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Eierstöcke: Wie sie arbeiten und was das für den Kinderwunsch heisst

Die Eierstöcke sind ein paarig angelegtes Organ, in dem die Eizellen heranreifen. Etwa einmal pro Zyklus stellen sie eine reife Eizelle zur Befruchtung bereit; bleibt diese unbefruchtet, wird die Gebärmutterschleimhaut abgestossen und die Blutung setzt ein — so beginnt ein neuer Zyklus.

Schematische Darstellung der Eierstöcke mit heranreifenden Follikeln
Im Zyklus einer Frau spielen die Eierstöcke eine zentrale Rolle. Foto: SolisImages, iStock, Thinkstock

Wie funktionieren die Eierstöcke?

Die Eierstöcke (Ovarien) haben zwei Hauptaufgaben: Sie bilden die weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron, und sie beherbergen die Eizellen. Ab der Pubertät setzen Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) und Hypothalamus über die Hormone FSH und LH die monatliche Follikelreifung in Gang [2]. Aus einem heranreifenden Follikel springt in der Regel einmal pro Zyklus eine Eizelle (Ovulation). Aus der zurückbleibenden Hülle entsteht der Gelbkörper (Corpus luteum), der Progesteron produziert und so die Gebärmutterschleimhaut auf eine mögliche Einnistung vorbereitet [2].

Der Eizellvorrat: angelegt vor Deiner Geburt

Anders als beim Mann entstehen die Keimzellen nicht laufend neu — der Vorrat ist bereits vor der Geburt angelegt und wird danach nur noch kleiner. In der 20. Schwangerschaftswoche erreicht die Keimzellzahl beim weiblichen Fetus mit rund sieben Millionen ihr Maximum. Zum Zeitpunkt der Geburt sind es noch etwa zwei Millionen Keimzellen je Eierstock, nach Abschluss der Pubertät rund 250'000 pro Eierstock [1].

Von den etwa 500'000 Follikeln, die zu Beginn der Geschlechtsreife in beiden Eierstöcken vorhanden sind, erreichen im ganzen Leben nur rund 480 den Follikelsprung [2]. Der Normalfall ist also nicht der Eisprung, sondern die Rückbildung (Atresie) [1]. Diese Zahlen erklären, warum die Zahl der Eizellen mit den Jahren sinkt — und warum es keine Methode gibt, den Vorrat wieder aufzufüllen.

Hormonelle Abläufe und Zyklusvarianten

Ein Zyklus dauert im Mittel 28 Tage; als Zyklustag 1 gilt der erste Tag der voll eingesetzten Blutung. Die Follikelphase bis zum Eisprung kann beträchtlich variieren, während die Lutealphase nach dem Eisprung mit rund 14 Tagen relativ konstant bleibt [2]. Hormonell heisst das: FSH und LH treiben die Follikelreifung an und lösen den Eisprung aus, Östrogene bauen die Gebärmutterschleimhaut auf, Progesteron aus dem Gelbkörper stabilisiert sie danach [2]. Wie die einzelnen Phasen ineinandergreifen, zeigt unser Überblick zum Zyklus der Frau.

Dass Zykluslängen von Frau zu Frau und über die Lebensjahre schwanken, ist normal. Typische Veränderungen:

  • In der Pubertät können Zyklen noch sehr unregelmässig sein.
  • Mit zunehmendem Alter wird die Eizellreserve kleiner und die Reifung der Eizellen störanfälliger [4] — mehr dazu im Artikel über die biologische Uhr beim Kinderwunsch.
  • Sind mit etwa 50 Jahren keine Follikel mehr vorhanden, versiegt die Östrogenproduktion und die Menstruation bleibt aus: die Menopause [1].

Häufige Beschwerden und Erkrankungen der Eierstöcke

Beschwerden rund um die Eierstöcke sind vielfältig. Häufig sind:

  • Eierstockzysten: flüssigkeitsgefüllte Hohlräume, die meist gutartig sind und nur selten Beschwerden machen. Die meisten stehen mit dem Eisprung und dem Heranreifen der Eizellen in Zusammenhang. Grössere Zysten können dumpfe oder ziehende Schmerzen im Unterbauch, häufigen Harndrang, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder einen unregelmässigen Zyklus auslösen. Bleibt eine Zyste über längere Zeit bestehen, sollte die Ärztin oder der Arzt die Ursache abklären [3].
  • Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCO/PCOS): Viele kleine Zysten sind ein Symptom dieses Syndroms [3]; typisch sind ausserdem Zyklusunregelmässigkeiten, ein erhöhter Androgenspiegel und Schwierigkeiten beim Schwangerwerden.
  • Endometriose: Gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe ausserhalb der Gebärmutter kann sich auch an den Eierstöcken ansiedeln. Die dabei entstehenden Zysten enthalten dunkelbraune, eingedickte Blutabbauprodukte und heissen deshalb «Schokoladenzysten» [3].
  • Gutartige oder bösartige Tumoren: Sie sind seltener; bei auffälligen Befunden folgt eine gynäkologische und sonografische Abklärung.

Beschwerden wie prämenstruelle Wassereinlagerungen, Unterleibsschmerzen, Migräneanfälle oder starke Übelkeit sind häufig zyklusabhängig. Wenn Du starke oder neu auftretende Symptome hast, sprich mit einer Gynäkolog:in, damit die Ursache geklärt wird.

Zyklusdiagnostik und Fruchtbarkeit: Was kannst Du messen lassen?

Wenn Du Dir Sorgen um Deine Fruchtbarkeit machst oder einen unerfüllten Kinderwunsch hast, schlagen Ärzt:innen verschiedene Untersuchungen vor. Üblich sind ein Hormonstatus im Blut und eine Ultraschalluntersuchung [4]:

  • Hormonwerte im Blut: bestimmt werden unter anderem Östrogen, Progesteron, LH, FSH, AMH, Testosteron, Prolaktin und Schilddrüsenhormone [4]. Einzelne Werte sind an bestimmte Zyklustage gebunden — Deine Praxis sagt Dir, wann Du zur Blutentnahme kommen sollst.
  • Anti-Müller-Hormon (AMH): Der Wert gibt eine Einschätzung der ovariellen Reserve, also des noch vorhandenen Follikelvorrats. Er ist ein Baustein der Abklärung, kein Schwangerschaftsorakel.
  • Gynäkologischer Ultraschall: zeigt die Zahl der antralen Follikel sowie allfällige Zysten oder Gewebeveränderungen [4].

Diese Untersuchungen geben Orientierung — sie sagen aber nicht vorher, wann oder ob Du schwanger wirst. Eine individuelle Beratung durch eine Gynäkolog:in oder ein Reproduktionszentrum hilft, die Ergebnisse einzuordnen.

Stimulation, In-vitro-Fertilisation (IVF) und Kryokonservierung

Wenn es auf natürlichem Weg nicht klappt, gibt es verschiedene medizinische Optionen:

  • Ovarielle Stimulation: Hormonelle Medikamente steuern die Follikelreifung und lassen mehrere Eizellen heranreifen. Stimulation und Verlauf werden engmaschig per Ultraschall und Hormonkontrollen überwacht.
  • In-vitro-Fertilisation (IVF): Reife Eizellen werden entnommen, im Labor mit Samenzellen zusammengebracht; ein daraus entstandener Embryo wird in die Gebärmutter übertragen.
  • Kryokonservierung von Eizellen: Reife Eizellen werden nach der Stimulation entnommen und mittels Vitrifikation eingefroren — ein Verfahren, das die Fachgesellschaft heute als etabliert und nicht mehr als experimentell einstuft [6]. Wie das im Detail abläuft, erklärt unser Artikel zur Kryokonservierung von Eizellen und Spermien.

Der Fertilitätserhalt kommt nicht nur bei Krankheiten in Frage, die die Fruchtbarkeit bedrohen, sondern auch als individuelle Entscheidung von Frauen, die eine Elternschaft ins spätere Reproduktionsalter verschieben (oft «Social Freezing» genannt). Wie gut die Chancen stehen, hängt vom Alter und von der ovariellen Reserve bei der Entnahme ab: Wegen der schlechten Ergebnisse wird ein Fertilitätserhalt bei Frauen über 40 Jahren nicht mehr empfohlen [6].

Plane auch die Kosten ein: Bestimmte Behandlungen sowie die Lagerung eingefrorener Eizellen sind nicht versichert, und eine spätere Befruchtung mitsamt Embryotransfer muss das Paar ebenfalls selbst bezahlen [6]. Frag im Zentrum früh nach einer schriftlichen Kostenübersicht.

Praktische Tipps und Alltagshilfen

Vieles rund um die Eierstockgesundheit lässt sich nicht beeinflussen. Was Du selbst tun kannst, deckt sich mit dem, was das Universitätsspital Zürich zur Vorbeugung von Unfruchtbarkeit empfiehlt [4]:

  • Nicht rauchen: Rauchen zählt zu den Faktoren, die die Fruchtbarkeit beeinträchtigen — ein Rauchstopp lohnt sich, notfalls zumindest eine deutliche Reduktion.
  • Auf ein gesundes Gewicht achten: Sowohl Übergewicht als auch Untergewicht können die Fruchtbarkeit stören; frische, ausgewogene Ernährung und regelmässige Bewegung helfen.
  • Alkohol nur mässig: übermässiger Konsum gilt als Risikofaktor.
  • Stress ernst nehmen: Lang anhaltende Stresssituationen können sich auswirken; autogenes Training, Entspannungsübungen oder Yoga sind mögliche Gegenmittel.
  • Zyklus beobachten: Ein Fruchtbarkeitskalender oder eine Zyklus-App hilft, Muster zu erkennen und Veränderungen früh zu bemerken.

Wann solltest Du eine Gynäkolog:in aufsuchen?

Vereinbare einen Termin, wenn Du eines der folgenden Probleme bemerkst:

  • starke oder neu auftretende Unterleibsschmerzen,
  • sehr unregelmässige Zyklen oder ausbleibende Blutungen,
  • wiederkehrende grosse Zysten,
  • eine Zyste, die über längere Zeit bestehen bleibt [3],
  • zwölf Monate erfolglose Schwangerschaftsversuche — ab 35 Jahren solltest Du diesen Schritt früher gehen [5].

Das ist kein Grund zur Panik: Sieben von zehn Paaren, die sich in einem Kinderwunschzentrum behandeln lassen, erfüllen sich ihren Wunsch nach einem Baby [5]. Deine Gynäkolog:in kann die nötigen Untersuchungen veranlassen, Therapien besprechen oder Dich an ein spezialisiertes Zentrum überweisen.

Psychologische und soziale Aspekte

Der Umgang mit Zyklusproblemen oder einem unerfüllten Kinderwunsch belastet viele Menschen emotional. Hol Dir bei Bedarf psychologische Unterstützung oder eine Beratung in einem spezialisierten Kinderwunschzentrum — das gehört zur umfassenden Betreuung dazu.

Weiterführende Informationen

Wenn Du konkrete Fragen zur Stimulationsbehandlung, zur Kryokonservierung oder zu Erkrankungen wie PCOS oder Endometriose hast, besprich die Optionen mit einer Gynäkolog:in oder in einem reproduktionsmedizinischen Zentrum. Dort wirst Du individuell beraten und erhältst Informationen zu Erfolgschancen, Risiken und Kosten.

Quellen

  1. Human-Embryologie (Universitäten Bern, Fribourg, Lausanne): Zeitlicher Verlauf der Keimzellenzahl / Follikelzahl. embryology.ch (Keimzellzahlen vor der Geburt, bei Geburt und nach der Pubertät, Atresie, Menopause; abgerufen am 06.08.2026)
  2. Human-Embryologie (Universitäten Bern, Fribourg, Lausanne): Der Ovarialzyklus. embryology.ch (Follikelreifung, FSH/LH, Zyklus- und Lutealphasendauer, Zahl der Follikelsprünge; abgerufen am 06.08.2026)
  3. Universitätsspital Zürich: Eierstockzysten. usz.ch (Häufigkeit und Verlauf funktioneller Zysten, Beschwerden, Schokoladenzysten, PCO-Syndrom; abgerufen am 06.08.2026)
  4. Universitätsspital Zürich: Unfruchtbarkeit bei Mann und Frau. usz.ch (Alter und Eizellreserve, Hormonstatus und Ultraschall, Lebensstilfaktoren und Vorbeugung; abgerufen am 06.08.2026)
  5. Universitätsspital Zürich: Die häufigsten Fragen rund um die Kinderwunschbehandlung. usz.ch (Zeitpunkt der Abklärung, Alter ab 35, Erfolgsaussichten; abgerufen am 06.08.2026)
  6. Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG), Expertenbrief Nr. 59, Aktualität bestätigt November 2025: Fertilitätserhaltung bei Frauen und Männern im postpubertären Alter. sggg.ch (PDF) (Vitrifikation als etabliertes Verfahren, Indikation Social Freezing, Altersgrenze 40, Kostenhinweise; abgerufen am 06.08.2026)

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