Der Wiedereinstieg in den Beruf ist kein Kinderspiel

Familie und Beruf zu vereinbaren ist Familienmanagement

Nach einer Auszeit steigen Mütter häufig über Teilzeit wieder in die Arbeitswelt ein. Doch das führt oft in eine Sackgasse. © Werner Hieber - Fotolia.com

Wenn man Stellenanzeigen durchforstet, sind eine ganze Latte an Zeugnissen, Berufserfahrungen, Kompetenzen und immer häufiger auch so genannten social skills verlangt. Frauen wie Männer, die zugunsten der Familie eine längere berufliche Auszeit nehmen, haben angesichts ihrer lückenhaften Erwerbsbiografie, auf dem Arbeitsmarkt oftmals das Nachsehen. Das Loch im Lebenslauf führt oft auch zu einem löchrigen Selbstbewusstsein und Zweifeln, ob man den Anschluss im gelernten Beruf wieder schafft. Minijobs und Teilzeitjobs, die eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf versprechen, können hier zumindest helfen den Kontakt zum Erwerbsleben nicht abbrechen zu lassen. Trotzdem gilt die Teilzeitarbeit vielen als Sackgasse, da sie eine geringere soziale Absicherung gewährt und kaum Auftstiegschancen bietet.

Im Interview mit Futura TV  rät die Managing Directorin des Personalvermittlers Randstad Schweiz, Simon Nijssen deshalb, die in der Familienarbeit erworbenen Kompetenzen als berufsqualifizierende Stärken zu verkaufen:« Als Arbeitsgeberin würde ich es sehr begrüssen, wenn man seine Qualfikationen als Hausfrau auch tatsächlich in einem Bewerbungsgespräch nach vorne bringen würde.» Dazu zählt Sie zum Beispiel Organisationstalent, Motivation, Coaching und das Führen einer Familie. Doch diese Ansicht wird vermutlich bislang noch von zu wenigen Personalern geteilt.
Um die Familienfrauen- und –männer besser in den Arbeitsmarkt zu integrieren, gründete die Berner  Personalberaterin und Mutter Annemarie Ladon 2004 den Berufsverband der Familien-Managerinnen (BMF-AGF) . Das Familienmanagement stellt «zahlenmässig die grösste Berufsgruppe – und sie wirkt im gesellschaftlichen Niemandsland», erklärte die damalige Verbandspräsidentin Ladon in einem Porträt des Projekts Fachausweis von 2007 mit dem Elternmagazin Fritz+Fränzi. Selbst habe die gelernte Personalerin erfahren müssen wie schwer der Wiedereinstieg in den Beruf sei. Die durch Familienarbeit erweiterten Sozialkompetenzen einfach zu benennen, reiche nicht aus. Im Berufsleben zählten eben nur anerkannte Fachausweise mit geprüften Fähigkeiten und Kenntnissen.

Eidgenössisches Diplom für Mama und Papa

Oberstes Ziel sei es deshalb, eine vom Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) anerkannten Berufsprüfung des Familienmanagements einzurichten, an dessen Anschluss der Eidgenössische Fachausweis Familienmanager/in stehe. Der Fachausweis solle FamilienmanagerInnen ermöglichen ihr meist privat erworbene Wissen und Können ins Erwerbsleben zu übertragen. Dabei qualifiziert sich jedoch nicht automatisch jede Mutter oder jeder Vater für einen Fachausweis. Nach dem Schweizerischen Berufsbildungsgesetz sind fünf Jahre Erfahrung, hier also in Familienarbeit, das Minimum für eine höhere Berufsbildung. Nach einer Einstufung der vorhandenen Kenntnisse und Fähigkeiten werde der zusätzliche Bedarf an Familienmanagement-Kursen festgelegt, um zur abschliessenden Berufsfachprüfung zugelassen zu werden, so der Plan des BFM-AGF.

Noch aber steckt der Fachausweis für das Familienmanagement in den Kinderschuhen fest. Das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie befand die Eingabe für einen Fachausweis für Familienmanagement bereits 2008 für nicht realisierbar und schlug als Lösung eine Zertifizierung des Berufsverbandes für Familien-ManagerInnen mit einer Anknüpfung an berufsähnliche eidgenössische Fachausweise vor. Als der Berufsverband diesem Vorschlage mit einem neuen angepassten Berufsbildungskonzept folgte, wurde aber auch dieses abgelehnt. Das mag nach euphorischen Anfangszeiten ein Tiefschlag zuviel gewesen sein. Seit 2010 liegt der Berufsverband für FamilienmanagerInnen faktisch auf Eis. Es klingt wie eine böse Ironie der Geschichte, dass der ausschliesslich weibliche Verbandsvorstand schliesslich auseinander brach, weil ihre Vertreterinnen neben Beruf und Privatem keine Zeit mehr fanden. 

Karrierefrau sucht Familienmanagerin?

Zwar ist die Familienmanagerin noch keine offizielle Berufsbezeichnung, dennoch gibt es heute scheinbar immer mehr Frauen, die unter und dank demselben Namen, ungestört Karriere machen. Gehe es nach Familien-Agenturen, die Personal für Kinderbetreuung und Hauswirtschaft vermitteln, sei die Familienmanagerin die «moderne Kinderfrau», schreibt DIE ZEIT. Denn die Familienmanagerin «hält der karriereorientierten Chefin den Rücken frei nicht nur in der Erziehung, sondern auch in zahllosen anderen Lebensbereichen. Ein Fulltimejob.»

Heute erwarteten insbesondere besser verdienende Eltern von ihren Nannys mehr als eine pädagogische Ausbildung. Deshalb geht die Berufsbeschreibung der Familienmanagerin weit über Erziehung hinaus. Kinderfrauen oder Nannys sollen Fremdsprachen beherrschen sowie über Zusatzausbildungen im Sportbereich oder musischen Disziplinen verfügen. Sie sollten zudem in der Lage sein einen Haushalt wie Hausangestellte zu managen.

 «Wie man mit dem Kinderwagen Rolltreppe fährt»

Da darf man aber doch fragen, warum es wieder die verschmähten Karrieremütter sein müssen, die sich nicht mit der «einfachen» Kinderfrau begnügen wollen. Haben Väter nichts mehr zu melden? Oder kommen die »karrierorientierten Chefinnen» und »Familienmagerinnen» längst ohne aus? Auf jeden Fall gehören sie zur zur Kaste der Spitzenverdiener. Dass die Wandlung der Kinderfrau zur Familienmanagerin auch eine Frage des Geldes ist, daraus macht die Familien-Agentur nanny4yourkid kein Geheimnis. Natürlich spielten Aufstiegschancen eine Rolle, erzählte Agenturchefin Birgit de Fries der ZEIT. Typische Bewerberin bei der Familien-Agentur seien selbstbewusste und ambitionierte Erzieherinnen, die dem Verwaltungsaufwand, dem Kinderansturm und dem bescheidenen Gehalt in Kindergärten und Kitas müde seien. Eine gutausgebildete und flexible Kinderfrau als Vollzeitangestellte kann sich nicht jeder leisten. In der Regel sind es Spitzen- und Doppelverdiener, deren Ansprüche offenbar durch das staatliche Betreuungssystem nicht befriedigt werden können. Zuletzt verdient wohl am besten die Familien-Agentur.

Viele Quereinsteigerinnen empfänden den neuen Familienmanagerjob als Sprung ins kalte Wasser, erzählt Agenturchefin De Fries in DER ZEIT. Es gäbe eine Reihe von Fragen wie »Wie man am besten mit dem Kinderwagen Rolltreppe fährt oder auf Reisen ein kindgerechtes Ausflugsprogramm organisiert? Viele müssen da erst mal ihre eigene Mutter fragen, darauf bereitet auch die Erzieherinnen-Ausbildung nicht vor.» Das war Grund genug für de Fries im Januar 2012 eine Akademie für zukünftige Familienmanagerinnen auszurufen. In der Akademie für Familienpersonal, die übrigens nicht family manager academy, sondern nanny academy heisst und bislang lediglich Stellen für Nannys und Haushälterinnen ausschreibt, wird im Familienmanagement-Kursmodul beispielsweise Reisebegleitung von Familien, Tagesstrukturierung, Stressbewältigung und Konfliktlösung gelehrt. Hausfrauen und Mütter bzw. nicht eidgenössisch anerkannte Familienmangerinnen wären hier sicherlich auch gute Ratgeberinnen gewesen, zumindest hätten Sie sich die rund 4500 Franken Kursgebühren auf jeden Fall schon mal gespart.

Weiterführende Informationen für den Wiedereinstieg ins Berufsleben

  • Berufsverband der Familien-ManagerInnen: bfm-agf.ch
  • Beratungs-Netzwerk für Familie und Beruf: plusplus.ch
  • Fachstelle für Familien- und Erwerbsarbeit: und-online.ch
  • Dachverband der Schweizer Männer- und Väterorganisationen: maenner.ch
  • Familienfreundliche Unternehmen bewerten und finden unter: jobundfamilie.ch

Text: Nathalie Türk

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