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Wie Eltern Mobbing frühzeitig erkennen können

Oft leiden Kinder bereits zu lange unter Mobbing, bis ihre Eltern das ganze Ausmass erkennen. Diese Tipps von Anti-Mobbing-Coach Laura Ackermann helfen, Probleme frühzeitig zu erkennen.

Eltern können Mobbing frühzeitig erkennen.

Mein Kind, wie geht es dir wirklich? Foto: Bekah Russom, Unsplash

Mobbing-Prävention zu betreiben gehört zu meinen Hauptaufgaben. Es liegt mir sehr am Herzen, Eltern, Schulen und die Kinder selbst über Mobbing aufzuklären. Oft ist das Problem, dass die Kinder sich ihren Eltern nicht mitteilen. Erst Monate später erfährt man vom Mobbing am eigenen Kind und steht vor einem Scherbenhaufen, aus dem man dann völlig spontan noch etwas retten soll.

Mobbing ist nicht nur für Kinder grausam, sondern auch für die betroffenen Eltern. Man fühlt sich extrem hilflos, allein gelassen, unverstanden und man sieht zu, wie es dem eigenen Kind schlechter und schlechter geht. Das ist für kein Familienmitglied ein angenehmer Zustand.

Die Situation spitzt sich von Tag zu Tag zu. Ich habe aber eine gute Nachricht für Sie. Es gibt nämlich durchaus Dinge, die man präventiv gegen Mobbing unternehmen kann oder mit denen es möglich ist, Mobbing schon im Keim zu erkennen und zu ersticken.

4 Tipps, die Sie im Alltag anwenden können:

1 Fragen Sie nach!

Lassen Sie sich von Ihrem Kind nicht abwimmeln, wenn Sie Fragen zum Schulalltag stellen. Ich weiss, gerade Teenager sind nicht unbedingt scharf darauf, sich mit ihren Eltern auszutauschen. Aber gerade in dieser Phase ist es wichtig, dass Sie den Kontakt zu Ihrem Kind nicht verlieren. Bleiben Sie interessiert.

Fragen Sie nach Situationen in der Schule. Habt ihr Gruppen? Gibt es viele Schlägereien? Gibt es Aussenseiter? Wer ist der Chef der Klasse? Mit wem bist du in der Schule zusammen? Mit wem bist du nach der Schule unterwegs? Gibt es eine Pausenaufsicht? Wie reagiert der Lehrer bei Auseinandersetzungen? Bauen Sie diese Fragen in ganz alltägliche Situationen ein und behalten Sie so den Überblick. 

2 Hören Sie zu!

Falls ihr Kind in einen Konflikt gerät, wird es versuchen, Ihnen davon zu berichten. Das tut es genau ein- bis zweimal. Wenn es von Ihnen nicht ernst genommen wird, wird es der letzte Versuch gewesen sein, Sie zu informieren.

Antworten wie: «Da musst du jetzt durch!» «Ich habe es auch überlebt.» «Reiss dich zusammen!» «Du musst dich halt wehren!», sind absolut nutzlose und gefährliche Aussagen! Wie soll man sich angesichts solcher Antworten als Kind ernst genommen fühlen? Das einzige, was man lernt, ist: Ich bin auf mich alleine gestellt. Wenn dieser Konflikt sich zu Mobbing ausweitet, dann werden Sie die letzten sein, die davon erfahren. Lassen Sie das nicht zu! Hören Sie Ihrem Kind zu! Es gibt Gründe, warum es Ihnen Dinge erzählt!

3 Verlassen Sie sich auf Ihr Gefühl

Der elterliche Instinkt ist stark und Sie sollten sich wenn möglich darauf verlassen. Sie haben ein ungutes Gefühl? Etwas an Ihrem Kind ist anders? Es verhält sich nicht wie sonst? Ist ruhiger? Isst weniger? Will nicht mehr raus zum Spielen? Will partout nicht mehr zur Schule? Schläft unruhig oder gar nicht mehr? Es hat Kopf- oder Bauchschmerzen und es isoliert sich und will keine Verabredungen mehr treffen?

Seien Sie wachsam! Ihr Gefühl ist meistens richtig. Versuchen Sie mit Ihrem Kind zu reden und herauszufinden, was genau los ist. Falls Sie solche Symptome an Ihrem Kind feststellen, dann bleiben Sie unbedingt am Ball und finden Sie heraus, was los ist.

Sprechen Sie auch mit der Lehrperson und informieren Sie sich über deren Beobachtung. So kann auch die Schule ein zusätzliches Auge auf Ihr Kind haben.

4 Sagen Sie es jeden Tag!

Auch den Eltern im Coaching sage ich es stets wieder und wieder. Es ist gut, wenn sie regelmässig hören: «Mein Schatz, ich liebe dich! Du kannst dich immer auf mich verlassen! Ich werde dir helfen, was auch immer passiert ist. Vor mir muss dir niemals etwas peinlich oder unangenehm sein. Ich werde dir immer glauben und dich unterstützen, egal was kommt!»

Viele Eltern antworten mir dann: «Das weiss unser Kind!» Und das ist wunderbar! Aber gerade wenn Sie Veränderungen spüren ist es unerlässlich, dass Sie diese Worte jeden Tag zu Ihrem Kind sagen. Es zu wissen und es zu hören, sind zwei verschiedene Dinge. Ihr Kind braucht jetzt Sicherheit und diese kann es nur durch Sie bekommen. Lassen Sie es wissen, dass egal was auch passiert, Sie es vollends unterstützen und lieben werden. So ist die Chance hoch, dass Ihr Kind sich Ihnen anvertraut.

Sie können die Lage positiv beeinflussen

Hätte ich vor drei Jahren diese 4 Punkte beachtet, dann hätte ich viel früher eingegriffen, als mein Kleiner zum Mobbing-Opfer wurde. Wenn Sie sich diese Tipps zu Herzen nehmen, dann werden Sie eine Veränderung sofort spüren und können eingreifen, sollte Mobbing auftreten.

Natürlich wünsche ich niemandem von uns, dass er jemals (wieder) in so eine Lage kommt, aber falls doch, sollten wir bestmöglich darauf vorbereitet sein!

BE NICE – SEI NETT

Gewidmet an dieses Mädchen, welches keinen Ausweg mehr sah.

Das ist meine Herzensangelegenheit und deshalb ist es mir eine Ehre für Sie alle schreiben zu dürfen.

Die Zeiten in denen Mobbing zu Tode geschwiegen wird, sind vorbei.

Es braucht klare und offene Worte.

Ich spreche für die, die sich am wenigsten wehren können.

Unsere Kinder!

Ich kämpfe:

Für mehr Toleranz und weniger Diskriminierung!

Für mehr Verständnis und weniger Ignoranz!

Für mehr Zusammenhalt und weniger Einsamkeit!

Für mehr Wahrheit und weniger „schön reden“!

Für mehr eingreifen und weniger wegschauen!

Weitere Information über das Coaching und Laura Ackermann gibt es hier