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Vater, Mutter, Kind? Mit Co-Parenting weg vom klassischen Familienmodell

Vater, Mutter, Kind: Das Ideal der Kernfamilie ist schon lange keine Realität mehr. Viele sind auf der Suche nach der Erfüllung eines Kinderwunsches, ohne dabei eine (hetero-)sexuelle Paarbeziehung eingehen zu müssen. Das Modell der Co-Elternschaft ist einer von vielen Wegen, diesen Kinderwunsch ohne eine klassische Familie wahr werden zu lassen.

Kinder kriegen ohne eine Beziehung ist mit dem Modell Co-Parenting möglich.

Es bedarf nicht immer einer klassischen Paarbezierhung, um ein Kind grosszuziehen. Bild: UnitoneVector, Getty Images

Stellen wir uns Julia und Sven vor. Sie 35, er 33. Nach nach sechs Jahren Beziehung haben sie sich getrennt. Der Grund: Sie wollte Kinder, er konnte sich das in der aktuellen Situation nicht vorstellen. Nun steht Julia vor dem Punkt: Der Kinderwunsch ist da, aber der passende Partner fehlt.

So wie Julia geht es vielen Menschen. Heterosexuelle Frauen, die noch nicht den richtigen Partner gefunden und nun Angst haben, ihren Kinderwunsch nicht mehr verwirklichen zu können. Lesbische Paare, die nicht nur einen reinen Samenspender suchen. Schwule Paare, die gern Eltern wären, aber keine umstrittene Leihmutterschaft wollen.

Für sie könnte das Konzept des Co-Parenting, auf deutsch etwa «gemeinsame Elternschaft», eine Lösung sein. Dabei beschliessen Menschen mit Kinderwunsch, gemeinsam Eltern zu werden, aber nicht in einer sexuellen Paarbeziehung zu leben. Das Kind kennt biologische Mutter und biologischen Vater. Je nach Absprache lebt es dann bei beiden Eltern gleichermassen oder die meiste Zeit überwiegend bei einem Elternteil – jeweils andere Partner*innen wie Freund oder Freundin gehören zur Konstellation dazu oder eben nicht.

Was verbirgt sich hinter dem Konzept?

Die Idee der Co-Elternschaft ist, dass es nicht zwingend eine heterosexuelle Paarbeziehung braucht, um Kinder grosszuziehen. Wichtiger für ein gutes und gesundes Aufwachsen des Kindes ist eine gute Beziehung der Eltern beziehungsweise Bezugspersonen. In den 1960er Jahren kam das Konzept in den USA auf, in den letzten Jahren erlangte es in Europa immer mehr Bekanntheit.

Co-Elternschaft ist mehr als eine Samenspende oder Leihmutterschaft. Beim Co-Parenting haben beide biologischen Elternteile einen Kinderwunsch und wollen im Idealfall ihrer Verantwortung als Eltern nachkommen. Sie finden sich im Freundeskreis oder über Online-Plattformen und einigen sich darauf, diesen Wunsch gemeinsam ausserhalb einer klassischen Familie zu verwirklichen. Das Kind kennt in der Regel beide Elternteile und wächst mit ihnen gemeinsam auf. Es gibt Absprachen zwischen den Eltern, wie die Erziehung ablaufen soll. Beide übernehmen eine vorher definierte Rolle und sprechen darüber, wie sie sich das Aufwachsen ihres Kindes vorstellen. Wie in einer Liebesbeziehung können sich diese Ansichten aber auch ändern, nachdem ein Kind geboren wurde.

Haben sich die potentiellen Co-Parenting-Partner*innen kennengelernt und für ein gemeinsames Kind entschieden, erfolgt die Befruchtung in der Regel nicht über sexuellen Kontakt, sondern über die Bechermethode. Dabei führt sich die Frau das Sperma des Mannes mit einer Spritze ein.

Co-Parenting: Einfach oder kompliziert

In einer Co-Parenting-Konstellation hat ein Kind oftmals mehr Bezugspersonen als in der klassischen Familie. Das bietet Chancen und Risiken für ein Kind. Mehrere Bezugspersonen können mehr Förderung und Aufmerksamkeit für ein Kind bedeuten, genauso muss es sich aber auch immer auf verschiedene Regeln einstellen.

Für Single-Eltern kann eine Co-Elternschaft mit geteilter Betreuung entlastend sein, da mehr Zeit für sich selbst bleibt. Absprachen zwischen den biologischen Eltern können einfacher sein als in einer sexuellen Paarbeziehung oder nach einer Trennung beziehungsweise Scheidung, bei der jeweils noch die emotionale Komponente zwischen den Eltern hinzukommt.

Rechtliche Situation in der Schweiz

Für ein Co-Parenting-Paar bestehen die gleichen Regelungen für wie für ein unverheiratetes Paar. Die biologischen Eltern sind als Mutter und Vater eingetragen und können, wenn es gewünscht ist, ein gemeinsames Sorgerecht haben.

Nicht geklärt ist die rechtliche Stellung des Kindes zu jeweiligen weiteren Partner*innen von Mutter oder Vater, die ja auch Elternaufgaben übernehmen, aber zunächst keine juristische Beziehung zum Kind haben.

Hier lohnt es sich allenfalls, juristische Beratung zu aktuellen rechtlichen Lage einzuholen.

Erfahrungsberichte und Vermittlungsplattformen

Auf www.planningmathilda.com schreibt Jennifer Sutholt ausführlich über ihre Erfahrung mit Co-Parenting und wie sie mit ihrer Tochter Mathilda und deren Vater lebt.

Seine Erfahrung als Papa von zwei Töchtern mit drei Frauen nimmt Jochen König zum Anlass, sich mit Mütter- und Väterrollen auseinanderzusetzen: www.jochenkoenig.net

Im deutschsprachigen Raum vermitteln Plattformen wie www.familyship.org oder www.co-eltern.de Kontakte zwischen Suchenden. Dabei kann man in seinem digitalen Profil auswählen, welche Rolle man in der Kindererziehung übernehmen möchte, zum Beispiel eher als «Mutter mit Tantenfunktion» oder «Vater mit Onkelfunktion».