadurch die Täter, da sie häufig aus dem persönlichen Umfeld des Kindes stammen. Eine Kontaktaufnahme mit den Eltern des Täters ist unerlässlich. Sollte nichts helfen, muss man rechtliche Schritte einleiten.

Im Schweizer Recht finden sich zwar keine ausdrücklichen Gesetzesbestimmungen, die Cyber-Mobbing direkt verurteilen. Der Bundesrat vermerkte jedoch in einem 2010 erlassenen Bericht zum Thema, dass bei Cyber-Mobbing-Übergriffen die bereits bestehenden Bestimmungen zu Erpressung, Üble Nachrede, Verleumdung und Drohung für eine Ahndung der Täter ausreichend sind.

Cybermobbing-Prävention: «Das Gespräch ist entscheidend»

So weit muss es aber nicht kommen. Es ist durchaus möglich, Cybermobbing vorzubeugen. Wenn das Kind beginnt, Interesse für das Internet und für soziale Netzwerke zu zeigen, können Eltern mit ihm über die möglichen Gefahren des Cybermobbings sprechen. «Coping-Strategie» (Bewältigungsstrategie) nennt Eveline Hipeli Müller diese Vorgehensweise. «Selbst wenn Kinder denken, so etwas könnte ihnen nie passieren, bleibt eine solche Unterhaltung immer im Hinterkopf», erklärt sie. «Vor allem ist aber wichtig: Reden, reden, reden. Das Gespräch ist wie bei allen Medien-Themen entscheidend.»

Für viele eine sehr effektive Massnahme ist die Sensibilisierung in der Schulklasse. Der Hauptdarsteller im Film «Homevideo», Jonas Nay, findet aber, dass nicht Lehrer über Cybermobbing aufklären sollten. «Viele Teenager empfinden es als seltsam, von ihrer Elterngeneration über das Internet aufgeklärt zu werden. Sinnvoller wäre vielleicht der Austausch mit älteren Schülern.»

Swisscom Enter - Der Medienratgeber für Eltern

Möchten Sie mit alltagsgerechten Tipps Ihr Kind vor den Gefahren des Internets bewahren? Ist Ihnen das Gespräch mit Ihrem Kind zwar wichtig, Sie wissen aber nicht, wie Sie das heikle Thema ansprechen sollen? Swisscom Enter hilft.
Die Broschüre der Swisscom zum Thema Medienkompetenzförderung kann kostenlos hier bestellt werden: swisscom.ch/enter. Zudem finden Sie unter diesem Link einen Medienkompetenztest für Sie und Ihre Kinder.

Weiterführende Links zum Thema Cybermobbing

  • Infos über die Schweizer Rechtslage zu Übergriffen im Netz erhalten Sie von der Eidgenössischen Fachstelle: cybercrime.admin.ch
  • Das vollständige Video-Interview von Swisscom mit der Medienexpertin Eveline Hipeli Müller sehen Sie hier: swisscom.ch

 

 

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