Wiedereinstieg nach Familienpause: Arbeiten lohnt sich nicht in jedem Fall

24 Stunden, 7 Tage die Woche Kinder hüten und Haushalt erledigen – nur wenige Mütter wollen das. Die meisten denken über den Wiedereinstieg nach einer Familienpause nach. Doch die hohen Kosten für die Kinderbetreuung in der Schweiz lassen manche daran zweifeln. Denn für einige lohnt sich das Arbeiten finanziell nicht.

Eine Mutter wagt den Wiedereinstieg nach der Familienpause.

Nach einer Familienpause wollen viele Mütter wieder in den Beruf einsteigen. Foto: iStock, killerbayer, Thinkstock

Kinder können ganz schön ins Geld gehen. Das merken Eltern vor allem dann, wenn sie den Wiedereinstieg nach der Familienpause planen und einen Betreuungsplatz für ihr Kind suchen. In Zürich kostete ein Platz in einer Krippe im Jahr 2009 im Durchschnitt etwa 120 Franken pro Tag, das sind rund 30'000 Franken im Jahr.

Viele Eltern zahlen den Krippenplatz aus der eigenen Tasche, manche können subventionierte Plätze oder Betreuungsgutscheine in Anspruch nehmen. Im Durchschnitt müssen die Eltern zwei Drittel der Kosten selbst tragen. Der andere Teil wird von der Gemeinde, dem Kanton oder Unternehmen finanziert. Während Eltern in unseren Nachbarländern Deutschland, Frankreich und Österreich nur neun bis 19 Prozent des Haushaltseinkommens für einen Betreuungsplatz aufwenden müssen, sind es in der Schweiz 40 Prozent.

Die Kosten für die Kinderbetreuung fressen das zusätzliche Einkommen auf

Die St. Galler Wirtschaftsprofessorin Christina Felfe kennt diese verschiedenen Zahlen, hat sie zum Teil für Studien selbst recherchiert. Das Steuer- und Tarifsystem führe dazu, «dass sich Erwerbstätigkeit für Mütter kaum zu lohnen scheint», sagte sie an einer Tagung der Eidgenössischen Koordinationskommission für Familienfragen im Juni. Für Mütter im mittleren Einkommenssegment führe es sogar zu finanziellen Einbussen.

Ein einfaches Rechenbeispiel, das Christina Felfe vorstellte, zeigt das: Ein Ehepaar aus Zürich hat zwei Kinder. Die Mutter entscheidet sich nach der Familienpause für den Wiedereinstieg. Mutter und Vater würden bei Vollzeitanstellung je 80'000 Franken im Jahr verdienen.

Arbeitet die Mutter in einem 20-Prozent-Pensum und bringt die Kinder einen Tag in die Krippe, bleiben dem Paar vom zusätzlichen Einkommen der Mutter über 60 Prozent. Gehen die Kinder drei Tage in die Krippe, sind es nur noch etwas über 20 Prozent. Bei vier Tagen bleibt nichts übrig, und bei fünf Tagen müssen die Eltern sogar 20 Prozent mehr für die Krippe bezahlen als an zusätzlichem Einkommen herein kommt.

Je mehr die Frau arbeitet, desto weniger Geld bleibt zur Verfügung

Der Wiedereinstieg nach der Familienpause lohnt sich also nicht immer. «Je höher das Arbeitspensum der Zweitverdienerin, desto tiefer ist der Anteil des verfügbaren Einkommens in allen Einkommensklassen», schreibt Monika Bütler, Professorin für Wirtschaftspolitik an der Universität St. Gallen, in einem Aufsatz von 2006. Das hängt an verschiedenen Faktoren, wie sie aufzeigt: Wer viel verdient, hat keinen Anspruch auf einen subventionierten Platz. In Zürich muss eine Familie beispielsweise ab einem Nettoeinkommen von 100'000 Franken und einem Vermögen von 20'000 Franken die vollen Betreuungskosten zahlen. Zudem ist der Steuerabzug für Zweitverdiener nach oben begrenzt.

Da sich die zusätzliche Arbeit nicht immer lohnt, glaubt Christina Felfe, «ziehen sich viele Mütter aus dem Arbeitsmarkt zurück». Dabei würden langfristige Effekte einer Karriereunterbrechung jedoch oft ausser Acht gelassen. Wer für eine gewisse Zeit nicht arbeiten geht, hat weniger Arbeitserfahrung und muss langfrisitig mit Einkommenseinbussen rechnen, beispielsweise bei der Rente.

«Deshalb ist ein Umdenken beim Subventionsmodell wünschenswert», sagte Christina Felfe an der Tagung. Sie denke an einkommensunabhängige Subventionen oder höhere Subventionen. Aus dem Publikum kam zudem der Vorschlag die Kinderbetreuungskosten als unbegrenzte Ausgabe bei den Berufskosten von den Steuern abzuziehen.

Weitere Informationen zum Thema Wiedereinstieg nach Familienpause

Die Präsentation «Familienbesteuerung – zwei Erwerbseinkommen, Kinderbetreuung: Was sich lohnt und was nicht» von Prof. Christina Felfe können Sie unter www.ekff.admin.ch downloaden

Tipps für den Wiedereinstieg nach der Familienpause gibt es auf unserem Partnerportal www.femininleben.ch

 

Autorin: Angela Zimmerling im Juli 2014

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