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Ist mein Kind Linkshänder?

20 bis 30 Prozent der Bevölkerung sind Linkshänder. Doch oft beeinflussen Eltern ihre Kinder unbewusst so, dass es doch die rechte Hand nutzt. Warum Sie das vermeiden sollten und wie Sie erkennen, welche Hand Ihres Kindes tatsächlich dominant ist.

Ist Ihr vielleicht auch ein Linkshänder?

Ob Ihr Kind Rechts- oder Linkshänder ist, können Sie erkennen. Beeinflussen sollten Sie es nicht. Foto: Maica, iStock, Getty Images Plus

Was haben das Universaltalent Leonardo da Vinci, der französische Kaiser Napoleon Bonaparte, der Komponist Ludwig van Beethoven, Schauspielerin Marilyn Monroe, Popsängerin Lady Gaga und der ehemalige US-Präsident Barack Obama gemeinsam? Sie alle waren beziehungsweise sind Linkshänder.

Ob Ihr Kind auch in diese Reihe gehört, können Sie anhand der folgenden Tipps gut beobachten. Meist ist mit 4 oder 5 Jahren erkennbar, ob das Kind Rechts- oder Linkshänder ist.

So beobachten Sie, ob Ihr Kind Linkshänder ist:

  • Mit welcher Hand übt es zuerst den Pinzettengriff?
  • Mit welcher Hand greift es spontan nach Gegenständen?
  • Mit welcher Hand winkt es?
  • Mit welchem Zeigefinger deutet es auf etwas?
  • Nutzt es die rechte oder linke Hand, um ein Marmeladenglas aufzudrehen?
  • Vorsicht, Falle: Auch Kinder deren linke Hand dominant ist, greifen oft mit rechts nach Stiften oder Besteck, weil sie sich die Verwendung von Werkzeugen oft von ihren Eltern abschauen. Da viele Gegenstände wie zum Beispiel Scheren normalerweise für Rechtshänder gemacht sind, greifen kleine Linkshänder auch in diesen Fällen oft mit der rechten Hand zu.

Wie viele Linkshänder es gibt

Es ist nicht ganz klar, wie viele Linkshänder es tatsächlich gibt. Der deutsche Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte geht von 20 bis 30 Prozent Linkshändern in der Bevölkerung aus. Welche Hand dominant ist, ist laut dem Verband angeboren. Der Integralmediziner Hanns von Rolbeck geht sogar davon aus, dass jeder Zweite eigentlich Linkshänder ist. Diese These ist umstritten. Unumstritten ist jedoch, dass Eltern nicht beeinflussen sollten, welche Hand das Kind nutzt, damit es zu keiner versehentlichen Umschulung der Händigkeit kommt.

So helfen Sie Ihrem Kind, seine dominante Hand zu nutzen:

  • Reichen Sie Gegenstände zur Körpermitte, damit Ihr Kind frei wählen kann, mit welcher Hand es zugreift.
  • Bieten Sie Ihrem Kind bei allen Tätigkeiten an, die rechte und dann auch die linke Hand zu nutzen, zum Beispiel beim Spielen mit einem Auto oder beim Brot schmieren. So kann es selbst herausfinden, mit welcher Hand die Tätigkeit besser gelingt.
  • Wenn Ihr Kind die linke Hand zur Begrüssung reicht, lassen Sie diese Handlung unkommentiert und nehmen Sie die Hand an.

Kinder ahmen Eltern nach

Heute werden Linkshänder stärker akzeptiert als noch vor einigen Jahren. Doch noch immer gibt es Kinder und Jugendliche, die mit rechts schreiben, obwohl die linke Hand dominant ist. Da Kinder durch Vorbilder lernen, nutzen sie oft die Hand, zu der auch die Eltern überwiegend greifen: die rechte.

Unerkannten Linkshänder geht allerdings vieles nicht leicht von der Hand, sie können es eben nicht mit links erledigen. Hanns von Rolbeck vermutet sogar, dass hinter Burn-out, Legasthenie und ADHS eine unerkannte Linkshändigkeit liegen kann.

Auch der deutsche Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte geht davon aus, dass umgeschulte Linkshänder zum Beispiel unter Konzentrationsschwierigkeiten, Wortfindungsproblemen und Lesestörungen leiden können.

Allerdings hat der Psychologe Reinhard Leichner der TU Darmstadt in einer Studie herausgefunden, dass umgeschulte Linkshänder in Sachen Konzentration, Rechtschreibung und so weiter nicht schlechter abschnitten als Links- oder Rechtshänder. Er sieht die brutalen Umschulungsmethoden in der Vergangenheit als die Ursache der Probleme vieler Umgeschulter.

Die Gehirne arbeiten unterschiedlich

Einig ist sich die Forschung darin, dass Links- und Rechtshänder ihr Gehirn auf unterschiedliche Weise nutzen. Gesteuert werden die rechte Körperhälfte der Rechtshänder und die linke Körperhälfte der Linkshänder durch die jeweils diagonale Hirnhälfte. Bei Rechtshändern sind daher Teile der linken Gehirnhälfte stärker ausgeprägt, bei Linkshändern ist es umgekehrt.

«Das Hirn eines umgedrehten Linkshänders muss im Vergleich zu den Menschen, die ihre angeborene Händigkeit leben, viel mehr arbeiten, wenn derjenige eine körperliche, geistige oder emotionale Leistung erbringen will», sagt Hanns von Rolbeck.

Und wenn das Kind beide Hände nutzt?

Lässt sich bei einem fünfjährigen Kind noch nicht erkennen, ob die linke oder die rechte Hand dominant ist, kann ein Experte die Händigkeit abklären. Eltern können den Kinderarzt nach Adressen von Fachleuten fragen, die nach der Sattler-Methodik zu Händigkeitsfragen ausgebildet sind.

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