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Teilzeitjobs für Väter gesucht

Statistisch ist es belegt: Männer leisten heute mehr Stunden Haus-und Familienarbeit als noch vor zehn Jahren. Trotzdem arbeiten die meisten immer noch Vollzeit. Führungskräfte könnten Vorbilder sein und Männer ermutigen, vermehrt flexible Arbeitszeitmodelle zu nutzen.

Teilzeitjobs: Führungskräfte können ein Vorbild für Männer sein

Männer, die Beruf und Familie vereinbaren wollen, stossen in vielen Unternehmen noch auf Mauern.

Zwischen 1997 und 2007 hat sich gemäss Bundesamt für Statistik die Erwerbssituation von Männern verändert. Der Anteil Teilzeiterwerbstätiger ist bei den Vätern mit jüngstem Kind unter sieben Jahren von fünf Prozent auf rund neun Prozent gestiegen.

Insgesamt investieren diese Väter nicht nur absolut am meisten Zeit in Haus- und Familienarbeit (31,5 Stunden pro Woche), sie haben zwischen 1997 und 2007 auch am meisten zugelegt, nämlich 7,2 Stunden pro Woche. Doch obwohl sie mehr Familienarbeit leisten, sind sie nicht häufiger in Teilzeitjobs anzutreffen. Immer mehr wünschen sich das allerdings.

Konflikt mit Rollenerwartungen

Bei den Frauen ist Teilzeiterwerbstätigkeit aus familiären Gründen weit verbreitet und akzeptiert. Männer, die Beruf und Familie vereinbaren wollen, betreten Neuland. Sie stehen im Konflikt mit traditionellen Rollenerwartungen, die allein in der Erwerbsarbeit Sinn und Ziel männlicher Identität sehen. Viele Männer fragen sich, ob sie mit einem Teilzeitpensum noch als ganzer Mann, beziehungsweise als leistungsfähig und -willig angesehen werden.

«In meiner Abteilung gab es noch keinen einzigen Mann mit einem Teilzeitpensum», meint ein junger Vater, der einen Teilzeitjob als Controller in einem internationalen Baustoffkonzern hat. «Ich brauchte deshalb viel Mut, um das Anliegen überhaupt vorzubringen. Als das geschafft war, ging es dann erstaunlich einfach. Ich hatte mich allerdings mit einer Beratung gut auf das Gespräch vorbereitet.»

UNDAuch das Selbstbild vieler Männer ist immer noch stark an den beruflichen Erfolg gekoppelt. Zunehmend gerät es in Konflikt mit einem veränderten Vaterbild und der Erwartung, mehr Verantwortung in der Familienarbeit zu übernehmen. Doch eine wachsende Zahl von Männern, die sich auf eine partnerschaftliche Teilung von Erwerbs- und Familienarbeit einlassen, stehen nach aussen für dieses Familienmodell ein. «Ich hätte nie gedacht, dass mir die Zeit, die ich mit meinem Kind verbringe, so viel Freude bereitet und mir so wichtig wird. Und wer weiss, vielleicht wirkt sich meine Teilzeitarbeit längerfristig auch auf andere junge Väter im Unternehmen aus», so der Controller weiter.

Unternehmen können viel dazu beitragen, dass Teilzeitjobs besser akzeptiert werden. Entscheidend ist es, Führungskräfte frühzeitig mit einzubeziehen. Sie sollten über die vielfältigen Situationen von Vätern informiert sein und wissen, dass Erfolg nicht allein auf der Vollzeitpräsenz von Mitarbeitenden basiert. Die Erfahrung zeigt, dass ein klares Bekenntnis zu flexiblen Arbeitszeitformen vor allem dann bei Männern Wirkung entfaltet, wenn Führungskräfte selbst mit gutem Beispiel voran gehen und ihre Arbeitszeit reduzieren.

«Vater sein formt mich als Person, ich denke, das spüren auch die Kollegen im Büro. Wenig fördert die eigenen Sozialkompetenzen mehr als eine Familie», sagt ein Kadermitarbeiter einer grossen Bank. «Als Vorgesetzter weiss ich, dass Teilzeitpensen im Alltag sehr gut funktionieren. Es braucht etwas mehr Koordinationswillen, der Mehraufwand wird jedoch durch ausgeglichenere Mitarbeitende kompensiert. Deshalb ist ein Teilzeitpensum nicht karrierehemmend.»

Gute Erfahrungen macht die Fachstelle UND mit Väterforen in Unternehmen. Den Männern wird an diesen Foren eine Plattform geboten, an der sie im Austausch untereinander, mit Fachleuten sowie Führungskräften Ermutigung und konkrete Unterstützung bei der Umsetzung von vereinbarkeitsfreundlichen Massnahmen erfahren. «Die Frage nach dem optimalen Verhältnis zwischen Erwerbsarbeitszeit und Familienzeit beschäftigt viele. Darüber wird im Alltag leider nicht gesprochen. Das Forum bietet endlich Gelegenheit dazu», so ein Teilnehmer.

Dank den Väterforen erhalten die Unternehmen Hinweise von Vätern, welche Arbeitsmodelle geeignet sind. Zudem setzen die Unternehmen mit den Väterforen ein deutliches Zeichen. Sie drücken damit aus, wie stark sie Väter, die Beruf und Familie in eine Balance bringen wollen, schätzen.

 

Weitere Informationen: www.und-online.ch

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Text: Fachstelle UND